Jede zweite hat Rücktrittsgedanken – das grosse Problem im Frauenfussball
Trotz der Förderung des Frauenfussballs denkt fast jede zweite Spielerin über ein vorzeitiges Karriereende nach. Finanzielle Probleme und psychische Belastungen sind laut einer Umfrage der Spielergewerkschaft FIFPRO in 40 Ländern die wichtigsten Gründe. Demnach erwägen 49 Prozent der 791 befragten Spielerinnen, früher als vielleicht nötig mit dem Fussball aufzuhören. 59 Prozent nannten dafür finanzielle Gründe, 46 Prozent gaben psychischen Stress an.
Das durchschnittliche, inflationsbereinigte Monatsgehalt in den Vereinen hat sich laut Studie dank des Umsatzwachstums in Ligen wie der National Women's Soccer League in den USA auf 2601 US-Dollar verdreifacht. Das mittlere Monatsgehalt liegt mit 1669 Dollar (rund 1389 Euro) allerdings deutlich darunter.
Die Professionalisierung des Frauenfussballs schreite in einigen Teilen der Welt immer schneller voran, und die Einnahmen würden steigen, hiess es. «Allerdings sind die Fortschritte und Vorteile nicht gleichmässig auf die Spielerinnen weltweit verteilt», sagte Alex Culvin, Direktorin für Frauenfussball bei der FIFPRO.
Im kommenden Jahr steuere der Frauenfussball auf globale Einnahmen von mehr als einer Milliarde US-Dollar zu. Aber ausserhalb der finanziell stärksten Vereine seien prekäre Beschäftigungsbedingungen weiterhin verbreitet, sagte Culvin.
So verdienen in zehn osteuropäischen Ländern Fussballerinnen demnach im Durchschnitt weniger als den jeweiligen nationalen Mindestlohn. Zudem haben weltweit lediglich 56 Prozent der Spielerinnen einen Arbeitsvertrag. In nur acht von 30 im Bericht analysierten nationalen Ligen gebe es einen Tarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen regelt. Deswegen fordert die FIFPRO weltweit verbindliche Mindeststandards zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Insgesamt 57 Prozent der befragten Spielerinnen berichteten von psychischen Problemen. Die Hälfte von ihnen erhielt nach eigenen Angaben keine Unterstützung durch ihre Vereine. Deshalb fordert die FIFPRO unter anderem eine verpflichtende psychologische Betreuung.
Derweil gab es laut der Studie Verbesserungen unter anderem im Bereich des Mutterschutzes. Der Weltverband FIFA hatte 2021 die von der FIFPRO ausgehandelten Regeln eingeführt. Hatten bei der letzten grossen Umfrage 2017 noch 47 Prozent der Spielerinnen erwogen, wegen der Gründung einer Familie aufzuhören, waren es jetzt nur noch 19 Prozent. (abu/t-online.de)

