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Die Fans von Guangzhou können noch mehr jubeln: Jetzt kommt auch noch Jackson Martinez. PS: Wer findet den Bayern-Fan im Bild?&nbsp;<br data-editable="remove">
Die Fans von Guangzhou können noch mehr jubeln: Jetzt kommt auch noch Jackson Martinez. PS: Wer findet den Bayern-Fan im Bild? 
Bild: TORU HANAI/REUTERS

Guangzhou: Bestechungsskandal, Zwangsabstieg und mit achtreichstem Mann Chinas durchgestartet

Die chinesischen Fussballklubs warfen in diesem Winter mit Geld nur so um sich – und sie dürften es bis zu ihrem Transferfenster-Ende am 26. Februar weiterhin tun. Die 42 Millionen Euro, die Guangzhou für Jackson Martinez bezahlte, bilden dabei den vorläufigen Höhepunkt. Aber was ist das für ein Verein, der sich auf macht, die Welt zu erobern?
03.02.2016, 14:5203.02.2016, 15:25
Oliver Linow
Oliver Linow
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Bis vor ein paar Jahren war der chinesische Fussball Niemandsland. Dann kündigte Staatspräsident Xi Jinping 2011 an, China müsse Weltmeister werden und auch die Klubbesitzer investierten immer mehr in ihre «Babys». Allein in diesem Winter lotsten sie bisher vier Spieler für jeweils über zehn Millionen Euro ins «Reich der Mitte». Hinzu kommen viele weitere, die billiger zu haben waren.

Guangzhou Evergrande hat sich mit dem Kauf von Jackson Martinez in neue Sphären katapultiert. 42 Millionen Euro: Nie hat sich ein asiatischer Klub einen Spieler mehr kosten lassen. Lachhaft angesichts der Leistungen des Kolumbianers in der Vorrunde. 

Für Atletico Madrid absolvierte er nur zwei Spiele über die volle Distanz und erzielte in 22 Einsätzen gerade einmal drei Treffer: Eine miserable Quote für einen Angreifer. Wer steckt also hinter dem Klub, der bereit ist eine solch horrende Summe für diesen Spieler hinzublättern?

Manipulator und Serienmeister

Guangzhou Evergrande ist in Chinas Fussball zur Zeit das Mass aller Dinge. In den letzten fünf Jahren erspielten sie sich fünf Meistertitel und einen Pokalsieg. Hinzu kommen die Triumphe in der asiatischen Champions League 2013 und 2015. Neben Martinez steht mit Paulinho (WM-Teilnehmer 2014) ein weiterer Spieler unter Vertrag, der in Europa bestens bekannt ist. Trainiert wird das Ensemble von Luiz Felipe Scolari. Der Brasilianer führte sein Heimatland 2002 zum bisher letzten Weltmeistertitel.

Vor Martinez und Paulinho liessen sich bereits diverse Stars in der Stadt im Süden Chinas nieder. So schnürten zum Beispiel der Ex-Dortmunder Lucas Barrios, der italienische Weltmeister Alberto Gilardino oder Robinho einst die Schuhe für den Spitzenklub.

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Robinho kickte bis Anfangs Jahr für Guangzhou. Jetzt ist er vertragslos.<br data-editable="remove">
Robinho kickte bis Anfangs Jahr für Guangzhou. Jetzt ist er vertragslos.
Bild: Shizuo Kambayashi/AP/KEYSTONE

Vor dem ersten Meistertitel 2011 zerriss Guangzhou allerdings keine grossen Stricke. Die einzigen Erfolge waren die Vizemeisterschaften 1992 und 1994. Besonders negativ stand der Klub im Jahr 2010 in den Schlagzeilen. Nachdem bekannt geworden war, dass in der Aufstiegssaison 2007 Bestechungsgelder geflossen waren, wurde Guangzhou in die zweite Liga zwangsrelegiert. In der darauffolgenden zwei Jahren gelang allerdings der sofortige Wiederaufstieg und der erste Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Von der europäischen Elite ist der chinesische Verein trotzdem noch ein gutes Stück entfernt. Mit den Triumphen in der Champions League sicherten sie sich 2013 und 2015 die Teilnahme an der Klub Weltmeisterschaft. Sowohl gegen die Bayern (2013) als auch gegen Barça (2015) blieb Guangzhou aber im Halbfinale chancenlos und verlor jeweils gleich mit 0:3.

Auch die Bayern waren in der Saisonvorbereitung schon zu Gast im Tianhe Stadion.<br data-editable="remove">
Auch die Bayern waren in der Saisonvorbereitung schon zu Gast im Tianhe Stadion.
Bild: Bongarts

Die zunehmenden Erfolge wirken sich auch auf die Zuschauerzahlen aus. Im Tianhei Stadion, der 1987 eröffneten Heimstätte Guangzhous, finden bis zu 58'500 Fans Platz. Besuchten im Jahr 2009 durchschnittlich 19'400 Zuschauer die Heimspiele, so waren es im letzten Jahr bereits fast 46'000.

Zu verdanken hat Guangzhou Evergrande seine derzeitigen Erfolge hauptsächlich Klubbesitzer Xu Jiayin. Laut dem amerikanischen Forbes Magazin der achtreichste Mann Chinas. Der 57-jährige Unternehmer, dessen Vermögen auf 5,1 Milliarden Dollar geschätzt wird, leitet das Imobilienunternehmen Evergrande Real Estate. Von dieser Firma hat der Verein seinen Beinamen.

Besitzer Xu Jiayin mit seinem Trainer Luiz Felipe Scolari.<br data-editable="remove">
Besitzer Xu Jiayin mit seinem Trainer Luiz Felipe Scolari.
Bild: CHINA STRINGER NETWORK/REUTERS

Neben Jiayin engagiert sich mit der chinesischen Alibaba Group ein weiteres chinesisches Unternehmen beim südchinesischen Verein. Die nach eigenen Angaben grösste IT-Firmengruppe des Landes betreibt unter anderem das Online-Auktionshaus Taobao.

Selbst Zweitligisten werfen mit Geld um sich

Guangzhou Evergrande ist nicht der einzige Verein Chinas, der in diesem Winter tief in die Taschen gegriffen hat. Von den vier Klubs, die am meisten für neue Spieler ausgegeben haben, stammen drei aus dem «Reich der Mitte». Besonders auffallend ist dabei der Klub Tianjin Quanjian. Dieser wurde erst 2006 gegründet und spielt in der zweithöchsten Liga. In der abgelaufenen Saison reichte es nur für den neunten Platz.

Der Klub aus dem Osten des Landes gab in diesem Transferfenster trotzdem stattliche 40,6 Millionen Euro und somit am drittmeisten für neue Spieler aus. Diese Ausgaben sind umso fragwürdiger, da die teuersten Einkäufe völlige No-Names sind. Oder hat schon mal jemand etwas von Geuvanio, Lu Zhang oder Ke Sun gehört? Tianjin bezahlte für alle drei je rund 10 Millionen Euro.

Tianjin liess sich Ke Suns Dienste satte 9,2 Millionen Euro kosten.<br data-editable="remove">
Tianjin liess sich Ke Suns Dienste satte 9,2 Millionen Euro kosten.
Bild: TIM WIMBORNE/REUTERS

Mit den beiden ehemaligen brasilianischen Nationalspielern Luis Fabiano und Jadson finden sich immerhin zwei einigermassen bekannte Namen im Kader. Fabiano kickte auch schon bei Porto und Sevilla und fuhr mit Brasilien an die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Jadson verdiente sein Geld zwei Jahre lang in der Ukraine bei Schachtar Donezk. Mit Vanderlei Luxemburgo – einst Trainer von Real Madrid und der brasilianischen Nationalmannschaft – steht zudem ein prominenter Mann an der Linie. Das Ziel ist klar: der Aufstieg. Und dann vielleicht bald Evergrande den Platz an der Sonne streitig machen. Mindestens.

Die wichtigsten Transfers im Winter 2016

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