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Swiss Indoors: Henry Bernet über seine bisherige Saison

Switzerland's Henry Bernet returns a ball to Czech Republic's Jakub Mensik during their first round match at the Swiss Indoors tennis tournament at the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, ...
Henry Bernet hat an den Swiss Indoors eine Wildcard für die Qualifikation erhalten..Bild: keystone

Top-Talent Henry Bernet: «Es hat mir geholfen, ein halbes Jahr auf die Nase zu kriegen»

Nach schwachem Saisonstart hat der 19-jährige Basler rechtzeitig vor den Swiss Indoors seine Form wiedergefunden. Viele Fortschritte fussen auf einem Trainerwechsel, doch auch mental ist Henry Bernet durch die sportliche Krise gereift.
24.10.2026, 08:4724.10.2026, 08:47
Jakob Weber / ch media

Am 24. Januar 2025 sitzt Henry Bernet in Melbourne in der Doping-Kontrolle neben Novak Djokovic. Einen Tag vor seinem 18. Geburtstag hat der Basler soeben den Junior-Final der Australian Open erreicht, der Serbe musste seinen Halbfinal gegen Alexander Zverev angeschlagen nach verlorenem Startsatz aufgeben. «Es war nicht der Moment, um Smalltalk zu führen», erzählt Bernet.

Anderthalb Jahre später bietet sich an den Swiss Indoors in Basel vielleicht eine bessere Gelegenheit. Denn seit Sonntag und einem Anruf von Turnierdirektor Roger Brennwald weiss Bernet, dass er eine Wildcard für die Qualifikation erhält. «Ich bin froh, überhaupt mitspielen zu können. Der Wildcard-Entscheid war in diesem Jahr besonders eng, weil so viele Schweizer auf ähnlichem Niveau sind», sagt Bernet. Vor einem Jahr war er noch der Hauptact am Super Monday und verlangte der tschechischen Nummer 19 der Welt, Jakub Mensik, bei der Dreisatzniederlage alles ab. 2026 startet er wie schon 2024 in der Qualifikation. Damals besiegte Bernet mit Fabio Fognini bereits einen grossen Namen und machte international auf sich aufmerksam.

Switzerland's Henry Bernet prior to his first round match against Czech Republic's Jakub Mensik at the Swiss Indoors tennis tournament at the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, on Monday ...
Vor einem Jahr stand Bernet im Hauptfeld.Bild: keystone

Der Weg der ehemaligen Nummer 1 der Juniorenweltrangliste (Mai 2025) ist in dieser Saison ins Stocken geraten. Von den ersten 14 Spielen des Jahres konnte Bernet nur zwei gewinnen. «Der Saisonstart war nicht so schlecht, wie die Resultate es vermuten lassen. Aber es hat sich eine Negativspirale entwickelt», sagt Bernet. Er reiste von Turnier zu Turnier und musste jeweils direkt wieder abreisen. Die wichtige Matchpraxis kam in dieser Phase viel zu kurz.

Die vielen Niederlagen gehen nicht spurlos an Bernet vorbei, der in seiner Karriere bisher hauptsächlich gewonnen hat: «Ich machte mir schon Gedanken, ob sich der Traum vom Profitennis realisieren lässt», resümiert der Basler. «Jeder sagt, dass der Schritt zu den Profis hart ist. Das habe auch ich erfahren. Doch vielleicht hat es mir geholfen, ein halbes Jahr auf die Nase zu bekommen.»

Nachdem es auch beim ATP-250er in Genf eine Startniederlage gibt, sitzt Bernet mit seinen Trainern Sven Swinnen und Severin Lüthi zusammen. «Wir haben alles hinterfragt und schlussendlich entschieden, uns zu trennen.»

Ausschlaggebend war gemäss Bernet vor allem «das Gefühl, schlechter Tennis zu spielen als zu Beginn des Jahres». Die Zusammenarbeit mit Swinnen wurde daraufhin beendet. Das Mandat mit Davis-Cup-Teamchef Lüthi pausiert im Moment.

Der Schweizer Mannschaftskapitaen Severin Luethi, rechts, spricht mit der Schweizer Tennisspieler Henry Bernet, links, nach einem Medien-Roundtable, am Mittwoch, 29. Januar 2025 in der Swiss Tennis Ar ...
Aktuell arbeitet Bernet nicht mit Severin Lüthi zusammen.Bild: keystone

Auf der Suche nach einem neuen Coach landet Bernet beim 26-jährigen Bubendörfer Yannik Steinegger. Auf Anraten seines Managements testet Bernet auch die schwedische Tennis Academy GtG, die vom ehemaligen Wawrinka-Coach Magnus Norman mitgegründet wurde. Dort trainiert er mit Ex-Spieler Mikael Tillström und spielt ein Future in Värnamo, wo er bis in den Halbfinal kommt. Ende Juni fällt die Wahl dann auf Steinegger. «Mit ihm wurde mein Spiel jeden Tag besser. Die Resultate stimmen ebenfalls wieder», sagt Bernet. 25 Siege stehen seit Mitte Juni neun Niederlagen gegenüber. Im Ranking kletterte Bernet auf Position 364: Karrierebestwert.

Die Physis verhinderte bessere Ergebnisse

Das ist zwar noch rund 200 Plätze ausserhalb des vor der Saison gesetzten Ziels, doch Steinegger sagt: «Es war nicht möglich, da zu sein, wo er gerne gewesen wäre, weil die nötige Physis noch nicht da war.» Der neue Coach, der bis April Leandro Riedi knapp zwei Jahre lang erfolgreich betreut hatte, spricht von «simplifizieren», «zurück zur Basis» und «einen Schritt zurück machen». Statt ausschliesslich Challenger-Turniere zu spielen, reist Bernet wieder öfter an Future-Turniere und gewinnt dort in Lausanne und Falun souverän zwei Titel. Und plötzlich gelingen auch eine Stufe weiter oben auf Challenger-Ebene wieder Siege.

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Zwei Future-Turniere konnte der 19-Jährige für sich entscheiden.Bild: keystone

«Es hilft, dass wir uns schon gut kennen und beide aus der Region kommen. Yannik hat extrem viel Tennis auf diesem Niveau gesehen», sagt Bernet. Auch der strukturierte Trainingsablauf und ein klarer Plan, was wie erreicht werden soll, helfen ihm. «Als Junior reichte es, gut zu spielen. Bei den Erwachsenen musst du auch clever spielen, das gegnerische Spiel lesen und Lösungen finden können. Diesbezüglich hilft mir Steinegger sehr», sagt Bernet.

Die beiden arbeiten viel an Details. Beim Aufschlag ist die Anfangsbewegung jetzt rhythmischer und der Ellenbogen etwas höher, was langfristig konstantere Services ermöglichen soll. «Es ist ganz komisch für den Körper, da er die Bewegung anders kennt. Doch es ist schön zu sehen, wenn die Umstellungen dann fruchten», sagt Bernet.

Nach Basel geht es in die RS

Der Trainerwechsel half dem 19-Jährigen auch beim Erwachsenwerden. «Ich bin aufmerksamer geworden, hinterfrage mehr und denke mehr mit», sagt Bernet, der zugibt, als Junior oft einfach den Trainings- und Turnierplan abgenickt zu haben.

Switzerland's Henry Bernet in action against India's Sumit Nagal during the third single match of the Davis Cup World Group I round between Switzerland and India at the Swiss Tennis Arena in ...
Mit dem Trainerwechsel ist Bernet zufrieden.Bild: keystone

Auch physisch hat Bernet seit Sommer zugelegt. Fitnesstrainer Lorenzo Petrucci blieb im Team. «Wir haben viel gearbeitet und ich spüre bereits die Fortschritte.» Ausdauer war lange nicht Bernets Stärke. «Jetzt konnte ich zwar schon mehr enge Matches für mich entscheiden, doch ich habe immer noch sehr viel Luft nach oben.» Nach den Swiss Indoors, auf die er sich am Donnerstag auch mit einem Training mit der amerikanischen Weltnummer 4 Ben Shelton vorbereitet, geht er in die Spitzensport-RS. In Magglingen soll die Basis für eine bessere Saison 2027 gelegt werden. «Ich bin nicht zufrieden mit dem Jahr. Doch ich bin zuversichtlich, meinen Weg zu gehen.»

Das Ziel lautet nach wie vor, bei einem Grand-Slam-Turnier in der Qualifikation starten zu können. Dafür müsste Bernet im Ranking in die Top 250 kommen. Macht er so weiter wie in diesem Herbst, könnte das Vorhaben gelingen. (schweizheute.ch)

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