Weshalb der FCB wohl nach Deutschland schielt: Diese Trainer könnten Lichtsteiner beerben
Er wird bereits der zehnte Trainer sein, seit David Degen den FC Basel im Mai 2021 übernommen hat: der Nachfolger von Stephan Lichtsteiner – wer auch immer es sein wird.
Offiziell hat der FC Basel, der sich am Mittwochabend nach einer neuerlich skurrilen Episode per sofort von Lichtsteiner als Cheftrainer getrennt hat, noch nicht kommuniziert, wer den Posten übernehmen soll. Interimistisch leitet mit Luigi Nocentini der Assistenztrainer die Geschicke. Der Italiener war unter Double-Sieger Fabio Celestini zum FCB gestossen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Comeback des zwischenzeitlich nach Russland abgewanderten Celestini eine Option ist.
Alle FCB-Trainer seit Christian Gross:
Ohnehin gäbe es wohl nur eine einzige Schweizer Lösung, die in Frage käme: Patrick Rahmen. Zwar ist der 57-Jährige noch immer Trainer beim FC Winterthur, doch bei einer Anfrage des FCB würde es mit Sicherheit eine Lösung geben, die für alle Beteiligten passen würde. Dass Rahmen als Kind des FCB keine Sekunde zögern würde, ist ein offenes Geheimnis. David Degen seinerseits hat mehrfach betont, dass die Entlassung von Rahmen – notabene dem ersten seiner bislang neun Trainer – gleichzeitig bis heute sein grösster Fehler gewesen sei. Der FCB-Boss wird nicht müde, dies zu betonen.
Auch deshalb wäre dieses Comeback eine Möglichkeit, die Sinn ergeben würde. Insbesondere aufgrund der Eigenschaften, die Rahmen und sein Wirken auszeichnen: Der Basler ist bekannt für klare und offene Kommunikation und strahlt sowohl intern als auch öffentlich Ruhe aus. Er ist ein hervorragender Entwickler junger Spieler, lässt attraktiven Offensivfussball spielen und wäre gleichzeitig aufgrund seiner Verbundenheit und Identifikation mit dem Verein eine Person mit Glaubwürdigkeit – gerade auch im Umgang mit Spielern wie Xherdan Shaqiri. Und: Statistisch ist Rahmen der beste FCB-Trainer seit Urs Fischer (Rahmen mit einem Punkteschnitt von 2,11, Fischer mit 2,19).
Doch wie von mehreren Quellen zu vernehmen ist, führt die Spur ins Ausland. Nach Fabio Celestini, Ludovic Magnin und Lichtsteiner kommt also wohl kaum ein weiterer Schweizer dazu. Diese Überlegung der Verantwortlichen beim FCB macht durchaus Sinn. Einerseits hat mit Andreas Herrmann ein Deutscher als technischer Direktor ein Mitbestimmungsrecht, dessen Fühler und Netzwerk weiter greifen als nur ins Schweizer Trainerbecken.
Die Suche im Ausland und ihre Gründe
Andererseits wäre es auch aus Sicht des FCB besser, auf eine Person zu setzen, die komplett unbelastet ist. Sprich: Jemand, der keine Verbindungen zu Spieler-Agenturen hat, mit welchen der FCB zusammenarbeitet, und keine, die aus dem üblichen Schweizer Trainerkuchen stammt. Kein Giorgio Contini also, kein Mario Frick, kein Vladimir Petkovic. Obschon alle drei bereits einmal mit dem FCB in Verbindung gebracht wurden in der Vergangenheit.
Bei der aktuellen Suche dürfte der Blick nach Deutschland gewandert sein. Der vielleicht bekannteste Name, der infrage käme, könnte Sandro Wagner sein. Ein junger Trainer mit seinen 38 Jahren, jedoch mit Profi-Erfahrung. Bei seiner letzten Station beim FC Augsburg wurde er zwar im Dezember entlassen, und doch überzeugte er insbesondere kommunikativ. Wagner ist forsch, direkt, mutig – und wird von Fussballgrössen wie Rudi Völler oder Julian Nagelsmann gelobt. Etwas, was David Degen gefällt.
Wagner hat bereits betont, dass ihn ein Angebot ausserhalb seiner Münchner Heimat oder ganz weg von Deutschland interessieren würde. Dem «Kicker» sagte er: «Ich habe in der Ecke hier viele Klubs abgegrast. Uns ist allen bewusst, dass es beim nächsten Mal weiter weggeht. Ob ich dann in Norddeutschland oder Italien wohne, ist ja fast schon wurscht.» Möglich jedoch, dass der bekannte Name eben auch zu teuer ist.
Verbindungen zu Stuttgart?
Eine weniger kostspielige Lösung könnte Markus Fiedler sein. Der 40-jährige Deutsche war bis Oktober 2025 beim 1. FC Magdeburg in der zweiten Bundesliga tätig und ist aktuell vereinslos. Zuvor war er jahrelang im Nachwuchs des VfB Stuttgart und trainierte 2023 bis 2025 auch die zweite Mannschaft der Stuttgarter. Zu jener Zeit, in der Andreas Herrmann ebenfalls einen kurzen Abstecher von Manchester United zu Stuttgart machte und dort als Scout arbeitete.
Herrmann würde also aus erster Hand wissen, wie Fiedler arbeitet. Bei Stuttgart wurde Letzterer als «hochklassig ausgebildeter Nachwuchsförderer und starker Entwicklungstrainer» bezeichnet, der taktisch flexiblen und offensiven Fussball spielen lässt. Charakteristika, die Degen gefallen.
Eine ähnliche Verbindung zu Herrmann hätte ein weiterer Name: Nico Willig. Auch er war lange Jahre im Nachwuchs des VfB und amtet aktuell als Trainer der zweiten Mannschaft. Entsprechend kreuzten sich auch seine Wege mit Herrmann und kann auch er Profi-Erfahrung aufweisen. In Stuttgart feiern ihn die Medien als «idealen Ausbildner» ab, der überdies seinem Klub seit zehn Jahren die Treue hält.
Doch wie Fiedler kennt ihn in Basel wohl niemand. Wie freudig er entsprechend vom Publikum aufgenommen würde, ist offen. Bei beiden stellt sich auch die Frage, ob sie in den Augen der FCB-Führung am Ende dennoch zu sehr in die Kategorie «Experiment» fallen würden. Etwas, was nach dem krachenden Ende des Projekts mit Lichtsteiner mit Sicherheit tunlichst vermieden werden müsste.
Deutlich mehr Erfahrung weist etwa ein Alfred Schreuder aus. Der Niederländer war nicht nur jüngst Assistent von Julian Nagelsmann bei der Deutschen Nationalmannschaft, er führte auch schon Brügge oder Ajax Amsterdam als Chefcoach und spricht ebenfalls Deutsch.
Sollten die Verantwortlichen hingegen doch auf einen Ausländer mit Verbandelungen in die Schweiz setzen wollen, dürften André Breitenreiter und Bo Henriksen Kandidaten sein. Beide hatten in der Schweiz Erfolg, Breitenreiter wurde Meister mit dem FCZ und ist kommunikativ stark – Henriksen eher der extrovertierte Motivator. Die Frage ist, wo die Prioritäten der Basler liegen: Die Mannschaft langfristig entwickeln – oder doch so schnell wie möglich wieder den Anschluss an die nationale Spitze schaffen. (schweizheute.ch)

