meist klar-1°
DE | FR
2
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sport
Unvergessen

Muhammad Ali schlägt 1975 im «Thrilla in Manila» Joe Frazier

Schweiss spritzt vom Kopf des Herausforderers Joe Frazier, links, als der Schwergewichts Champion Muhammad Ali beim Titelkampf in Manila am 1. Oktober 1975 seine Rechte landen laesst. Box-Legende Muha ...
Es ist Hass: Eine krachende Rechte Alis landet in Fraziers Gesicht, der Schweiss spritzt.Bild: AP
Unvergessen

Der «Thrilla in Manila» zwischen Ali und Frazier wird zum Höhepunkt der Box-Geschichte

1. Oktober 1975: Sie hassen sich und sie verprügeln sich. Muhammad Ali und Joe Frazier haben sich beide je einmal besiegt, nun kommt es zum dritten und ultimativen Fight: Dem «Thrilla in Manila». Ali gewinnt, aber er erreicht danach nie mehr sein höchstes Niveau.
01.10.2022, 00:0127.09.2022, 10:30
Ralf Meile
Folge mir

«Smokin' Joe» Frazier ist Schwergewichts-Weltmeister, als er 1971 im New Yorker Madison Square Garden auf seinen bislang härtesten Gegner trifft: Muhammad Ali. Beide sind in ihrer Karriere noch ungeschlagen, nicht nur die Box-Welt fiebert dem «Fight of the Century» entgegen.

Der bei den Fans populärere Frazier muss zwar einstecken, doch je länger der Kampf dauert, umso stärker wird er. Letztlich kann er Ali zwar nicht auf die Bretter schicken, doch er gewinnt einstimmig nach Punkten und bleibt Weltmeister. Ali verlässt den Ring erstmals in seiner Profikarriere als Verlierer.

In this March 8, 1971 photo, boxer Joe Frazier is directed to the ropes by referee Arthur Marcante after knocking down Muhammad Ali during the 15th round of the title bout in Madison Square Garden in  ...
Ali am Boden: Frazier gewinnt den «Kampf des Jahrhunderts».Bild: AP

Es ist der Auftakt zu einer denkwürdigen Fehde. Drei Jahre später kommt es zum Wiedersehen im Ring. Dieses Mal gewinnt Ali nach Punkten und er darf deshalb den nunmehr herrschenden Schwergewichts-Weltmeister George Foreman herausfordern. Im legendären «Rumble in the Jungle» schlägt Ali den Champion K.o. und kehrt selber auf den Thron zurück.

FILE - This is a Oct. 30, 1974 file photo perspiration flies from the head of George Foreman as he takes a right from challenger Muhammad Ali in the seventh round in the match dubbed Rumble in the Jun ...
Ali schickt Foreman auf die Bretter und gewinnt den «Rumble in the Jungle» in Zaire.Bild: Ed Kolenovsky/AP/KEYSTONE

Ein Klima wie in der Masoala-Halle des Zürizoos

Aber auch Frazier gehört weiterhin zu den dominierenden Boxern seiner Zeit und mit zwei starken Fights sichert er sich einen dritten Kampf gegen Ali, um noch einmal Weltmeister zu werden. Der stets umstrittene Promoter Don King lässt in den Philippinen boxen, weil dort weniger strengere Auflagen gelten als in den USA. So kommt es zum «Thrilla in Manila».

FILE - In this July 17, 1975, file photo, heavyweight champion Muhammad Ali, left, points at challenger Joe Frazier at a news conference in New York City. Standing between the fighters is boxing promo ...
Muhammad Ali und Joe Frazier – Freunde waren sie nie.Bild: AP/AP

Die Rivalität zwischen dem 33-jährigen Muhammad Ali und dem 31-jährigen Joe Frazier ist riesig. Die zwei Faustkämpfer machen auch keinen Hehl daraus, ihre Abneigung dem andern gegenüber zu verheimlichen. Don King freut's, durch die aufgeheizte Atmosphäre wird das Publikum richtig «giggerig».

«It's gonna be a thrilla,
and a chilla,
and a killa,
when I get the gorilla,
in Manila.»
Muhammad Ali reimt vor dem Kampf

Im mit 25'000 Fans gefüllten Araneta Coliseum ist es schier unerträglich heiss: Die Rede ist von rund 40 Grad. Dazu ist die Luftfeuchtigkeit in der Halle ohne Klimaanlage sehr hoch. Später wird Frazier sagen, es sei wohl fast 50 Grad heiss gewesen und Ali wird angeben, er habe während des Kampfs durchs Schwitzen rund zweieinhalb Kilogramm abgenommen. Dieser beginnt um 10 Uhr morgens Lokalzeit, damit er im Rest der Welt zur besten Sendezeit ausgestrahlt werden kann.

Die Highlights des «Thrilla in Manila».Video: YouTube/ElTerribleProduction

Fraziers Trainer wirft das Handtuch

«Du hast es nicht drauf, Joe!», blafft Ali sein Gegenüber beim Aufeinandertreffen im Ring an. «Ich werde dich aus dem Weg räumen!» Frazier lächelt und antwortet bloss: «Na, das werden wir ja sehen.»

Es ist Weltmeister Ali, der die ersten Runden bestimmt. Doch Frazier fängt sich. Nun gelingen ihm immer mehr harte Treffer, beide Kämpfer teilen aus und stecken ein. In der 13. Runde bringt Ali seinen Gegner ernsthaft ins Wanken. Nach schweren Treffern ist Frazier am Rande des Knockouts. Spätestens ab da diktiert nur noch Muhammad Ali das Geschehen. Fraziers rechtes Auge ist so stark zugeschwollen, dass er kaum noch etwas sieht – denn sein linkes Auge ist nach einem Trainingsunfall ohnehin lädiert.

Schliesslich wirft Fraziers Trainer Eddie Futch vor Beginn der 15. Runde das Handtuch, auch wenn sein Kämpfer ihm das noch ausreden will. Ali bleibt also Weltmeister. Aber auch ihm haben der Gegner und die klimatischen Umstände zugesetzt: Er kollabiert unmittelbar nach dem Fight.

Doku über die bittere Rivalität zwischen Ali und Frazier (englisch).Video: YouTube/BESTOFWORLDBOXING

Die Töchter sorgen für einen vierten Kampf zwischen Ali und Frazier

Muhammad Ali könnte nun weiter das Grossmaul geben, das er ist. Doch er spricht nach dem «Thrilla in Manila» überraschend respektvoll über Frazier: «Wir kamen als junge Champions nach Manila und gingen als alte Männer.» Frazier gibt die Blumen zurück und lobt seinen Bezwinger in den höchsten Tönen: «Allmächtiger, was für ein Champion! Ich hab ihn mit Schlägen traktiert, die eine Stadtmauer zum Einsturz gebracht hätten, und er hat sie weggesteckt. Was für ein Kämpfer!»

Bis heute gilt der Fight auf den Philippinen als einer der besten Kämpfe in der Geschichte des Boxsports. Er ist aber auch deshalb ein Meilenstein, weil danach weder Ali noch Frazier an das Niveau dieses Kampfs herankommen. Doch auch nach ihren Rücktritten – Ali leidet da schon längst an der Parkinson-Krankheit – ist die Feindschaft zwischen den beiden noch gross. Erst 2001 erklären sie die beiden Boxer offiziell für beendet. Der Anlass dafür ist der vierte Boxkampf Ali gegen Frazier – derjenige zwischen den beiden Töchtern. Laila Ali schlägt Jackie Frazier-Lyde nach Punkten.

Jacqui Frazier-Lyde, left, and Laila Ali exchange punches during their match Friday, June 8, 2001, in Verona, NY. Ali was declared the winner of the fight by majority decision after the full eight rou ...
Nochmals Ali vs. Frazier: Alis Tochter Laila gewinnt.Bild: AP

«Smokin' Joe» Frazier stirbt am 7. November 2011. Im Alter von 67 Jahren verliert er den Kampf gegen den Leberkrebs. Muhammad Ali ist bei der Trauerfeier in Philadelphia dabei und er erhebt sich ein letztes Mal für seinen Gegner. Für Joe Frazier, der ihn im «Thrilla in Manila» gefordert hat wie kein Boxer vor und nach ihm. Ali stirbt fünf Jahre später, am 3. Juni 2016, als bester Boxer aller Zeiten.

Unvergessen
In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das Leben und die Karriere von Muhammad Ali in Bildern

1 / 37
Das Leben und die Karriere von Muhammad Ali in Bildern
quelle: ap ny / john rooney
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Da wird gebimst!» – Leo & Madeleine schauen «Der Bachelor» Folge 4

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2
«Dann fährst du halt nach Hause» – Xhakas Rundumschlag wirft Fragen auf

Im Schweizer Fernsehen wollte Granit Xhaka, Captain des Schweizer Nationalteams, direkt nach dem Ausscheiden im WM-Achtelfinal (1:6 gegen Portugal) keine Stellung nehmen. Dies tat er dann aber in der Interview-Zone des Lusail-Stadions in Doha. Zunächst einmal machte er den anwesenden Journalisten gemäss Tages-Anzeiger aber klar, dass sie besser keine dummen Fragen stellen sollten. Ansonsten «bekunnsch e Hahne vo mir», sagte der 30-jährige Mittelfeldspieler.

Zur Story