Sperren im Amateurfussball nicht mehr öffentlich – jetzt regt sich Widerstand
Bisher brauchte es nur wenige Klicks und jede und jeder konnte sehen, welche Fussballerinnen und Fussballer eines Vereins gerade gesperrt sind und für wie lange. Die entsprechenden Einträge waren auf den Webseiten der regionalen Fussballverbände frei zugänglich. Ab 1. Juli ist das anders.
Neu sind die Suspensionen, Funktionssperren und Strafen nur noch für Vereine und deren zuständige Funktionäre im passwortgeschützten Bereich von clubcorner.ch abrufbar. Der Schweizerische Fussballverband verweist auf Art. 27 und 54 der aktuellen Rechtspflegeordnung des SFV.
Luigi Ponte, der Präsident des Aargauer Fussballverbandes, ärgert sich über die Praxisänderung. «Die Bösen werden immer geschont», sagt er.
Worum geht es Ponte? Bisher konnten Spieler und Funktionäre, die grobes Fehlverhalten – zum Beispiel in Form von Ausschreitungen – an den Tag gelegt hatten, anhand der ausgesprochenen Sperren identifiziert werden. Was auch Auswirkungen auf andere Lebensbereiche haben konnte. Der Chef konnte beispielsweise sehen, ob einer seiner Mitarbeiter durch Fehlverhalten auf dem Fussballplatz negativ aufgefallen war. «Das hatte eine abschreckende Wirkung», ist Ponte überzeugt.
Der SFV sagt: Es geht um Persönlichkeitsrechte
«Jetzt werden Täter unter dem Vorwand ihrer Persönlichkeitsrechte geschützt», sagt Ponte. Zwar waren bisher auch «normale» Sperren – zum Beispiel für Platzverweise – einsehbar. Doch bei Sperren im Bereich von ein, zwei Spielen war klar, dass diese für gewöhnliche, fussballspezifische Vergehen ausgesprochen wurden. Anders bei langfristigen Sperren. Das war ein Indiz dafür, dass schwerwiegendes Fehlverhalten zugrunde lag.
Das führt zur Frage: Will der Schweizerische Fussballverband mit der neuen Praxis Fehlverhalten «verstecken» und dem Fussball so ein besseres Image verleihen? Schliesslich sorgt der Regionalfussball regelmässig für negative Schlagzeilen in Form von Ausschreitungen und Schlägereien.
Der Schweizerische Fussballverband wehrt sich gegen diese These. Er schreibt auf Anfrage: «Hintergrund (der Praxisänderung) ist eine verstärkte Abwägung zwischen dem berechtigten Interesse an Transparenz im Spielbetrieb und den schützenswerten Persönlichkeitsrechten der betroffenen Spieler/innen – und nicht die mögliche Vertuschung.»
Der SFV ergänzt: «In den letzten Jahren hat die Anzahl von Gesuchen zur Löschung personenbezogener Daten deutlich zugenommen. Mit der neuen Regelung trägt der SFV diesen datenschutzrechtlichen Anforderungen und einem vielfach geäusserten Bedürfnis im Breitenfussball Rechnung.»
Der AFV zeigt sich wenig zimperlich
Luigi Ponte kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Bisher mussten sündige Personen selbst aktiv werden, um eine Löschung zu beantragen. Nun werden sie automatisch nicht mehr öffentlich genannt.
Ponte würde sich wünschen, dass der SFV die Praxisänderung nochmals überdenkt. Dass das passiert, glaubt er indes nicht. Und in Eigenregie kann der Aargauer Fussballverband die Veröffentlichungen nicht weiterführen. Unter der Führung des ehemaligen Spitzenschiedsrichters hat sich der AFV den Ruf erarbeitet, rigoros gegen fehlbare Spieler und Vereine vorzugehen.
Der Schweizerische Fussballverband will auch künftig über Probleme im Amateurfussball informieren. Der SFV schreibt: «Zur Sicherstellung der Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit publiziert der SFV auf der Zahlen- und Faktenseite auf football.ch auch künftig anonymisierte Auswertungen und Kennzahlen zum Fairplay und Disziplinarwesen.» (aargauerzeitung.ch)

