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«Papi, bist du immer noch schwul?» Rugby-Profi Keegan Hirst über sein Outing

Rugby-League-Profi Keegan Hirst realisierte «mit 13 oder 14 Jahren», dass er schwul ist. Er outete sich im Jahr 2015. In einem Interview spricht er nun über die Momente des Coming-outs, die schönen und die tragischen Reaktionen – und Suizid.



«Wo ich herkomme, gibt es keine homosexuellen Menschen. Also versuchte ich es zu unterdrücken und hoffte, dass es weggehen würde.»

Keegan Hirst sportbible

Natürlich tat es das nicht. Keegan Hirst hatte sich 2015 als erster Spieler der britischen Rugby League als homosexuell geoutet. Vier Jahre danach spricht er im Interview mit «Sportbible», was er seither alles erlebt hat und wie es damals für ihn war.

Hirst über das Outing vor der Familie:

«Ich sagte es meiner Ehefrau zuerst, was offensichtlich ein ziemlich schwieriges Gespräch war. Ich hatte es selbst erst kürzlich verstanden. Es brauchte 27 Jahre, um zu diesem Punkt zu gelangen, und dann musste ich dies loswerden. Der Mann, mit dem sie verheiratet war und zwei Kinder hatte.»

«Zu dieser Zeit hatte ich extrem Mühe um es auszusprechen: ‹I am gay.› Also machte ich es mir etwas einfacher und sagte: ‹Ich stehe auf Typen.› Doch das machte es auch nicht besser. Wir weinten beide, aber sie kam dann irgendwann klar damit.»

Keegan Hirst sportbible

Dann, nachdem sich der Staub etwas gelegt hatte, sei sie – «verständlicherweise – ziemlich aufgeregt und wütend» geworden.

Danach sagte ich es meiner Mutter und meinem Bruder und meiner Schwester. Meine Mutter und mein Bruder hatten es nicht so gut aufgenommen.

«Zu meiner Mutter habe ich bis heute keinen Kontakt mehr.»

Keegan Hirst sportbible

Auch zu seinem Bruder habe er lange Zeit keinen Kontakt mehr gehabt, so der 31-Jährige weiter.

«Sie werden für immer meine Mutter und mein Bruder bleiben, wer weiss was eines Tages passiert. Ich habe ein schönes Leben und wenn sie nicht Teil davon sein wollen, dann ist dies ihre Entscheidung.»

Keegan Hirst sportbible

Die Schwester habe jedoch gut reagiert. «Genau wie meine Frau jetzt. Wir haben eine gute Beziehung zueinander. Wir haben zwei Kinder und kümmern uns beide um sie, das ist das Wichtigste.» Die Kinder sind 7 und 11 Jahre alt. Dem Sohn musste es Keegan ganze drei Mal erklären. Immer wieder fragte er:

«Papi, bist du immer noch schwul?»

Keegan Hirsts Sohn sportbible

Die Antwort blieb stets dieselbe.

Über das Outing vor der Rugby-Mannschaft:

Etwas betrunken sei er gewesen, denn er und drei Rugby-Kumpels hätten ein paar Drinks gehabt. Zu dieser Zeit lebte Hirst seit ein paar Monaten von seiner Frau getrennt. Er wurde etwas abenteuerlustig und begann, einige Schwulen-Bars in Leeds zu besuchen. Offenbar wurden Hirsts 193 Zentimeter irgendwo erkannt.

«Wir waren auf dem Weg zu mir nach Hause. Einer fragte: ‹Stimmen die Gerüchte, dass du schwul bist?›. Ich erinnere mich, wie ich nachdachte. Dieser Moment dauerte wohl etwa eine Millisekunde, fühlte sich aber an wie eine Ewigkeit: ‹Soll ich es zugeben? Soll ich mich outen? Oder soll ich es leugnen?›»

«Fuck it! Ja, es ist wahr.»

Einer der Jungs, der einer seiner besten Freunde ist, hätte zu weinen begonnen. Keegan fragte: «Warum weinst du?»

«Es tut mir leid, dass du da alleine durch musstest und wir nicht für dich da sein konnten.»

Keegan Hirsts Rugby-Kumpel

Dann outete sich Keegan vor seinem Coach, einer Rugby League-Legende.

«Das spielt gar keine Rolle, was du bist, Kumpel. Du bist ein Rugby-League-Spiele und mein Captain. Das ist alles, was zählt.»

John Kear, Keegans Rugby-Coach

Dies habe ihm extrem viel bedeutet, so Hirst weiter. «Vor allem, nachdem mich meine Mutter verstossen hatte.» Es bestärkte ihn im Gedanken, das Richtige getan zu haben. Keegan spielte seine beste Saison in diesem Jahr – was vor allem Coach John Kear zu verdanken gewesen sei.

Die erste Trainingseinheit nachdem es alle wussten, sei eine völlig normale Trainingseinheit gewesen, «wie jede andere auch». Nur hätten sie ab diesem Moment nicht nur Witze über dicke Leute oder solche mit einer lustigen Frisur gemacht, sondern auch Witze über Keegan und das Schwul-sein.

«Es war wie eine Taufe für mich. Wenn die Leute beginnen, Witze darüber zu machen, weisst du, dass du akzeptiert bist.»

Keiner stellte sein Benehmen ihm gegenüber um. Einige gratulierten ihm, einige schüttelten ihm die Hand, einige sagten gar nichts. Aber keiner veränderte sich, und dafür werde er für immer dankbar sein, so Hirst.

Über die Psyche:

Das Outing habe einen gemischten Effekt auf seine mentale Gesundheit gehabt. «Ich wusste nicht, wie es mit mir weitergeht, mit meinem Job, meinem Leben

«Ich dachte daran, irgendwo hinzufahren und einen Schlauch in den Auspuff zu stecken. Schlafen gehen und nie wieder aufwachen. Ich dachte, das wäre das einfachste.»

Keegan Hirst sportbible

Aber sein Vater sei nie da gewesen. «Das hatte grossen Einfluss auf mich, als ich aufwuchs und ich wollte nicht, dass meiner Tochter das gleiche passiert. Also habe ich mich zusammengerissen. Das war keine schöne Zeit.»

«Nothing lasts forever, whether it's good or bad.»

Keegan Hirst sportbible

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Manchester Pride crew 2019 🌈

Ein Beitrag geteilt von Keegan Hirst (@keeganhirst) am

Ob er etwas anders machen würde? Nein, würde er nicht. Man würde denken, «oute dich früher».

«Aber, wenn ich mich mit 18 geoutet hätte, wüsste ich nicht, ob ich weiter hätte Rugby spielen können. Ich hätte keine Kinder. Ich hätte nicht diese Karriere gemacht und diese Möglichkeiten gehabt.

Keegan Hirst sportbible

Obwohl es hart war und es einen Einfluss auf das Leben anderer Menschen hatte, worauf er «nicht sonderlich stolz oder glücklich» ist, ei er stolz darauf, dass er sich geoutet habe. Das Wichtigste, was er bei der ganzen Sache gelernt habe, sei:

«Being anything other than yourself doesn't work. And if you manage to do so, you'll be miserable.»

Keegan Hirst sportbible

(bal)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dani B. 17.11.2019 15:27
    Highlight Highlight Wäre ich die zweifache Mutter, es wäre ein herber Schlag ins Gesicht. Bisexualität wäre o.k., aber zwei Kinder, verlogener Sex...
  • Tschüse Üse 17.11.2019 10:31
    Highlight Highlight Wow, was für klasse Teamkameraden. So eine Reaktion ist leider nicht selbstverständlich.
  • Carl Gustav 16.11.2019 19:42
    Highlight Highlight Starker Typ
    Genau solche Coming Outs sind das, was die Sache vorwärts bringen.
    So werden Unbeteiligte begreifen, dass auch die maskulinsten Typen homo sein können.
    Dass Eiskunstläufer, Schlagersänger oder Moderatoren nicht immer Frau und Kind haben, wissen vermutlich alle unterdessen
  • icewolf 16.11.2019 19:18
    Highlight Highlight Toller Typ! Toll auch, wie seine Teamkameraden damit umgegangen sind - das ist tatsächlich nicht selbstverständlich und zeugt von super Charakter. Auch seine Ex-Frau hat grossen Respekt verdient - das Coming-out war auch für sie nicht einfach. Der Mutter und dem Bruder kann man leider hingegen nur Unverständnis entgegen bringen...
  • Adam Smith 16.11.2019 17:35
    Highlight Highlight Ganz stark. Wie sein Team und sein Trainer reagiert hat ist vorbildlich. Alles gute weiterhin💪🏻
  • Miicha 16.11.2019 17:12
    Highlight Highlight Schön wie seine Kumpel reagiert haben, so soll es sein!
  • Team Insomnia 16.11.2019 16:09
    Highlight Highlight „Ich habe ein schönes Leben und wenn sie nicht Teil davon sein wollen, dann ist dies ihre Entscheidung.“

    Bravo. Gut erkannt👍.
    Weiterhin alles gute.
  • El Vals del Obrero 16.11.2019 16:08
    Highlight Highlight Vor allem schön, dass er und seine Frau weiterhin gemeinsam Eltern für die Kinder sein können, wahrscheinlich in einer Art "WG". Denn Kindern ist es wichtig ein stabiles liebevolles Familienumfeld zu haben, ob die Eltern aber im selben Bett schlafen oder noch andere "gute Freunde" haben ist hingegen nicht entscheidend. Von dem her könnte das fast auch ein Vorbild für (beidseitig) heterosexuelle Scheidungspaare sein.
  • Pana 16.11.2019 15:40
    Highlight Highlight Bei solch einer Familie (Mutter und Bruder) braucht man keine Feinde. Unglaublich.. Schön dafür die Reaktionen des restlichen Umfeldes. So soll es sein.
  • sweeneytodd 16.11.2019 15:37
    Highlight Highlight "Aber, wenn ich mich mit 18 geoutet hätte, wüsste ich nicht, ob ich weiter hätte Rugby spielen können. Ich hätte keine Kinder. Ich hätte nicht diese Karriere gemacht und diese Möglichkeiten gehabt." Und heute ist es leider immer noch so, du kannst keine Karriere starten wenn du Schwul bist, es ist für mich unverständlich, da es kein Einfluss auf den Sport hat ob man jetzt Hetero ist oder nicht. Auf jedenfall ist er ein grosses Vorbild für Sportler, die diesen grossen Schritt noch vor sich haben.
  • D_M_C 16.11.2019 15:22
    Highlight Highlight schön Geschichte😊

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