DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Filippo Lombardi beim Spengler Cup 2019 in Davos.
Filippo Lombardi beim Spengler Cup 2019 in Davos.
Bild: KEYSTONE
Interview

Ambri-Boss Lombardi: «Vicky meldete sich umgehend auf Facebook …»

Filippo Lombardi hat Ambri zu den Ursprüngen zurückgeführt und den Bau des neuen Stadions orchestriert. Ein Gespräch mit der wohl charismatischsten Persönlichkeit unseres Hockeys nicht nur über Ambri, Politik, Journalismus – auch wie er UBS-Boss Sergio Ermotti dazu gebracht hat, bei der Finanzierung der neuen Arena mitzuhelfen.
19.07.2021, 21:14
Klaus Zaugg

Über oder durch den Gotthard? Längst Alltag. Die Schönheit der Leventina? Wird ignoriert und wir brausen beinahe achtlos nach Süden. Eigentlich schade. Rechts der Autobahn erkennen wir nämlich Ambris neues Stadion. Der Fremde, der nichts von Ambri weiss und zum ersten Mal über die Gotthard-Route nach Süden fährt, staunt über diese nigelnagelneue Hockeyarena. Ähnlich wie einst der amerikanische Forscher und Politiker Hiram Bingham, als er Machu Picchu entdeckte.

Die neue Arena direkt neben der Autobahn wird rechtzeitig für die neue Saison fertig.
Die neue Arena direkt neben der Autobahn wird rechtzeitig für die neue Saison fertig.
Bild: Keystone

Ein neuer Hockey-Tempel in diesem kargen, kaum noch bewohnten Bergtal und weit weg von allen urbanen Zentren ist mindestens so eindrücklich wie die alte Inka-Festung hoch in den Anden. Die Kraft unserer Hockeykultur zeigt sich gerade in der Fähigkeit, Stadien zu bauen oder zu erneuern: wie zuletzt in Davos, in Langnau, in Zug, in Lausanne, in Fribourg, in Zürich, in Pruntrut, in Visp, in Biel – und nun eben auch in Ambri.

Möglich gemacht hat dieses hochalpine Bauwerk Filippo Lombardi. Er wird wahlweise als Renaissance-Mensch, mediale Saftwurzel, politischer Alpenbitter, Animal Politique, Tessiner Landesgottheit, Raymond Broger des 21. Jahrhunderts oder als einer der letzten vollständig erhaltenen Konservativen geschildert. Wahrscheinlich ist Lombardi alles ein wenig. Sonst wäre es ihm nicht gelungen, den erstaunlichsten Stadionneubau unserer Hockeygeschichte zu orchestrieren. Ein wirtschaftliches, politisches und architektonisches Meisterwerk.

Kommen wir gleich zur Sache, die uns am meisten interessiert: Haben Sie die 50 Millionen Franken für die neue Arena gefunden?
Filippo Lombardi:
Nein, noch nicht ganz. Uns fehlen noch eineinhalb Millionen Franken – das ist der Betrag für die Mehrwertsteuer auf den Subventionen, den wir nicht zurückfordern können.

Dann können wir hier ja einen Spendenaufruf für diese fehlenden eineinhalb Millionen machen.
Ich danke Ihnen. Interessierte können sich bei filippo.lombardi@hcap.ch melden …

Wie setzt sich die Finanzierung der 50 Millionen für die neue Arena zusammen?
Es ist ein komplexes Mosaik aus fast hundert Teilen.

Ständerat Lombardi im Gespräch mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga.
Ständerat Lombardi im Gespräch mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga.
Bild: KEYSTONE

Welches sind die grössten Mosaikteile?
Ungefähr 38 Prozent sind Bankkredite oder andere rückzahlbare Darlehen, etwa 35 Prozent Subventionen. Mindestens 25 Prozent der Gesamtsumme müssen – laut einem Entscheid des Tessiner Grossrates – eigene Mittel sein, inklusive Gönner und Investoren.

Das Bankenkonsortium ist also ein wichtiger Teil.
Das stimmt, ganze zwölf Banken gehören dazu: die UBS, die Credit Suisse, die CIC Bank, die Tessiner Kantonalbank, sieben lokale Raiffeisen-Banken und noch die WIR-Bank.

Wie um alles in der Welt haben Sie Banken dazu gebracht, in ein Hockey-Stadion zu investieren?
Angefangen hat es mit Sergio Ermotti. Als er mit der UBS zugesagt hatte, war es einfacher, die anderen zu überzeugen.

Und wie haben Sie den UBS-Chef überzeugt?
Er sagte, das Engagement bei uns sei nicht ein Geschäft, sondern eine soziale und regionalpolitische Verpflichtung.

Ob Ambris Romantik werden sogar die Grossbanken sozial.
Ich finde es richtig und wichtig, dass die Banken auch ihre lokale Verankerung und Verantwortung wahrnehmen.

Mit ziemlicher Sicherheit war es nur einem Politiker wie Sie es sind möglich, diese Finanzierung zu organisieren.
Ich bitte Sie, zur nächsten Frage überzugehen.

Aber wir dürfen Ihre Verdienste ja schon würdigen. Ambri hat keinen grossen Mäzen. Aber einen grossen Präsidenten.
Sie können das so sagen. Ich nicht.

Aber Ihr Netzwerk ist ein entscheidender Faktor.
Obwohl wir immer eine breite Unterstützung in unserer Fangemeinschaft geniessen durften, war der Klub eine Weile lang von einem grosszügigen Geldgeber sehr abhängig. Er rettete uns vor 20 Jahren vor dem Konkurs. Als ich als Präsident gewählt wurde, waren wir uns einig, dass wir die kommerziellen Einnahmen steigern und die Abhängigkeiten verringern müssen. Die Finanzierung der neuen Halle war von Anfang an meine Aufgabe. Wir sind aber nach wie vor der Klub, der am stärksten von seinen Fans abhängig ist.

Das neue Stadion
Ambri spielt die nächste Saison im neuen Stadion. Das Fassungsvermögen beträgt 6775 Personen, was – Zufall oder nicht – auch Ambris Postleitzahl entspricht. Die neue Arena ist auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes gebaut worden und kostet etwas mehr als 50 Millionen. Die alte Valascia wird abgerissen. Es ist noch offen, ob ein Teil der Zivilschutzräume, die im alten Stadion integriert sind, weiterhin genützt werden können.

Wie sieht denn die Finanzierungstruktur des Klubs aus?
Das ist Firmengeheimnis.

Na kommen Sie! Es ist doch schön, wenn Sie die Bedeutung der Fans in Zahlen ausdrücken dürfen.
Sagen wir es so: Die Publikumseinnahmen – Ticketing, Merchandising, Hospitality, Catering und Gönner – machen bei uns rund 75 Prozent der Einnahmen aus. Der Rest kommt von Sponsoren und den Fernsehrechten. Das wird auch in der neuen Arena so sein. Wir konnten bereits 1000 Saisonkarten mehr verkaufen als in der alten Valascia.

Sie sind vom Saulus zum Paulus geworden: Nach Jahren mit ausländischen Trainern und Sportchefs vertrauen Sie nun auf einheimisches Schaffen, auf Sportchef Paolo Duca und Trainer Luca Cereda. Was hat zu diesem Erweckungserlebnis geführt?
Ich war in dieser Sache immer schon ein Paulus. Für mich war von allem Anfang an klar, dass wir mit eigenen Leuten arbeiten müssen. Aber ich hatte diese Leute nicht! Paolo Duca wollte noch spielen und Luca Cereda musste erst seine Sporen im Nachwuchssektor abverdienen, und dann sich bei den Ticino Rockets als Trainer eines Profiteams behaupten. Er wurde sowieso als jüngster NL-Trainer ernannt!

Nun haben wir mit den beiden einen Sportchef und einen Trainer, die hier gross geworden sind, die sich mit Ambri identifizieren, die hierbleiben, die befreundet sind – ein Glücksfall für uns. Ich musste vorher Jahre mit ausländischen Sportchefs und Trainern arbeiten. Und ich habe verstanden, warum sie sich nicht um unseren Nachwuchs kümmerten. Sie wussten ja, dass sie im besten Fall drei Jahre ihren Job behalten, meistens noch weniger lang. Warum sollte sich dann ein Trainer oder ein Sportchef um den Nachwuchs kümmern? Das bringt ja erst etwas in fünf oder mehr Jahren. Alles war darauf ausgerichtet, sofort ein Resultat zu erzielen. Und das war nur mit relativ teuren oder erfahrenen Spielern möglich.

Dieses kurzfristige Denken dürfte Ihnen als Politiker ja nicht ganz fremd sein.
Das ist oft die Tragödie der Politik: Kein Horizont über die nächsten Wahlen hinaus. Aber gute Projekte brauchen 10, 15 oder gar 20 Jahre, man denke zum Beispiel an die NEAT, oder an eine Energiestrategie. Als Politiker hat man immerhin noch mindestens das Glück einer vierjährigen Amtszeit. Als Sportchef oder Trainer sind es in der Regel weniger. In der Finanzbranche geht es sogar um die Quartalergebnisse.

Zur Person
Filippo Lombardi (* 29. Mai 1956) ist seit 2009 Ambris Präsident. Keiner seiner Vorgänger war in der 84-jährigen Klubgeschichte so lange im Amt. Der Medienunternehmer und Politiker studierte Recht und Wirtschaftspolitik, war Journalist und Chefredaktor, gründete das Privatfernsehen TeleTicino und sitzt in sechs Verwaltungsräten von lokalen Medienunternehmen im Tessin.

Von 1999 bis 2019 sass er im Ständerat und verlor dieses Mandat bei den letzten Wahlen um 45 Stimmen gegen Marina Carobbio Guscetti (SP). 2012/2013 präsidierte er als erster Tessiner seit 25 Jahren den Ständerat und führte von 2014 bis 2019 die CVP-Bundeshausfraktion.

Seit April 2021 sitzt er in der Stadtregierung von Lugano und führt das Departement für Bau, Umwelt, Verkehr und Energie. Sein Vater Giovanni Lombardi war ein international hoch angesehener Ingenieur, der unter anderem beim Gotthard-Strassentunnel, dem Gotthard Basistunnel und bei der NEAT federführend war.

Wir haben soeben einen Sommer der Reformen im Schweizer Eishockey erlebt. Auch das war Politik. Und wie in der Politik hat das Ständemehr – also die Summe der Stimmen der Kleinen – den Ausschlag gegeben.
Aber es hat lange gedauert, bis wir – die Kleinen – begriffen haben, dass wir zusammenspannen müssen, wenn wir uns die Regeln nicht von den Grossen diktieren lassen wollen. Was übrigens im Interesse der ganzen Liga ist.

Eine «Ausländerschwemme» konnte verhindert werden. Aber die Salärbegrenzung liess sich nicht realisieren.
Bei uns schon. Wir sind der einzige Klub der Liga, der die Saläre auf fünf Jahren einfrieren und kürzen werden muss.

Ambris Führungstrio: Sportchef Paolo Duca, Präsident Filippo Lombardi, Trainer Luca Cereda (von links).
Ambris Führungstrio: Sportchef Paolo Duca, Präsident Filippo Lombardi, Trainer Luca Cereda (von links).
Bild: TI-PRESS

Wie kommt das?
Es gibt für die A-Fonds-perdu-Beiträge des Bundes für die Profi-Klubs zwei Optionen: Ersatz für 50 Prozent der Einnahmeausfälle ohne Lohneinschränkungen oder 66 Prozent der Einnahmeausfälle. Dafür müssen die Löhne auf fünf Jahre eingefroren und nach einem bestimmten Schlüssel gekürzt werden.

Und Sie haben die zweite Option gewählt?
Ja. Wir sind der einzige Klub der Liga, der die Einschränkungen auf sich nimmt. Wir müssen, weil wir immer noch die Finanzschwächsten sind.

Dann hat Ambri die kleinste Salärsumme aller Klubs?
Ja, das ist so.

Sind Sie sicher? Ambri gibt weniger Geld für Spielersaläre aus als beispielsweise Langnau?
Ja, wir konnten mit Paolo Duca die Lohnsumme stark reduzieren. Die Salärsummen sind von der Liga zu Handen des Bundesamtes für Sport im Hinblick auf diese Bundesunterstützung endlich einmal offiziell erhoben worden. Ambri ist bei dieser Aufstellung definitiv Tabellenletzter.

Es ist ja schon seltsam: Allen möglichen Firmen wird wegen der Pandemie mit Bundesgeldern geholfen, aber nur bei den Sportunternehmen wird diese Hilfe an Lohnkorrekturen geknüpft.
Sie sagen es. Hier hat die Politik eine Bauchreaktion gezeigt.

Gibt es beim Profi-Eishockey und -Fussball ein Imageproblem?
Ja, ich habe gespürt, dass gewisse Lohnexzesse allen geschadet haben. Dazu haben die Medien beigetragen, die immer wieder über Löhne spekulieren, die nicht unbedingt stimmen oder gar nicht vergleichbar sind.

Aber halt: Die Medien prangern auch die Lohnexzesse in anderen Branchen an. Beispielsweise bei den Banken. Sonst hätte es die Abzockerinitiative nie gegeben.
Das mag so sein. Aber die Politik denkt wohl, dass Banken für unser Land wichtiger sind als Eishockey oder Fussball.

Aber nicht für Finanzminister Ueli Maurer. Er ist ein bekennender Ambri-Fan.
Das stimmt. Wenn Ambri gewonnen hat, trägt er am Tag danach eine Ambri-Krawatte.

Sie scherzen.
Nein, nein, das stimmt und ich hatte deswegen ein Problem mit Lugano-Präsidentin Vicky Mantegazza. Sie hat vernommen, dass Ueli Maurer bei einem Empfang der Parlamentarier aus dem Tessin eine Ambri-Krawatte getragen hat, weil wir am Vorabend gewonnen hatten. Dies war durchaus angemessen: Von zehn Abgeordneten waren acht Ambri-Fans. Aber Vicky hatte keine Freude daran und meldete sich umgehend auf Facebook

Bekennender Ambri-Fan: Bundesrat Ueli Maurer.
Bekennender Ambri-Fan: Bundesrat Ueli Maurer.
bild: keystone

Kein Wunder, dass das Wunder einer neuen Arena wahr geworden ist.
Entscheidend bei diesem Wunder waren die kantonalen Instanzen. Vom Bund gibt es grundsätzlich nur eine Million Franken, plus die Beteiligung an die Beiträge für die geschützten Zivilschutzräume und für die Entfernung aus der Lawinengefahrenzone laut Waldgesetz.

Und wie steht es im kantonalen Parlament?
Da sind etwa zwei Drittel für Ambri. Das entspricht ungefähr unserem Anteil im Volk.

Umso tragischer, dass Ihnen 45 Stimmen für die Wiederwahl in den Ständerat fehlten.
Müssen Sie das erwähnen?

Als Trost: Undank ist halt der Welten Lohn. Treten Sie noch einmal für nationale Wahlen an?
Zuerst mal sehen, was Donald Trump tut … Dazu kommt, dass ich als Mitglied der Stadtregierung in Lugano jetzt gut befrachtet bin. Ich musste so viel arbeiten!

Sie haben dort das Baudepartement unter sich. Da dürften Sie viel mit Vicky Mantegazza zu tun haben.
Nein. Bisher ist noch kein Baugesuch von ihr eingereicht worden.

Wie ist ihr Verhältnis zur Luganos Präsidentin?
Persönlich verstehen wir uns sehr gut, unsere Väter haben zusammen an die ETHZ studiert und sind Freunde geblieben. Sportlich gibt es eine normale Rivalität.

Bei uns in der Deutschschweiz hält sich hartnäckig das Gerücht, die Familie Mantegazza habe Ambri in der Vergangenheit finanziell geholfen. Denn was wäre Lugano ohne Ambri?
Das ist definitiv bloss ein Gerücht. Ich habe das persönlich abgeklärt.

Sind Sie eigentlich auch Investor bei Ambri?
Leider.

Leider?
Sonst könnte ich mir eine Villa am See leisten.

Dann spendieren Sie Ambri pro Saison so viel wie eine Villa am See kostet?
Nicht pro Saison, um Gottes Willen! Nein, ich leiste mir keine Extravaganzen. Nicht einmal einen Mercedes, geschweige denn einen schönen Ferrari. Und Maserati ist der offizielle Lieferant von Lugano. Wir beschränken uns auf Marken wie Skoda oder Volvo.

Wie kommt das?
Ich war lange Zeit Journalist und das ist ein schlecht bezahlter Beruf. Aber immer noch besser, als arbeiten zu müssen, sagt man bei uns.

Wir sind so boshaft und sagen: Das gilt auch für Politiker.
Aber nicht wenn Sie in der Exekutive sitzen. Wie ich schon sagte: Seit ich in Lugano in der Stadtregierung bin, muss ich täglich echt viel arbeiten, obwohl es «nur» ein Halbzeitpensum wäre. Wie man bei euch in der Deutschschweiz sagt, heisst es für mich täglich «lifere, nid lafere».

Waren Sie tatsächlich Journalist?
Ja, gut 15 Jahre lang, zuerst als Korrespondent und dann Chefredaktor einer Tageszeitung, danach als Tagesschau- und Debattenmoderator sowie Kommentator des Tessiner Regionalfernehen TeleTicino, das ich gegründet habe.

Oh, als Tessiner Antwort auf Roger Schawinski.
Das Gegenteil: TeleTicino ging 1994 zwei Wochen vor TeleZüri auf Sendung! Wir waren aber noch Piraten – als Schweizer Fenster eines italienischen Senders – wobei Roger schon Jahre zuvor als Pirat aus Italien mit Radio 24 wirkte. Andere haben mich als «Tessiner Berlusconi» bezeichnet, was ich eigentlich nicht schätze, weil ich mich in meiner ganzen Karriere als Journalist und Verleger im Fernsehen, Radio und Zeitungen, als Politiker oder als Ambri-Präsident ganz anders benommen habe als «Silvio der Grosse».

45 Stimmen fehlten Lombardi zur Wiederwahl.
45 Stimmen fehlten Lombardi zur Wiederwahl.
Bild: KEYSTONE

Haben Sie viel polemisiert?
Manchmal schon. Ich habe meine Meinung wenn nötig auch aggressiv vertreten. Aber nicht im Sport. Eine meiner Verantwortlichkeiten als Chefredaktor war es, am Abend die Seitenabzüge zu kontrollieren, um sicherzustellen, dass wir über Ambri und Lugano in gleicher Aufmachung und in gleicher Länge und mit gleich grossen Fotos berichteten.

Sie haben im Tessin immer noch sechs Verwaltungsratsmandate in lokalen Medienunternehmen. Achten Sie nach wie vor darauf, dass Ambri und Lugano gleich behandelt werden?
Nein. Wir haben überall gute Chefredaktoren, die dafür sorgen. Dafür muss ich jetzt die Fans beruhigen, wenn sich die Schiedsrichter gegen uns irren …

So viel Medienpräsenz und doch fehlten 45 Stimmen zur Wiederwahl …
… mussten Sie das schon wieder erwähnen?

Wir entschuldigen uns. Aber wir sehen, was Sie für Ambri leisten und empfinden es als Undank des Tessiner Stimmvolkes. Wir möchten noch einmal auf das neue Stadion zurückkommen. Wann haben Sie sich entschieden, dieses Projekt in Angriff zu nehmen?
Am 9. April 2009 – drei Tage nachdem wir uns in den Playouts gegen Biel gerettet hatten – bin ich zum Präsidenten gewählt worden. Am 10. April ging ich ins Büro in Ambri und in der ersten Schublade, die ich öffnete, fand ich ein Schreiben des Kantons Tessin, worin eröffnet wurde, dass die Valascia am 30. April 2009 definitiv geschlossen werde und keine weiteren Verlängerungen bewilligt werden. Das wäre das Ende für Ambri gewesen, und mir war damit vom Anfang an klar, dass wir ein neues Stadion brauchen. Durch Investitionen in die Sicherheit konnten wir dann die sofortige Schliessung verhindern und nach anderthalb Jahren hatten wir ein Projekt für die Renovierung der alten Valascia bis zum Baugesuch entwickelt, das von der Gemeinde dem Kanton wohl bewilligt worden wäre. Wir hätten in drei Etappen im Sommer 2011, 2012 und 2013 die Valascia renovieren können, ohne den Spielbetrieb einzuschränken.

Dann platzte mitten in unsere letzte Sitzung mit den kantonalen Behörden eine Meldung vom Institut für Schnee- und Lawinen-Forschung in Davos, dass die Valascia wegen Lawinengefahr nicht mehr renoviert werden darf. Für mich war das der schlimmste Tag in Ambris Geschichte. Wir wurden auf Feld eins zurückgewiesen und im ersten Moment dachte ich, dass wir die Zeit nicht mehr haben und die Mittel nicht mehr finden, um Ambri am Leben zu erhalten. Dann dauerte es vier Jahre, bis die Gemeinde uns ein Grundstück aus dem vom Bund erworbenen Militärflugplatz zur Verfügung stellte und die Umzonung bewilligte.

Da sassen Sie noch im Ständerat und Ihre Beziehungen zum damaligen Verteidigungsminister Ueli Maurer haben sicherlich geholfen.
Das sagen Sie. Die Gemeinde hatte das gesamte Gelände für 400'000 Franken tatsächlich günstig gekauft.

Auch dank Ihrer Vermittlung.
Wenn Sie es sagen – ja.

Und dann fehlten ihnen 45 Stimmen für die Wiederwahl.
Ich bitte Sie …

… wir sagen das, weil wir den Undank des Tessiner Stimmvolkes einfach noch einmal erwähnen wollen.
Ich glaube nicht, dass Undank im Spiel war. Es gab mindestens vier politische Gründe für diese Nichtwiederwahl. Aber wir wollen hier keine Wahlanalyse machen zumal ich schon immer darauf geachtet habe, Sport und Politik zu trennen. Dies entgegen Ihrer früheren Behauptung, ich hätte nur für meine politische Ziele das Präsidium in Ambri übernommen…

Haben Sie eigentlich die Namensrechte für die Arena verkaufen können?
Nein, noch nicht. Die Pandemie ist uns in die Quere gekommen. Grosse Firmen zögern in dieser Zeit mit so grossen Investitionen.

Das neue Stadion wurde vom Tessiner Stararchitekten Mario Botta entworfen.
Das neue Stadion wurde vom Tessiner Stararchitekten Mario Botta entworfen.
Bild: KEYSTONE/Ti-PRESS

Was kostet denn dieses Namensrecht?
Sie kennen ja ungefähr die Zahlen der anderen Namensrechte. Was schätzen Sie?

600'000 bis 800'000 Franken.
Das ist eine gute Schätzung. Wir haben eine sehr schöne Arena, Mario Botta hat sie entworfen und sie ist von der Autobahn aus sehr gut zu sehen. Kommt dazu, dass Ambri als Meister der Herzen sehr hohe Sympathiewerte im ganzen Land hat.

Es ist besser, wenn Ambri nie Meister wird. Sonst ist Ambri nicht mehr Meister der Herzen.
Da haben Sie wohl recht. Wir sind ein wenig wie St.Pauli im deutschen Fussball. Wir werden nie Meister, aber wir freuen uns, Meister der Herzen zu sein. Gerade deshalb bin ich immer noch gerne Präsident. Weil ich spüre, wie die Leute unsere schwierige Situation verstehen und uns unterstützen. Wir dürfen stolz auf unsere Geschichte sein. Wissen Sie, wie viele Klubs seit Einführung der Playoffs zur höchsten Liga gehören, nie abgestiegen sind und nie eine Nachlassstundung beantragen mussten?

Das dürften drei sein: Gottéron, Lugano und … Ambri.
Ja, richtig. Wir haben oft schwierige Zeiten überstanden, mussten aber in den 84 Jahren unserer Geschichte nie den Gang zum Konkurs- oder Nachlassrichter antreten. Darauf dürfen wir stolz sein.

Ambri unter Präsident Lombardi
2010 12.
2011 12.
2012 11.
2013 10.
2014 7.
2015 11.
2016 10.
2017 12.
2018 11.
2019. 5.
2020 10.
2021 11.

Noch niemand war in Ambri so lange Präsident wie Sie. 12 Jahre und – wir haben nachgeschaut – 695 Spiele lang. Diese biblische Amtszeit dürften Sie auch Ihrem politischen Talent verdanken.
Nein, eher meiner Natur.

Das ist es ja: Sie sind eben auch ein «Animal Politique».
Ich bin, wie ich bin.

Wie sind Sie?
Ich bin fröhlich, konstruktiv, kollegial, freundlich, ich lache gerne … aber wenn ich etwas erreichen will, kann sich sehr hartnäckig sein.

Wenn wir schon bei der Politik sind: Werden Sie für die Tessiner Regierung kandidieren?
Nein. Dann müsste ich – im Falle einer Wahl – Berufspolitiker werden und meine Verwaltungsratsmandate bei den lokalen Medien, anderen Gesellschaften, sowie einigen für mich ideell wichtigen Stiftungsräten niederlegen. Und auch das Präsidium von Ambri niederlegen! In Luganos Stadtregierung habe ich nur ein 50-Prozent-Mandat und ich kann nach wie vor am richtigen Leben teilnehmen. Das ist mir wichtig.

Aber Sie waren einst Bundesrats-Kandidat.
Nein, nur in den Medien.

Da war sicher was dran.
Nein. Über die Journalisten haben wir schon gesprochen … Ich hätte geradesogut auch zum Mond fliegen können. Seit die CVP 2003 ihren zweiten Sitz im Bundesrat verloren hat, sind die Chancen auf einen CVP-Bundesrat aus dem Tessin gleich null.

Das ist schade. Sie wären ein grosser Bundesrat geworden.
Schade vielleicht für die Schweiz … aber nicht für meine Lebensqualität, die ich somit nach meinem Gusto gestalten kann.

Wir sehen, Sie haben den Sinn für Humor und Ironie trotz der fehlenden 45 Stimmen nicht verloren. Wir danken Ihnen für das Gespräch.

(Aus dem Fachmagazin «Slapshot»)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Berühmte Sportler aus dem Kanton Tessin

1 / 26
Berühmte Sportler aus dem Kanton Tessin
quelle: ap the canadian press / jeff mcintosh
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

MIT-Forscher haben endlich das Spaghetti-Rätsel gelöst

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Mayer und Untersander – der eine muss gehen, der andere bleibt

Die heikelste Personalfrage der Liga ist eine unendliche Geschichte geworden. Sie dreht sich um Nationaltorhüter Robert Mayer (31). Gibt es eine Lösung mit Aufsteiger Ajoie und den ZSC Lions? In Bern steht derweil Verteidiger Ramon Untersander (30) vor der Vertragsverlängerung.

Die Ausgangslage: Robert Mayer hat in Davos einen Vertrag bis 2025. Aber er wird nicht mehr für Davos spielen. Manager Marc Gianola bestätigt: «Er trainiert nach wie vor mit uns. Aber er gehört nicht mehr zum Team.» Der HCD setzt auf Sandro Aeschlimann (26) und Rückkehrer Gilles Senn (25). Das Trio belastet die HCD-Lohnbuchhaltung im Jahr mit mehr als einer Million Franken.

Seit Wochen arbeiten Gianola und sein Sportdirektor Jan Alston an einer Lösung. Nach wie vor ist eine Vertragsauflösung …

Artikel lesen
Link zum Artikel