Wie ein Hockey-Talent aufs Abstellgleis geraten ist
Sein Talent steht nicht zur Debatte. Mehr als 40 Junioren-Länderspiele, zwei Berufungen in Junioren-WM Teams und im Alter von 21 Jahren bereits 64 NL-Spiele. Nichts spricht gegen eine schöne, lange Karriere in der höchsten Liga. Das sehen auch die Bürogeneräle beim SC Bern so: Sie haben Nic Balestra am 16. September mit Vertrag ab der nächsten Saison bis 2030 verpflichtet.
Mit dieser verfrühten Vertragsunterschrift hat der umtriebige Spielerhändler Sven Helfenstein seinen Klienten aufs Abstellgleis manövriert. Nic Balestro ist in dieser Saison nicht mehr eingesetzt worden, Nachdem er letzte Saison immerhin auf gut 13 Minuten Eiszeit pro Partie gekommen war.
Die naheliegende Lösung wäre nun, dass er per sofort zum SC Bern wechselt. Tatsächlich haben die Berner bereits um seine sofortige Freigabe nachgesucht. Aus Zugs Sportabteilung wird dieses Gesuch bestätigt. Aber eine Freigabe gebe es (vorerst?) nicht. Eine gewisse Verärgerung ist herauszuhören: Nic Balestra sei ein Teil der Zukunftsplanung gewesen. Eine Integration ins Team mache nun keinen Sinn mehr. Verständlich: Es ist nicht Zugs Aufgabe, für den SCB einen jungen Verteidiger weiterzubilden.
Möglich, dass er seine Freigabe doch noch bekommen wird. Möglich ist aber auch eine Ehrenrunde in der Swiss League. Um weitere Spielpraxis im Erwachsenenhockey zu bekommen: Visp unterhält gute Beziehungen zu Zug und zu Ambri und dort in der Vergangenheit insbesondere zu Paolo Duca. Nun ist Duca in Zug Geschäftsführer und Obersportchef und eigentlich müsste sich Visp nun um Nic Balestra bemühen: Verteidigungsminister Oliver Heinen fällt bis Ende Saison verletzungshalber aus. Tatsächlich bestätigt Visp-General Sébastien Pico: „Ja, wir bemühen uns um Nic Balestra. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Was wir aus dieser Geschichte lernen: Eine frühzeitige Vertragsunterzeichnung bei der Konkurrenz ist heute gang und gäbe. Aber nur konfliktfrei für Spieler, auf die ein Klub angewiesen ist: Leonardo Genoni hat sowohl in Bern als auch in Zug weit vor der Zeit unterschrieben.
Aber für ein Talent, das noch keinen Einfluss aufs spielerische Wetter hat, ist ein offiziell publik gemachter Vertragsabschluss vor der Zeit keine gute Idee. Was eigentlich Nic Balestras Agent Sven Helfenstein hätte wissen können.
Neben Nic Balestra gibt es einen weiteren und viel prominenteren Spieler, der diese Saison noch keine Sekunde gespielt hat: Inti Pestoni. Ambris 35jähriger Kultstürmer (816 Spiele/483 Punkte für Ambri, Davos, den SCB und die ZSC Lions) ist zwar im späten Spätherbst seiner Karriere angekommen und war letzte Saison bei immerhin etwas mehr als 12 Minuten Eiszeit pro Partie nicht mehr sehr produktiv: Vier Tore und vier Assists in 41 Partien. Nun läuft sein Vertrag aus und in der Regel sorgt ein auslaufendes Arbeitsverhältnis noch einmal für einen Motivationsschub. Aber wir wissen nicht, wie motiviert Inti Pestoni wäre. Weil ihn Trainer Jussi Tapola nicht spielen lässt.
Mit ziemlicher Sicherheit würde Ambris Sportdirektor Lars Weibel die Freigabe erteilen, um sein knappes Salärbudget entlasten zu können. Aber mit dieser Frage musste er sich noch nicht beschäftigen. Inti Pestonis Spielervermittler-Agentur „IQ Sports Management“, im Tessin domiziliert und mit besten Verbindungen zu Ambri und Lugano, lässt auf Anfrage mitteilen, leider habe sich noch kein Klub für Inti Pestoni interessiert. Nicht einmal Visp.
Für alle, die den Kick suchen
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.
Das ganze Programm von 3+ Adrenalin findest du hier.
