Der hellste Stern am Firmament – wird in Schweden schon wieder ein Underdog Meister?
Noch einen Monat dauert die Meisterschaft in Schweden. Sechs Runden muss IK Sirius noch durchhalten, dann ist das Wunder vollbracht. Nie zuvor in den 119 Jahren seines Bestehens hat der Klub aus der Universitätsstadt Uppsala einen nationalen Titel gewonnen, nun nimmt er acht Punkte Vorsprung in den Endspurt der Saison.
«Ich schaue mir die Tabelle oft an», sagte Flügelspieler Joakim Persson jüngst bei TV4, «aber ich bin dabei eigentlich nicht nervös.» Dabei ist der Vorsprung geschmolzen, bei Saisonhalbzeit betrug er sogar zwölf Punkte. Zu jenem Zeitpunkt war Sirius ungeschlagen, mittlerweile gab es drei Niederlagen, alle hintereinander im August. Doch die Konkurrenz ist zu unkonstant, um Sirius, benannt nach dem hellsten Stern am Nachthimmel, näher auf die Pelle zu rücken.
Mitten in der Saison den Torjäger verloren
Dass die Saison in Schweden nach dem Kalenderjahr gespielt wird, hatte für Sirius einen handfesten Nachteil. Mitten im Jahr verloren die Blåsvart, die Blau-Schwarzen, ihren Topskorer: Robbie Ure, der 15 Tore in 15 Spielen schoss, wurde an den FC Sevilla verkauft. Mehr als die 6,5 Millionen Euro für den Schotten kassierte Sirius nie.
Wer glaubte, dass dieser Abgang dem überraschenden Leader das Genick brechen würde, lag falsch. Zwar sank die Qualität der Torchancen ohne Ure markant, wie ein Statistiker feststellte. Doch der Rest des Teams war noch gut genug, um die meisten Gegner in Schach zu halten. In Uppsala hoffen sie auch ein wenig darauf, dass dies so bleibt und dass man vom Vorsprung zehren kann, den man sich erarbeitet hat.
Das Ziel: Eine attraktive Adresse für Talente zu werden
Sirius hat sich bewusst als Klub positioniert, der junge Spieler (weiter)entwickeln will, um sie mit Gewinn weiterzuverkaufen. Im «Guardian» erklärte Sportdirektor Jonathan Ederström, dass dies ein wichtiger Bestandteil der Strategie sei: «Wir sind weder der grösste Verein in Schweden, noch sind wir der reichste, und wir haben auch nicht die glanzvollste Geschichte. Aber wir haben beschlossen, dass wir danach streben wollen, bei der Nachwuchsförderung die Besten zu werden.» Mit einem Alter von durchschnittlich 23,7 Jahren hat der Tabellenführer das zweitjüngste Kader der Liga.
Das Geld aus dem Ure-Transfer soll nicht nur in neue Talente fliessen, sondern auch in die Infrastruktur. In Steine statt Beine zu investieren soll dabei helfen, eine attraktivere Adresse zu werden, wenn es darum geht, junge Spieler vom Wechsel zu überzeugen.
Die, die jetzt schon da sind, wurden offenbar klug zusammengestellt. «In jedem Team gibt es normalerweise Grüppchen, aber in dieser Mannschaft spüre ich davon kaum etwas», sagte Persson, ein 24-jähriges Eigengewächs. «Ich kann mit jedem reden, wann immer ich will. Das ist wichtig.» Zum guten Teamgeist trägt auch bei, dass Mittelfeldspieler Melker Heier in der Kabine regelmässig zur Schere greift und den Kollegen die Haare macht.
Erste Gespräche über Meisterfeier
Aber natürlich schiessen neue Frisuren und eine gute Stimmung in der Kabine keine Tore. Im Training wurde etwa ein Augenmerk auf die Standards gelegt, so gelang Sirius bei ruhenden Bällen eine markante Verbesserung gegenüber der Vorsaison. 21 der 55 Treffer gelangen nach Standards, das ist der Liga-Bestwert. Den Ball überlässt Sirius grundsätzlich gerne dem Gegner, um aus einer stabilen Defensive gefährliche Umschaltmomente zu kreieren.
Schon die vergangene Saison endete in Schweden mit einer Sensation: mit dem Meistertitel von Mjällby AIF. Der Dorfklub eroberte den Thron aus dem Nichts und gewann am Ende mit 13 Punkten Vorsprung. Auf den Rausch folgte der Kater, momentan kämpft Mjällby mit drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz gegen den Abstieg.
IK Sirius hingegen hat es in den eigenen Beinen, erstmals Meister zu werden. Zwei Verfolger sind verblieben, auf beide trifft der Leader noch: im übernächsten Spiel auf Hammarby, in der vorletzten Runde auf Djurgarden. Erste Gespräche zwischen der Stadt und dem Klub über eine Meisterfeier haben jedenfalls bereits stattgefunden.
