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Olympia 2024

Nino Schurter zeigt sein neues Moutainbike mit «Flight Attendant»

Mountainbiker Nino Schurter macht ein Wheelie auf einer Replica des Bikes, das er in Paris fahren wird, am Hauptsitz des Bikeherstellers Scott, am Montag, 10. Juni 2024 in Givisiez. Schurter ist Olymp ...
Schurter macht ein «Männli».Bild: keystone

Mit diesem Hightech-Bike will Nino Schurter noch einmal zuschlagen

Die besten Mountainbiker benutzen seit diesem Jahr nicht mehr den Daumen, um ihr vollgefedertes Gefährt fortlaufend auf die Herausforderungen der Strecke einzustellen. Nino Schurter hat das vollautomatische System «Flight Attendant» mitentwickelt.
29.07.2024, 07:25
Rainer Sommerhalder / ch media
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Nein, dieser Flugbegleiter bringt Nino Schurter unterwegs keinen Kaffee oder erklärt ihm, wo auf der Strecke sich der Notausgang befindet. Aber hilfreich ist «Flight Attendant», die neuste Entwicklung im Wettkampfvelo des Schweizer Olympiasiegers von 2016, aber durchaus. «Das Velo trifft permanent selber Entscheidungen», fasst der dreimalige Olympiamedaillengewinner die Vorteile zusammen.

Das Rennen heute
Die Schweizer Frauen verpassten das Podest. Machen es Nino Schurter und Mathias Flückiger besser? Ihr Rennen beginnt heute um 14.10 Uhr.

In der letzten Saison testete Schurter das vollautomatische System, an dessen Entwicklung er tatkräftig mithalf, noch ziemlich exklusiv. Im Olympiajahr ist es im Feld der weltbesten Biker bei jenen Fahrern verbreitet, die auf das gleiche Material setzen wie der Bündner. Mathias Flückiger oder Tom Pidcock hingegen haben es nicht.

Switzerland's flag-bearer mountainbiker Nino Schurter celebrates with Swiss athletes on a boat, during the opening ceremony of the 2024 Paris Summer Olympics on the Seine river in Paris, France,  ...
Seinen ersten Einsatz in Paris hatte Schurter als Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier.Bild: keystone

Technisch geht es darum, die Einstellungen des vollgefederten Bikes dank des Algorithmus einer künstlichen Intelligenz auf die Bedürfnisse von Strecke und Fahrer abzustimmen. Dies geschieht aufgrund von Daten verschiedenster Sensoren in den Pedalen, im Dämpfungssystem, in der Federgabel, im Tretlager und in der Kurbel. Das Velo fällt die Entscheidungen innerhalb von Bruchteilen von Sekunden ohne Mithilfe des Athleten.

Fünfmal öfter ändert sich unterwegs die Dämpfung

Nino Schurter erklärt den Unterschied. Zuvor hat er das Dämpfungssystem manuell ganz geöffnet, nur vorne oder hinten aktiviert oder geschlossen. Rund 250-mal pro Rennen bediente er dafür einen Knopf per Daumendruck. Mehr sei von Hand fast nicht möglich. «Manchmal verzichtete man gegen Ende des Rennens nur deshalb darauf, weil der Daumen schmerzte», sagt er lachend.

Nun fällt das von acht Batterien angetriebene System diese Entscheidungen unter anderem aufgrund der aktuellen Position des Bikes und des Krafteinsatzes des Fahrers. Beim Weltcup in der Lenzerheide kam es so zu mehr als 1300 automatischen Einstellungsänderungen. «Das Velo muss aus Sicht des Fahrers so effizient wie möglich sein», erklärt Schurter das übergeordnete Ziel. «Eine gut funktionierende Federung ist dabei enorm wichtig.»

Mountainbiker Nino Schurter posiert mit einer Replica des Bikes, das er in Paris fahren wird, am Hauptsitz des Bikeherstellers Scott, am Montag, 10. Juni 2024 in Givisiez. Schurter ist Olympiasieger i ...
Schurter mit dem Bike, das einen Teil der Denkarbeit übernimmt.Bild: keystone

Die künstliche Intelligenz berücksichtigt auch die jeweils aktuelle Befindlichkeit des Fahrers und verhält sich beispielsweise anders, wenn dieser ermüdet oder angreift. Wenn Schurter aufgrund der Analyse eines Rennens eine Änderung verlangt, «dann geht heutzutage der Ingenieur an den Computer und programmiert die Knöpfe neu». Den 38-Jährigen amüsiert diese neue Wunderwelt der Technik.

Seit kurzem ist «Flight Attendant» auch auf dem Markt erhältlich. Das System alleine kostet mehrere tausend Franken, Schurters aktuelles Bike hat insgesamt einen Wert von rund 15'000 Franken.

Höheres Gewicht, aber weniger Reifendruck

Der 38-Jährige sagt vor seinem fünften Olympiastart im Mountainbike, er hätte mit dem Velo von London 2012 heute keine Chance mehr. Selbst wenn sich das Gewicht des Arbeitsgeräts im Vergleich zu jenem «Hard Tail» von 7,8 auf 10,8 Kilogramm erhöht hat. «Das Gewicht ist kein Faktor, der ein Mountbike-Rennen entscheidet», sagt Schurter dezidiert.

Paris 2024 Olympics Picture by Zac Williams/SWpix.com - 25/07/2024 - Paris 2024 Olympics - Cycling: Mountain Bike - Elancourt Hill, Yvelines, France - Nino Schurter of Switzerland during a training se ...
Schurter bei einer Testfahrt auf der Olympiastrecke.Bild: www.imago-images.de

Die künstliche Intelligenz von «Flight Attendant» sowie die Entwicklung der Felgen hingegen schon. Der Bündner schätzt, dass die technischen Neuerungen allein seit Tokio vor drei Jahren auf ein Cross-Country-Rennen bis zu 30 Sekunden Zeitgewinn ausmachen. Die neuen, breiteren Felgen erlauben nochmals einen tieferen Reifendruck. Das verbessert sowohl Grip wie Rolleigenschaften. «Gerade bei dieser rutschigen Strecke in Paris kann das entscheidend sein», sagt Schurter. Den Nutzen dieser technologischen Reise fasst er in einem Satz zusammen: «Was das Velo betrifft, muss ich immer weniger mitdenken.»

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