22 Jahre alt ist Léon Marchand, der an den Olympischen Spielen in 400-Meter-Lagen den Olympiasieg holte. Der Mann aus Toulouse kam zwar nicht an seine eigene Rekordzeit von 4'02''50 heran, holte sich aber den Olympiarekord, den vorher Michael Phelps innehatte.
Diese erste Auszeichnung ist ein erster Schritt auf dem Weg des Franzosen zu ewigem Ruhm. Léon Marchand wird heute über 200 m Schmetterling und 200 m Brust im Final an den Start gehen, bevor er am Freitag 200 m Lagen schwimmt, eine Disziplin, in der er zweimal Weltmeister wurde. Er ist auch für die Staffel angekündigt.
A DREAM CAME TRUE !! MERCI PARIS pic.twitter.com/4j9WjL9QBj
— Léon (@leon_marchand) July 28, 2024
Um das Phänomen also schnell kennenzulernen, stellen wir ihn in fünf Punkten vor.
Der Schwimmsport wurde Léon Marchand gewissermassen in die Wiege gelegt. Sein Vater Xavier Marchand wurde 1997 Vize-Europameister und 1998 Vize-Weltmeister. Seine Mutter Céline Bonnet ist mehrfache französische Meisterin und qualifizierte sich 1992 für die Olympischen Spiele in Barcelona.
Obwohl ihn seine Eltern schon früh an die Sportart heranführten, war es für Léon Marchand keine Liebe auf den ersten Blick. Zu Beginn hatte er für das Schwimmen nicht viel Begeisterung übrig und seine Anfänge im Schwimmbecken liessen nicht vermuten, dass er mal ganz vorne mitschwimmen wird.
Wie sein Vater gegenüber Le Monde sagte, habe Léon das Schwimmen gelangweilt und er mochte das kalte Wasser nicht. So versuchte er sich als Kind lieber in japanischen Kampfsportarten oder dem Rugby, bevor er mit sieben Jahren ins Schwimmbecken zurückkehrte. Mit 15 beschloss Marchand schliesslich, ganz auf das Schwimmen zu setzen und begann in einem Leistungszentrum in Toulouse zu trainieren.
Im Wissen, dass ihre Vergangenheit als erfolgreiche Schwimmer für Léon zur Bürde werden könnten, versuchten die Eltern vorerst, ihren Sohn vom Profisport fernzuhalten. Doch Marchand blieb hartnäckig und ignorierte die Bedenken seiner Eltern, die befürchteten, dass sich der Weg zum Erfolg für ihren Sohn in dieser Sportart als zu hürdenreich entpuppen könnte.
Gegenüber «Le Monde» sagte Xavier Marchand, dass er der Ansicht war, Léon würde mit dem Schwimmen «seine Zeit verschwenden». Druck spürte Léon Marchand von seinen Eltern nie, gab Michel Coloma, Leiter des Schwimmvereins in Toulouse, zu Protokoll: «Das ist nicht ihre Art, sie drängen sich nicht gerne in den Vordergrund».
Marchand ging schliesslich in die USA an die Arizona State University, sammelte Titel und Rekorde. Bob Bowman, der früher Michael Phelps trainierte, verfeinerte die Technik des begabten Franzosen. Für ihn ist Marchands kometenhafter Aufstieg keine Überraschung.
Marchands Umzug in die USA nach den Olympischen Spielen in Tokio war gewissermassen auch eine Flucht vor dem medialen Druck, dem er in Frankreich ausgesetzt war. Laut seinen Eltern war die Entscheidung, in die USA umzusiedeln, goldrichtig, und habe das Wunderkind noch stärker gemacht. Über die Entwicklung, die Marchand in den USA durchmachte, sagte der Präsident des französischen Schwimmverbands (FFN):
Als aussergewöhnlich gilt Léon Marchand insbesondere aufgrund der perfekten Balance zwischen Gewicht und Kraft. Aber beim Kampf gegen die Uhr hilft ihm auch seine Stärke in der Tauchphase. Eine Waffe, die Marchand laut seinem Nicolas Castle über das ganze Rennen hinweg einsetzen kann. In den acht Tauchphasen des Wettkampfs, bei dem er in Paris die erste Goldmedaille holte, konnte er insgesamt zwei Sekunden und vier Hundertstel einsparen.
Nach Berechnungen von Robin Pla, Datenexperte des französischen Schwimmverbandes, war Léon Marchand dabei 94,35 Meter unter Wasser, während der Zweitplatzierte Carson Foster 81,55 Meter lang unter Wasser schwamm.
Auch sein Teamkollege, der Ungar Hebert Kos, staunt über den französischen Ausnahmekönner: «Was mich an Léon am meisten beeindruckt, ist seine Fähigkeit, bis zum Schluss gaszugeben und dass er die letzte Tauchphase bis auf 12 Meter ausdehnen kann, sagte er gegenüber «L’Equipe». Dass sein Einsatz mit bislang zwei Goldmedaillen gekrönt wurde, hat Marchand also insbesondere den Tauchphasen zu verdanken.
Michael Phelps ist 1,93 gross, 90 kg schwer und hat eine Armspannweite von 2,01 Meter. Marchand ist 1,87 gross und wiegt 77 kg. Mit der Statur des Rekord-Olympiasiegers kann Marchand also nicht mithalten. Dieses Defizit macht er aber durch die Länge der Arme und vor allem durch seine Hände wett.
Nicolas Castel beschreibt diesen Umstand gegenüber L'Equipe folgendermassen:
An der Universität in den USA widmet sich Marchand neben dem Schwimmen seinen anderen Leidenschaften: Videospiele und Aviatik. Die Pilotenlizenz hat er bereits in der Tasche.
2021 nahm Marchand sein vierjähriges Informatikstudium auf. Aufgrund der Doppelbelastung von Studium und Spitzensport ist sein Alltag durchgetaktet, wie Le Monde schreibt. Der Wecker klingelt um fünf Uhr morgens, das erste Training beginnt um sechs Uhr. Ab zehn Uhr drückt er die Schulbank, nach einer kurzen Mittagspause geht es um 14 Uhr zurück in die Schwimmhalle, wo er mit Bob Bowman trainiert.
Nicht nur beim Zeitplan, sondern auch bei seiner Ernährung wird nichts dem Zufall überlassen. Das geht so weit, dass Experten einen DNA-Test durchgeführt haben, um herauszufinden, welche Inhaltsstoffe Marchand aufnehmen kann und welche nicht. Und genau diese Disziplin, die der 22-Jährige an den Tag legt, soll ihn im Schwimmsport bis ganz nach oben bringen.