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Training unter Matchbedingungen – ohne Zuschauer.
Training unter Matchbedingungen – ohne Zuschauer.Bild: keystone

Die Schweiz in der Nations League gegen die Ukraine: «Man merkt die lange Pause nicht»

In Lwiw startet die Schweiz heute (20.45 Uhr) gegen die Ukraine in die Nations League. Der Wettbewerb gehört für die SFV-Auswahl zur EM-Vorbereitung. Es geht aber auch um das FIFA-Ranking.
03.09.2020, 09:14

In Lwiw logiert das Schweizer Nationalteam in einem alten Bankgebäude, das zu einem Hotel umgebaut wurde. Wo früher der Safe eingelagert war, ist heute der Frühstücksraum untergebracht. Wie in einem gut bewachten Tresorraum müssen sich die Schweizer in der Ukraine auch ohne die spezielle Vergangenheit dieses Hauses vorkommen. Covid-Restriktionen bestimmen den Alltag. Die SFV-Delegation darf das Hotel nur verlassen, wenn es zum Training oder Spiel in die Lwiw-Arena geht.

Die Annäherung an die Nations League ist speziell. Nationaltrainer Vladimir Petkovic will deshalb die Vorbereitung aber nicht gestört sehen. «Man muss Massnahmen einhalten, aber wir wissen, weshalb wir das machen müssen, und deshalb fällt uns dies nicht schwer.» Wegen dem ganz unterschiedlichen Formstand der Spieler hat Petkovic in den drei Tagen vor dem ersten Spiel seit fast zehn Monaten nicht intensiv mit dem Team arbeiten können. «Aber wir kennen unsere Prinzipien, wir beginnen nicht bei Null. Man merkt die lange Pause nicht.»

Vladimir Petkovic stellt sich nach dem Training den Journalisten.
Vladimir Petkovic stellt sich nach dem Training den Journalisten. Bild: keystone

Das Spiel gegen die Nummer 24 im FIFA-Ranking ist irgendwo im Graubereich zwischen Test- und Pflichtspiel anzusiedeln. Petkovic selbst sprach vor wenigen Tagen vom Start in die Vorbereitung auf die EM-Endrunde im nächsten Sommer. Dort eine gute Rolle zu spielen, das ist das (Fern-)Ziel der Schweiz. Die Nations League, in der sie in ihrer Gruppe auch auf Spanien und Deutschland trifft, soll der SFV-Auswahl als Indikator dienen, wo sie im Vergleich mit der europäischen Elite steht.

Bei der ersten Ausgabe der Nations League vor zwei Jahren hat die Schweiz als Gruppensieger das Finalturnier erreicht. Jetzt geht es wohl eher darum, nicht abzusteigen. Petkovic schätzte die Ausgangslage vor dem Auftakt so ein: «Auf dem Papier sind die Schweiz und die Ukraine nicht die Favoriten auf den 1. Platz.» Eine solide Nations League zu spielen, ist für die Schweiz nicht unwesentlich. Ein Abstieg würde bedeuten, dass bei der nächsten Ausgabe unattraktivere Spiele gegen die europäische Mittelklasse anstehen – und nicht mehr Duelle gegen Deutschland und Spanien oder wie vor zwei Jahren gegen Belgien.

Wichtiger Wegweiser für die WM-Qualifikation

Ausserdem muss es für die Schweiz das Ziel sein, dank guten Resultaten in diesem Herbst eine der besten zehn Mannschaften Europas im FIFA-Ranking zu bleiben. Dann wäre sie im Winter bei der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die WM 2022 in Katar im Topf 1 gesetzt. Das ist deshalb wichtig, weil sich für die WM nur die Gruppensieger direkt qualifizieren. Im Moment ist die Schweiz auf FIFA-Position 12 die Nummer 7 Europas. Doch der Vorsprung auf die nachfolgenden Länder Italien, Niederlande, Deutschland und Dänemark ist minim.

Andrej Schewtschenko trainiert mittlerweile die Nationalmannschaft der Ukraine.
Andrej Schewtschenko trainiert mittlerweile die Nationalmannschaft der Ukraine.Bild: keystone

Das alles mag kompliziert sein. Und genau so kompliziert kündigt sich das Spiel in der Ukraine an. Für den Schweizer Captain Granit Xhaka stellt der Gegner «eine sehr starke Mannschaft mit vielen Spielern in guten Ligen». Das Team des früheren Stürmerstars Andrej Schewtschenko hat sich in den letzten Jahren tatsächlich neu positioniert. Die EM-Qualifikation hat sie ungeschlagen und vor Europameister Portugal beendet. Ohne Niederlage kamen sonst nur Spanien, Italien, Belgien und Dänemark durch die Ausscheidung. Die letzte Niederlage der Ukraine geht zurück auf den 18. November 2018. «Ihre Stärke ist die Homogenität. Kompliment an Schewtschenko, er hat viel für diese positive Entwicklung getan», sagte Petkovic.

Homogen soll auch das Schweizer Team auftreten, obwohl Spieler wie Fabian Schär, Denis Zakaria, Remo Freuler oder Admir Mehmedi fehlen. Petkovic, der in seiner einjährigen Vorbereitung auf die EM wenig experimentieren möchte, wird gezwungen sein, das eine oder andere auszuprobieren. Doch er blieb darüber ungerührt. «Wir haben bewiesen, dass wir flexibel sein können.» Wenn das Spiel beginnt, ist Flexibilität gefordert. Sonst ist fast jeder Schritt vorgegeben. In der Blase im Hotel, das einmal eine Bank war. (zap/sda)

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