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Jil Belen Teichmann returns a shot against Shelby Rogers during action in her WTA tennis tournament semifinal match in Nicholasville, Ky., Saturday, Aug. 15, 2020. Teichmann won the match 6-3, 6-2. (AP Photo/James Crisp)

Jil Teichmann wird an den US Open teilnehmen – im Gegensatz zu Belinda Bencic. Bild: keystone

«Übernehme Verantwortung für meinen Tod» – der hohe Preis für die Teilnahme am US Open

Vor zwei Monaten war New York Epizentrum der Corona-Pandemie. Im Arthur-Ashe-Stadion, wo jüngst noch Feldbetten standen, sollen Ende August unter strengen Sicherheitsvorkehrungen die US Open stattfinden.

simon häring / ch media



Ein halbes Jahr ist es her, dass im Tennis um Preisgeld und damit um Einkommen gespielt worden ist. Zwar wurde ein Entlastungsfonds mit einem Volumen von sechs Millionen Dollar eingerichtet, doch die maximal 10'000 Dollar, die an die Spielerinnen und Spieler gingen, vermindern den Leidensdruck für schlechter Klassierte nur geringfügig.

Belinda Bencic sagte Ende Juli zur Aargauer Zeitung: «Kein normaler Mensch möchte jetzt nach Amerika, ich möchte auch lieber in Europa bleiben.» Andererseits sei das Tennis ihr Beruf, mit dem sie sich ihr Einkommen erwirtschafte. Bencic ist die Nummer 8 der Welt und verdiente im letzten Jahr vier Millionen Dollar. Im August gab sie bekannt, wie Stan Wawrinka nicht an die US Open zu reisen, wo sie im Vorjahr die Halbfinals erreicht hatte.

FILE - In this Aug. 27, 2017, file photo, players practice for the U.S. Open tennis tournament at Arthur Ashe Stadium in New York. As coronavirus cases spike in other parts of the country a month before the U.S. Open is supposed to start in New York, the U.S. Tennis Association said Friday, July 31, 2020, it

Die US Open 2020 Ende August finden ohne Zuschauer statt. Bild: keystone

Ein Luxus, den sich nur wenige leisten können. Jil Teichmann zum Beispiel, die 2019 zwei Turniere gewann, jüngst in Lexington den Final erreichte und in der Weltrangliste auf Position 54 geführt wird. Sie lässt sich auch nicht davon abschrecken, dass sie für ihre Teilnahme ein zweiseitiges Dokument unterzeichnen muss, das der Aargauer Zeitung vorliegt. Dort steht unter anderem: «Ich bin mir der Risiken bewusst. Ich übernehme freiwillig die volle Verantwortung für jedes Risiko, einschliesslich schwerer Krankheit oder Tod, für mich, aber auch für die Menschen, mit denen ich Kontakt habe.» Zudem übernehmen die Unterzeichnenden die Haftung für Schäden und verpflichten sich, in keinem Fall den Rechtsweg zu beschreiten. Gültig ist diese Erklärung bis in alle Ewigkeit. Heisst: Tod auf eigene Gefahr.

Bild

Wer an den US Open teilnimmt, muss sich per Verzichtserklärung einverstanden erklären, die Risiken dafür selber zu tragen. bild: ch media

Bouchards Millionenklage wegen Seife

Die USA gelten als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das gilt nicht zuletzt für die Rechtssprechung. Einer Rentnerin, die Kaffee verschüttet und sich dabei Verbrennungen zugezogen hatte, musste McDonald's einst 4,5 Millionen Dollar Schadenersatz bezahlen. Das Gericht argumentierte, die Fastfood-Kette habe es versäumt, darauf hinzuweisen, dass der Kaffee heiss sei.

Auch die Veranstalter der US Open haben schon unliebsame Erfahrungen mit dem Gesetz gemacht. Genie Bouchard war 2015 in der Kabine auf Seife ausgerutscht, erlitt dabei eine Gehirnerschütterung und konnte nicht zu ihrem Achtelfinal gegen die spätere Finalistin Roberta Vinci antreten. Bouchard verklagte den amerikanischen Verband USTA, der zudem Videoaufnahmen als Beweismittel vernichtet haben soll. 2018 einigte man sich auf einen Vergleich, bei dem Bouchard ein Betrag im mittleren, einstelligen Millionenbereich zugesprochen worden sein soll.

Tennis star Eugenie Bouchard leaves Brooklyn Federal court, Wednesday, Feb. 21, 2018, in New York. Bouchard testified during her negligence lawsuit against the United States Tennis Association that a wet floor caused her to slip and fall inside a locker room at the 2015 U.S. Open. (AP Photo/Mary Altaffer)

Bouchard 2015 vor dem Brooklyn Federal Court. Bild: AP/AP

Die Geschichte mag dazu beigetragen haben, dass sich der Veranstalter nun gegen alle Eventualitäten absichern will. Doch der Preis ist hoch. Die Liste der Absagen wird immer länger. Mit Rafael Nadal und der verletzten Bianca Andreescu fehlen die Titelverteidiger. Bei den Frauen verzichten nicht weniger als sechs Spielerinnen aus den Top Ten der Welt auf eine Teilnahme, darunter mit Ashleigh Barty und Simona Halep die Nummern eins und zwei der Welt. Nie zuvor seit der Professionalisierung des Tennis-Zirkus 1968 war ein Grand-Slam-Turnier so schlecht besetzt. Stimmt, was die spanische Sportzeitung «Marca» berichtete, soll eine Gruppe von Spielern aus den Top 20 sogar mit einem Boykott gedroht haben. Die Differenzen wurden in einem eiligst einberufenen Telefonat beseitigt.

In dieser Woche reisten Spielerinnen und Spieler aus allen Winkeln der Erde nach New York, wo in der kommenden Woche ein Masters-Turnier und im Anschluss die US Open gespielt werden. Sie und ihre Begleiter werden in zwei Hotels in Flughafennähe und in Suiten auf der Anlage in Flushing Meadows komplett isoliert. In einem siebenseitigen Dokument wird das Sicherheitsprotokoll festgehalten. Demnach werden sämtliche Unterkünfte rund um die Uhr überwacht. Wer in der Blase ist, wird alle vier Tage getestet. Wer positiv getestet wird, oder gegen das Protokoll verstösst, wird vom Turnier ausgeschlossen. Zudem gilt eine generelle Maskentragepflicht. Wie ernst die Anwesenden das zuweilen nehmen, dokumentieren diese gleich selber in den sozialen Medien: gar nicht.

Kim Clijsters gibt in New York ihr Comeback. Die Schutzmasken dürften gemäss Protokoll nur fürs Training und Essen abgenommen werden.

Jene, die sich davon nicht abschrecken lassen, werden fürstlich belohnt. Obwohl keine Zuschauer zugelassen sind und damit ein wesentlicher Teil der Einnahmen wegbricht, werden 53,4 Millionen Dollar an Preisgeldern ausgeschüttet – immerhin 95 Prozent des Vorjahrs. In Anbetracht dessen, dass der amerikanische Verband USTA wegen der finanziellen Folgen der Pandemie über 100 Angestellte entliess, wirkt das wie blanker Hohn.

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fabian Lehner 21.08.2020 13:28
    Highlight Highlight Bitte nicht den McDonald fall zitieren. Da ging es darum das McDonalds den kaffe mit über 100c abgegeben hatte, und fahrlässig gehandelt hatte!
    • Peedy 21.08.2020 15:06
      Highlight Highlight Wie soll der Kaffee über 100 Grad gehabt haben? Wurde der Kaffee im Überdruckbehälter serviert?
    • El Vals del Obrero 21.08.2020 15:10
      Highlight Highlight Das wäre physikalisch ausserhalb von Druckkammern gar nicht möglich.
    • voni2 22.08.2020 14:40
      Highlight Highlight Der Kaffee war 82–88 °C, deutlich heisser als in anderen Restaurants/Fast-Food Buden. Darum ist der Fall tatsächlich ein schlechtes Beispiel für unnötige Klagen. Die Klägerin bekam schlussendlich 640'000$ und nicht 4,5 Mio.
  • Steibocktschingg 21.08.2020 11:54
    Highlight Highlight Ketzerische Frage: Wenn im Moment Sportanlässe so schlecht durchführbar sind, wieso zwingt man sie dennoch durch, anstatt einfach für ein, zwei Jahre zu pausieren (so unerträglich das für Fans auch sein mag) und den Sportlern Training, Kost und Logis bezahlen, wenn nötig?

    Und nun prügelt ruhig drauflos. :)
    • Steibocktschingg 21.08.2020 16:18
      Highlight Highlight Und da sehen wir wohl die grösseren der Probleme... Dachte mir schon, dass es in der Theorie einfacher klingt als es in der Praxis ist.
  • Der Rückbauer 21.08.2020 11:37
    Highlight Highlight Also, ich versuch's nochmals:
    «Übernehme Verantwortung für meinen Tod»
    Was für eine blödsinnige Aussage! Es ist freigestellt, sich das Leben zu nehmen, aber Verantwortung kann man nur übernehmen, solange man lebt. Die Konsequenzen müssen andere ausbaden.
    Die Ego-Trips kennen in der heutigen Zeit keine Grenzen.
    • Peedy 21.08.2020 15:10
      Highlight Highlight Es ist ja keine Aussage von einem Sportler sondern ein Zitat aus der Erklärung welche sie unterschreiben müssen. Muss man wohl eher den Juristen welche den Mumpiz verfasst haben auf die Finger klopfen und nocht den Sportlern...
  • Grohenloh 21.08.2020 10:57
    Highlight Highlight Jetzt kann doch der Dchoko endlich leicht an Federer vorbeiziehen in Sachen Grand Slam Titel und gleich noch alle anstecken.
  • Gawayn 21.08.2020 10:46
    Highlight Highlight Ich möchte nicht krank werden.
    Das will wohl niemand.

    Ich komme zwar klar, mit der Möglichkeit das ich irgendwann angesteckt werde.
    Aber das ich dann jemanden anstecke, diese Person einen schweren Verlauf hätte...
    Nein. Damit kann und will ich nicht leben müßen.
    Noch weniger wäre es möglich dafür die Verantwortung zu übernehmen
  • _Qwertzuiop_ 21.08.2020 10:08
    Highlight Highlight Leute entlassen und dann so horrende Preisgelder? Geht gar nicht!
  • SeboZh 21.08.2020 09:46
    Highlight Highlight Wenn man 4mio im jahr verdient, liegt wohl auch mal ein schlechteres Jahr drin.
    Nochmal, hab da mehr mitleid mit der grossen Masse, welcher wirkliche Probleme aus der aktuellen Situation entstehen anstatt ein paar Spitzenverdiener aus dem Sport
    • Miracoolix 21.08.2020 10:31
      Highlight Highlight Bencic, welche diese 4Mio. verdient verzichtet ja darauf, steht genau so im Artikel, einfach mal lesen...
    • SeboZh 21.08.2020 11:26
      Highlight Highlight Habs unglücklich formuliert. Mein Fehler, aber Kernaussage bleibt. Mitgefühl hält sich in Grenzen momentan mit den Topverdienern und solchen die wohl auch eher gut verdienen
    • somota 21.08.2020 21:25
      Highlight Highlight Spielerinnen wie Jil Teichmann, welche lange Zeit nicht unter den Top100 gespielt hat ist auf dieses Preisgeld angewiesen und (noch) keine Topverdienerin. Eher das Gegenteil.
  • Der Rückbauer 21.08.2020 09:34
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • jhuesser 21.08.2020 09:34
    Highlight Highlight Beim erwähnten Fall, hat die PR Abteilung von McDonalds übrigens gut geschaut, wie der Fall in der Öffentlichkeit geframet wird. Einfach eine Warnung vergessen wars schon nicht😉
    Play Icon
  • Toerpe Zwerg 21.08.2020 09:22
    Highlight Highlight Man kann schon immer und immer wieder das Geschichtchen vom Karre und der Klage wegen Verbrühung hervorkramen - das sind seltene Auswüchse ...

    Es sollte dann einfach als Gegenbeispiel angeführt werden, dass in Europa Milliardenkonzerne über viele Jahre hinweg den Staat und die Kunden im ganz grossen Stil betrügen können und danach statt bestraft subventioniert werden.
    • Freiheit und Toleranz 21.08.2020 09:45
      Highlight Highlight Und bei Bestrafungen landet das Geld in der Staatskasse und nicht bei den Konsumenten, die zuviel bezahlt haben... so verhalten sich Staaten gegenüber den effektiv Geschädigten selbst keinen Deut besser.
    • Gorgol 21.08.2020 10:49
      Highlight Highlight Könnte man das jetzt whataboutism nennen?
    • Toerpe Zwerg 21.08.2020 11:35
      Highlight Highlight Beziehe mich direkt auf den Inhalt des Artikels, also kein Whataboutism.

      Falsch. Wenn der Staat profitiert, profitieren alle.
  • fant 21.08.2020 09:22
    Highlight Highlight Egal ob Eishockey, Fussball oder Tennis: kommerzieller Profisport wird mir immer unsympathischer. Vor allem ganz an der Spitze.
    • Lebenundlebenlassen 21.08.2020 10:25
      Highlight Highlight Aus welchem Grund findest du ihn immer unsympathischer fant?
    • Lebenundlebenlassen 21.08.2020 13:59
      Highlight Highlight Blitzer für eine Frage? Spanned 😀
    • fant 21.08.2020 15:12
      Highlight Highlight @leben:
      * Ich habe z.B. nie verstanden, warum die Fussballclubs keine finanzielle Verantwortung für die von den "Fans" verursachten Aufwände vor dem Stadion übernehmen.
      * Ich verstehe das Konzept von Passivsport nicht wirklich. Ich war sogar mal an einem Match im Stadion und fand das noch ganz interessant und ja, es hat sogar ein bisschen Emotionen ausgelöst, als es z.B. knapp für "meine" Mannschaft wurde. Aber seien wir ehrlich: Als Zuschauer geht es im Passivsport eigentlich um rein gar nichts, alles was man für so wichtig hält ist genau genommen eine selbst geschaffene Illusion.
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