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Dalinc Ariburnu erklärt, warum Centricus beim FC Basel investieren möchte.
Dalinc Ariburnu erklärt, warum Centricus beim FC Basel investieren möchte.
Bild: dijitalgundem.net
Interview

Erstes Interview mit Centricus: «Wir kennen Bernhard Burgener und haben grosses Vertrauen»

Centricus-Gründer Dalinc Ariburnu nimmt erstmals Stellung zu einem Investment beim FC Basel. Er lobt die Vereinsführung durch FCB-Präsident Bernhard Burgener und will in die Region investieren.
18.04.2021, 13:0218.04.2021, 14:39
christian mensch / ch media

Dalinc Ariburnu (52) tritt nur selten an die Öffentlichkeit. Der britische Staatsbürger mit türkischen Wurzeln war lange Jahre Banker bei Goldmann Sachs, bevor er 2016 in London die Investmentgesellschaft Centricus mitgründete. In der Finanzwelt ist die Firma seither immer wieder durch Milliarden-Deals aufgefallen. In der Sportwelt erregte sie Aufsehen, weil sie bei den Plänen des Fifa-Präsidenten involviert war, die Weltmeisterschaften zu revolutionieren.

Seit gut einem Jahr zeigt Centricus auch Interesse an Basel. Sie bekundet die Absicht, in der Region insgesamt 200 Millionen Franken zu investieren. Davon sollen zunächst 20 Millionen für den FC Basel reserviert sein. Zusammen mit FCB-Präsident Bernhard Burgener hat Centricus die Firma Basel Dream & Vision gegründet. Diese soll faktisch die FC Basel Holding übernehmen.

Herr Ariburnu, wer oder was ist Centricus?
Dalinc Ariburnu:
Centricus ist eine globale Investmentfirma, die sich auf Private Equity, Beratung und Kapitalmärkte konzentriert. Wir verwalten ein Vermögen von 30 Milliarden Dollar und haben umfangreiche Transaktionen begleitet. Darunter etwa das Fundraising für den 100-Milliarden-Dollar Vision Fund der japanischen Softbank. Wir haben aber auch eine europäische Versicherungsplattform aufgebaut.

In welchen Sparten ist Centricus tätig?
Wir konzentrieren uns in erster Linie auf die Sektoren Financial Services, Technologie und auf den sogenannten Bereich CMES (Consumer, Media, Entertainment and Sports).

Nennen Sie uns doch bitte konkrete Investitionen.
Ich könnte die Übernahme von CIFC im Jahr 2017 anführen, einem in New York ansässigen Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 30 Milliarden US-Dollar. Oder die Beratung bei der Übernahme von Fortress im Jahr 2018 mit einem verwalteten Vermögen von 50 Milliarden US-Dollar. Wir sind sehr gut etabliert als Finanzdienstleister.

Und ausserhalb der Finanzbranche?
Als technologieorientierte Plattform investieren wir in Start-up-Unternehmen, die sich mit künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen, autonomer Robotik und Verhaltensdaten beschäftigen. In einer viel beachteten Transaktion haben wir etwa einen Versuch unternommen, Vermögenswerte von Tiktok für eine Summe von 20 Milliarden US-Dollar zu erwerben.

Fussball gehört nicht zu den Investments?
Bisher nicht. Aber wir tätigten strategische Investitionen im Luxus-, Reise- und Unterhaltungssektor, darunter das US-Luxusmodeunternehmen Tamara Mellon, das Capri Palace Hotel in Italien, Spring Place in New York und Los Angeles sowie Global Ports Holding, der weltweit grösste Betreiber von Kreuzfahrthäfen (Häfen in Barcelona, Venedig, Lissabon, Cagliari, Bahamas und Singapur).

Nun kommt Fussball hinzu.
Fussball ist eine attraktive und dynamische Branche, die sehr gut zu unserem CMES passt.

Und Ihr Geschäftsmodell?
Wir bewerten alle finanziellen Engagements anhand mehrerer Kriterien, einschliesslich der Kapitalrendite. Die jeweiligen Massstäbe variieren von Branche zu Branche und von Geschäft zu Geschäft.

«Die finanziellen Ergebnisse des FCB zeigen deutlich, was für einen fantastischen Job Herr Burgener und sein Team unter solch schwierigen Bedingungen gemacht haben.»

Warum planen Sie, in der Region Basel zu investieren?
Basel ist eine sehr attraktive europäische Region, die nach unserer Einschätzung stark unterschätzt wird. Wir haben uns in der Vergangenheit Investitionen in bestimmte Unternehmen angeschaut, wie zum Beispiel die MCH Group mit der Art Basel. Historisch hat die Stadt nicht nur in der europäischen Geschichte bleibende Spuren hinterlassen, sondern ist Heimat von weltweit herausragenden Unternehmen wie Roche oder Novartis. Unzählige Start-ups machen die «Greater Basel Area» zu einem Hotspot innovativer Denkfabriken in Medizin, Forschung und Hightech. Kulturell erlangt Basel mit der Art Basel und internationalen Messen Weltruf. Und im Sport hat Basel mit den Swiss Indoors und dem FC Basel zwei internationale Sportikonen. Wir wollen in dieser Region weiter investieren, wobei über den FC Basel hinaus noch keine Entscheidungen getroffen wurden.

Aber weshalb ist der FCB für Centricus interessant?
Wir haben uns für eine Investition in den FC Basel entschieden, weil der FC Basel ein Traditionsverein mit internationaler Ausstrahlung und grossem sportlichen und wirtschaftlichen Potenzial ist. Für eine strategische Investition benötigen wir zwei sehr wichtige Faktoren: erstens die Geschichte und die Tradition. Der FC Basel hat eine erstaunliche Geschichte mit grossen Werten. Sein Fokus auf Akademie, Ausbildung und Kultur ist einer der besten der Welt.

«Das Ziel muss sein, dass der FC Basel mittelfristig wieder die Nummer eins in der Schweiz wird.»

Und zweitens?
Management und Partnerschaft. Wir kennen Bernhard Burgener seit vielen Jahren. Wir haben grosses Vertrauen in seine Professionalität und seine Management-Philosophie. Es ist sehr einfach, zu sehen, dass fast jeder Fussballverein wegen der Pandemie viel Geld verliert. Die finanziellen Ergebnisse des FCB zeigen deutlich, was für einen fantastischen Job Herr Burgener und sein Team unter solch schwierigen Bedingungen gemacht haben. Es gibt heute viele Mannschaften in Europa in einer sehr schwierigen finanziellen Situation. Es ist sehr beeindruckend, wie der FCB dem Sturm getrotzt hat.

Bernhard Burgener kennt die Leute bei Centricus schon lange.
Bernhard Burgener kennt die Leute bei Centricus schon lange.
Bild: imago sportfotodienst

Schauen Sie sich andere Vereine an, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken? Es soll viele Optionen geben?
Wir sind auf den FCB fokussiert. Wir schauen uns keinen anderen Verein an.

Welche sportlichen Ambitionen sind mit diesen Investitionen verbunden? Die Rede ist zunächst von 20 Millionen Franken.
Das Ziel muss sein, dass der FC Basel mittelfristig wieder die Nummer eins in der Schweiz wird und wieder regelmässig an internationalen Wettbewerben teilnimmt. Ich weiss nicht, wie lange das dauern wird, aber wenn wir die Möglichkeit haben, beim FC Basel einzusteigen, werden wir alles tun, um dieses Ziel zu erreichen.

In welchen Bereichen will Centricus seinen Einfluss geltend machen?
Wir werden unsere globalen Beziehungen zu den Topklubs nutzen, wo es wünschenswert und sinnvoll ist. Wir werden sicherstellen, dass wir Herrn Burgener und den Vorstand dabei unterstützen, Erfolge für den Klub zu erzielen. Wir werden weiterhin auf Kooperationen wie die mit San Lorenzo in Argentinien setzen. Aber der FC Basel wird eigenständig bleiben; ein Traditionsverein, der in Basel beheimatet ist.

Das Interview wurde schriftlich geführt und aus dem Englischen übersetzt. (bzbasel.ch)

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Die turbulente FCB-Zeit unter Präsident Burgener

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Die turbulente FCB-Zeit unter Präsident Burgener
quelle: keystone / georgios kefalas
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