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Sofiane Feghouli of Galatasaray and Gokhan Inler C , Mehmet Topal R of Basaksehir FK during the Turkish Super league football match between Basaksehir FK and Galatasaray at Basaksehir Fatih Terim Stadium in Istanbul , Turkey on June 28 , 2020. PUBLICATIONxNOTxINxTUR

Inler versucht, Galatasarays Feghouli den Ball abzujagen. Bild: www.imago-images.de

Einzigartig und doch belächelt – Gökhan Inler ist erneut Meister



Am Sonntag ist Gökhan Inler türkischer Meister geworden. Schon wieder. Nachdem der frühere Captain der Schweizer Nationalmannschaft diesen Titel schon 2017 mit Besiktas gewonnen hatte, errang er ihn dieses Mal mit einem anderen Team aus Istanbul. Der 36-jährige Inler ist Mitglied jener Mannschaft, das den ersten Meistertitel in der Klubgeschichte von Basaksehir feiern darf.

Zu den Gratulanten gehören auf Instagram auch Xherdan Shaqiri, Didier Drogba, Dries Mertens oder Reto Ziegler, für den Inler immer noch der «Capitano» ist.

Hinzu kommt der sensationelle Gewinn der englischen Meisterschaft mit Leicester City im Jahr 2016. Laut dem Magazin «Zwölf» macht das aus Gökhan Inler den ersten Schweizer Fussballer, der im Ausland mit drei verschiedenen Klubs Meister geworden ist. Hinzu kommen zwei Cupsiege mit der SSC Napoli, es waren die ersten Erfolge des Klubs seit der sagenumwobenen Ära von Diego Maradona am Fusse des Vesuv. In der Serie A, zuvor spielte er in Udine, hatte er seine beste Zeit.

Beeindruckendes Palmarès

89 Mal lief Inler für das Schweizer Nationalteam auf, an zwei Weltmeisterschaften und an der Euro 08 im eigenen Land. Bevor er ins Ausland aufbrach, wurde er mit dem FC Zürich zwei Mal Meister, das erste Mal in der legendären 93. Minute beim FC Basel.

All diese Erfolge müssten aus Inler, dem Sohn türkischer Immigranten aus Olten, eine in Fussballkreisen hochgeachtete Persönlichkeit machen. Sein Palmarès spricht für sich.

Drei Titel – als Ergänzungsspieler

Doch das Gegenteil ist der Fall. Trotz der Titel wird Inler zunehmend belächelt. Der Grund: Er spielt kaum noch. Sein Anteil an den drei Meistertiteln von Leicester, Besiktas und Basaksehir liest sich auf dem Papier bescheiden. Bei Leicester brachte er es in der Meistersaison auf fünf Teileinsätze von insgesamt 195 Minuten. Beim Erfolg mit Besiktas wurde Inler in 14 der 34 Runden eingesetzt, nur drei Mal über 90 Minuten. Und in dieser Saison bei Basaksehir kam er auf neun Einsätze, keiner dauerte länger als eine Halbzeit.

Aufgrund der fehlenden Spielpraxis bot ihn Trainer Vladimir Petkovic vor der EM 2016 nicht mehr für die Nationalmannschaft auf. Es war ein Entscheid, der sportlich nachvollziehbar war, aber auch ein Abgang, der eines langjährigen Captains etwas unwürdig war.

Coach Vladimir Petkovic, rechts, mit Goekhan Inler, links, beim Training mit der Fussball-Nationalmannschaft bei Training in Jona (SG) am Dienstag, 10. November 2015. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Unter Vladimir Petkovic lief Inler noch 14 Mal für die Schweiz auf, im November 2015 bestritt er sein letztes Länderspiel. Bild: KEYSTONE

«Entscheidend is' auf'm Platz»

In der Nati weg – und im Klub galt: Inler, der Ergänzungsspieler. Eine Rolle, die er aus jungen Jahren kannte. Einst hielt man ihn beim FC Aarau für untauglich, er drückte die Ersatzbank. Bis Lucien Favre seine Qualitäten erkannte, ihn zum FC Zürich lotste und ihn dort zu dem Spieler formte, der er wurde.

Ottmar Hitzfeld, ein anderer hoch angesehener Trainer, wird seine Gründe gehabt haben, weshalb er Inler zum Captain des Nationalteams gemacht hatte. Er gilt als ruhiger, sensibler Zeitgenosse. Das Spiel mit den Medien beherrscht er weniger gut als jenes mit dem Ball. Interviews mit Inler haben in der Regel noch weniger Aussagekraft als jene mit den meisten seiner Berufskollegen. Trainer kümmert das weniger, für sie gilt Alfred Preisslers Motto: «Entscheidend is' auf'm Platz.»

Swiss soccer player Goekhan Inler, right, wears a lion mask as a surprise for his supporters,while posing with Napoli's president Aurelio de Laurentiis, during his official presentation, in Naples, Italy, Monday, July 11, 2011. Inler previously played in Italy's Udinese .(AP Photo/Franco Castano)

Legendär: Napoli-Präsident Aurelio de Laurentiis, ein Filmproduzent, lässt Inler bei seiner Vorstellung eine Löwenmaske tragen. Nie vorher wurde so viel für einen Schweizer Fussballer bezahlt als 2011 für Inler. Bild: AP

Mehr Respekt verdient

Und auf dem Trainingsplatz. Dort und in der Kabine werden Spieler wie Inler geschätzt. Er ist sehr erfahren, in der Fussballwelt herumgekommen, ein seriöser Arbeiter und die jüngeren Mitspieler wissen, dass sie seiner Meinung Gewicht schenken sollten. Schliesslich wollen sie alle auch einmal ein Palmarès wie Gökhan Inler vorweisen können. Deshalb ist sein Anteil an den Titeln trotz der wenigen Einsätze dennoch nicht zu unterschätzen.

Spannende Übungen im Training von Basaksehir.

Während rund einem Jahrzehnt war Inler beim FCZ, Udinese und Napoli ein oft überragender Mittelfeldspieler. Vorher hatte er Mühe, seither ebenfalls. Doch zehn Jahre auf Topniveau sind zehn Jahre mehr als ihm als 21-jähriger Ersatzspieler des FC Aarau zugetraut wurden.

Gökhan Inler sollte nicht belächelt werden, weil er im Herbst seiner Karriere nur noch selten auf dem Platz steht. Er hat das verdient, was sein Nationalmannschafts-Mitspieler Riccardo Cabanas einst bei seinem legendären Ausraster für GC gefordert hatte: Respekt.

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43Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • insert_brain_here 21.07.2020 09:25
    Highlight Highlight Ergänzungsspieler beim Meister einer ernstzunehmenden Liga ist immernoch würdevoller als in der chinesischen, amerikanischen oder saudiarabischen Gurkenliga den Clown zu machen.
  • Team Insomnia 20.07.2020 21:42
    Highlight Highlight Champions League Titel: 0
    Europa League Titel: 0

    WM Medallien: 0
    EM 1/4-Finale: 0

    Premier League Champ: 1 (5Spiele gespielt,lol)

    Rest: CH Liga und Türkische Liga (in Europa beide unbedeutend): ein paar Titel okay.

    Unter dem Strich: immer Ersatz, zur richtigen Zeit im richtigem Verein, Gratulation, aber sonst eher nur heisse Luft, leider 🤷‍♂️😬
    • Raembe 21.07.2020 08:09
      Highlight Highlight Missgunst und Neid, typisch Bünzli.
    • Krusty 21.07.2020 08:58
      Highlight Highlight Danke raembe
    • Team Insomnia 21.07.2020 22:33
      Highlight Highlight @Raembe: bei den Kommentaren zu Novak Djokovic sieht man am besten wo die Bünzlis sich bewegen...😘
    Weitere Antworten anzeigen
  • LAZIO1900 20.07.2020 19:30
    Highlight Highlight Super Gögi.. Olten ist stolz auf dich, der Einzige Fussballer hier, der es zu was gebracht hat.
  • neutrino 20.07.2020 17:14
    Highlight Highlight Ich mochte Inler auch immer sehr - jedoch kann man sich solche reine Defensiv-MF-Spieler heute auf Spitzenniveau nicht mehr leisten.

    Es braucht solche Spieler, die stabilisieren und Ruhe reinbringen können - aber sie müssen heute wenn nötig auch offensiv gewisse Akzente setzen können (zB. Kroos). Wenn sie das nicht können, müssen sie zumindest Abräumer-Qualitäten haben (Casemiro, Ngolo Kanté..)
  • Rechthaberwoman 20.07.2020 16:26
    Highlight Highlight Also Inler wird belächelt, weil er kaum zu den Titeln beigetragen hat. Shaqiri aber wird bejubelt für seine Erfolge bei Bayern und Liverpool, obwohl noch weniger Spielzit als Inler. Will jetzt nichts schlechtreden, aber wird hier mit zweoerlei Mass gemessen?
    • Jonas der doofe 20.07.2020 18:22
      Highlight Highlight Ich glaube eher, dass vermutlich mehr Leute Shaqiri belächeln als Inler. Aber ist nur meine subjektive Wahrnehmung
    • Amboss 20.07.2020 20:57
      Highlight Highlight Wen meinst du, der Shaqiri bejubelt?

      Es gibt jedenfalls sehr viele, die ihn wegen seiner Rolle bei seinen Titeln mehr als nur belächeln.
      Musst nur mal die diversen Kommentarspalten lesen.

      Und ich finde, zB Journalisten messen beide mit der gleichen Elle
    • Silent_Revolution 20.07.2020 22:06
      Highlight Highlight Wer bejubelt Shaqiri?
    Weitere Antworten anzeigen
  • LooTerror 20.07.2020 15:34
    Highlight Highlight Ich habe Inler immer geschätzt kein man der großen Worte dafür in seinen besten Zeiten immer solide und konstant auf dem Platz. Meist ist eben weniger mehr! (sollten sich andere Fußballer auch zu Herzen nehmen)
  • pop_eye 20.07.2020 15:17
    Highlight Highlight Für mich war Inler der AlpenPirlo. Leider von den Nati-Trainer des öfteren unterschätzt wie auch vom Publikum.
  • PlayaGua 20.07.2020 14:00
    Highlight Highlight Seit ich mal ein langes Porträt über Inler gelesen habe, ist er mir echt sympathisch. Seine Spielart war immer unauffällig, weshalb er wohl auch oft unterschätzt wurde.

    Nur schade, dass er jetzt für den Erdogan-Club spielt.
  • Nelson Muntz 20.07.2020 12:53
    Highlight Highlight Fatih Terim Stadion? Der lebt doch und trainiert einen Konkurrenten. Ist ja wie wenn Thun im Georges Bregy Stadion spielen würde.
    • McStem 20.07.2020 13:44
      Highlight Highlight Er trainierte aber auch die Türkische Nationalmannschaft während 11 Jahren (über 3 Amtszeiten). Wäre also eher so, wie wenn Köbi Kuhn nach der Nati-Zeit nochmals den FCZ trainiert hätte und Thun im "Köbi Kuhn Stadion" spielen würde.
    • Nelson Muntz 20.07.2020 13:56
      Highlight Highlight Ich kenn den schon... und mag ihn seit November 2005 erst recht nicht.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 20.07.2020 12:38
    Highlight Highlight Inler ist ein Meister des horizontalen Sicherheits-Passes, einmal rechts, einmal links, einmal rechts. Wenn es darum geht, dem Spiel keine Entwicklung zu geben, ist er der richtige Mann.

    Bei internationalen Spitzenteams, die das Spiel in die eigene Hand nehmen, stand Inler hin und wieder auf Beobachtungslisten. Leider hat es mit einem Wechsel nicht geklappt.

    Trotz, Inlers Erfolge können sich sehen lassen. Hätte ihm auch einen Champions League Titel gegönnt. So bleibt Rakitic der beste Schweizer im Ausland, der als Stammspieler alle seine Titel geholt hat.
    • Pipikaka Man 20.07.2020 13:01
      Highlight Highlight Xhaka ist diesbezüglich genau gleich. Nur das Inler ein Charakterspieler war während Xhaka dies oft nicht ist.
    • Martel 20.07.2020 13:09
      Highlight Highlight Seit wann ist Rakitic ein „Schweizer“ Fussballer? Zudem liebt er doch nichts mehr als sich als Kroate auszugeben und zu präsentieren.
    • juhuudiesernicknamewarfrei 20.07.2020 13:13
      Highlight Highlight rakitic ist kroate kein schweizer
    Weitere Antworten anzeigen
  • cheko 20.07.2020 12:25
    Highlight Highlight Sympatischer Kerl! Wäre schön wenn er seine Karriere in der Schweiz ausklinken lassen würde.

    PS: der letzte Satz ist einfach genial :-D
  • c_meier 20.07.2020 12:15
    Highlight Highlight Da es eher unrealistisch ist, dass er wieder für die Nati auflaufen wird:
    Eine ehrenvolle Verabschiedung im Rahmen eines Nati-Spiels hätte er auf jedenfall verdient!
    bitte nachholen
    • why_so_serious 20.07.2020 12:52
      Highlight Highlight hat ja genügend lohn darfür erhalten - braucht doch keine abschiedsspiele dafür
    • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 20.07.2020 13:00
      Highlight Highlight @ why_so_serious:

      Es redet hier niemand von einem Abschiedsspiel. @ c_meier schreibt von einer offiziellen Verabschiedung während, respektive vor einem Spiel der Nati...
    • tr3 20.07.2020 13:04
      Highlight Highlight Sowas macht der SFV nicht. Hat er noch nie gemacht, wird er nie machen. Inler ist bei weitem nicht der einzige, der nie einen würdigen Abschied aus der Nati hatte.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pipikaka Man 20.07.2020 12:10
    Highlight Highlight Inler ist echt ein verdienter Spieler. Auch jemand mit Charakter, spielerisch haben wir bessere Spieler, aber ich denke er hat mehr Charakter als die derzeitigen Stars in unserer Nati. Ich vermisse Spieler wie ihn und Behrami.
  • Victor Paulsen 20.07.2020 12:08
    Highlight Highlight Er ist zwar englischer Meister geworden, aber während seinen 5 Premier League Einsätze hat er nicht wirklich überzeugt und war eigentlich nur auf der Bank, obwohl er der teuerste Leicester Einkauf in diesem Sommer war
    • Victor Paulsen 20.07.2020 19:42
      Highlight Highlight @Die die hier blitzen
      Wie erklärt ihr euch sonst, dass er als teuerster Einkauf nur 5 Premier League Einsätze und nur 10 Einsätze für die erste Mannschaft hatte und dabei auf nur 705 Spielminuten kam?
  • Shabbazz 20.07.2020 12:04
    Highlight Highlight Ich mochte Inler immer sehr gerne!! Ein absoluter Musterprofi der sich auf seine Arbeit auf dem Platz fokussiert und von dem man nie Geräusche neben dem Platz gehört hat. Auch als er aus der Nati flog nahm er das absolut Professionell auf ohne zu motzen, das zeugt von viel Charakter!
    Freue mich hat er nochmals einen Titel gewonnen, auch wenn er nicht mehr so oft spielt..trotzdem hatte er eine absolut beeindruckende Karriere! Chapeau...
  • Toerpe Zwerg 20.07.2020 12:03
    Highlight Highlight Danke. Ich mag Inler und mochte ihn schon immer.

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