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FILE - In this Feb. 22, 2018, file photo, former hockey player Willie O'Ree waves to the crowd after being honored prior to an NHL hockey game between the Los Angeles Kings and the Dallas Stars, in Los Angeles. O'Ree was selected to the Hockey Hall of Fame, Tuesday, June 26, 2018. (AP Photo/Mark J. Terrill, File)

Sechs Jahrzehnte später: O'Ree wird in die Hall of Fame aufgenommen. Bild: AP

Unvergessen

Er ist auf einem Auge blind, aber Willie O'Ree wird dennoch der erste schwarze NHL-Spieler

18. Januar 1958: Die Partie zwischen den Boston Bruins und den Montreal Canadiens geht ins Geschichtsbuch ein. Mit Bostons Willie O'Ree steht zum ersten Mal in der NHL ein schwarzer Spieler auf dem Eis. Auch deshalb, weil er niemandem verraten hat, dass er auf dem rechten Auge nichts mehr sieht.



«Das war der grösste Tag in meinem Leben», sagt Willie O'Ree den Reportern. «Daran werde ich mich immer erinnern.» Soeben haben die Boston Bruins die Montreal Canadiens 3:0 geschlagen. O'Ree hat kein Tor erzielt, aber er hat Geschichte geschrieben: Der rechte Flügel ist der erste dunkelhäutige Spieler in der NHL.

FILE - In this November 23, 1960 file photo, 25-year-old left wing Willie O'Ree, the first black player of the National Hockey League, warms up in his Boston Bruins uniform, prior to the game with the New York Rangers, at New York's Madison Square Garden. (AP Photo, File)

45 Mal läuft O'Ree in der NHL auf. Bild: AP

Dabei sah O'Ree nur noch auf seinem linken Auge. Ein ins Gesicht abgelenkter Puck hatte zwei Jahre zuvor zum halbseitigen Verlust des Augenlichts geführt. Aber das behielt er für sich, um seine Karriere nicht beenden zu müssen. «Ich sagte mir mit 14 Jahren, dass ich Eishockeyprofi werden und es in die NHL schaffen will. Ich hatte Verletzungen, ich verlor ein Auge, aber nicht meinen Plan», betonte er Jahrzehnte später in einem Interview.

«Wann immer ich konnte, stand ich auf Schlittschuhen»

Sein Teamkollege Doug Mohns schilderte eine Anekdote aus der Kabine der Bruins. «Wir sassen etwa zehn Meter von einander entfernt, als ich Willie etwas sagte. Er machte ein seltsames Gesicht, stand auf und kam auf mich zu. Auf halbem Weg sagte er: ‹Oh, Mohnsie, du bist es.› Ich fragte ihn dann, ob er kurzsichtig sei. Er meinte bloss, dass er ein kleines Augenproblem habe, und bat mich, niemandem davon zu erzählen. Selbst meinem besten Freund sagte ich nie etwas, solange Willie Eishockey spielte.»

O'Ree war in der kanadischen Kleinstadt Fredericton aufgewachsen, im Osten des Landes im Bundesstaat New Brunswick. Seine Familie war eine von nur zwei schwarzen in der Stadt. «Wann immer ich konnte, stand ich auf Schlittschuhen», erinnerte er sich, «wenn es ging, skatete ich gar in die Schule.»

Probleme mit dem Rassismus habe er in seiner Jugend nicht gehabt. Niemand habe sich darum gekümmert, dass er eine andere Hautfarbe habe als alle anderen. «Du hättest violett sein können mit einem grünen Streifen auf der Stirn und es hätte keine Rolle gespielt. Erst als ich älter wurde, erfuhr ich, dass etwas wie Rassentrennung existiert.»

Im Team keine Sorgen, auswärts schon

Die Probleme kamen erst später, als er in der NHL spielte. «In den Stadien in den USA war es viel schlimmer als in Toronto oder Montreal», erzählte er. Fans brüllten Sachen wie «Geh zurück in den Süden!» oder «Wie kommt es, dass du nicht am Baumwollepflücken bist?»

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Ein Meilenstein: O'Ree wird zum ersten schwarzen Spieler in der NHL. Video: YouTube/NHL

Das habe ihn alles nicht gekümmert, meinte Willie O'Ree. «Alles, was ich wollte, war ein Eishockeyspieler zu sein und wenn diese Leute das nicht akzeptieren konnten, dann war das ihr Problem und nicht meines.» Im Team war das ohnehin kein Problem, glaubt man seinem Trainer bei den Bruins, Milt Schmidt. «Alle haben ihn wie jeden anderen Spieler behandelt.»

Auf dem Eis hatte O'Ree einen Schlüsselmoment bei einem Auswärtsspiel in Chicago. Ein grosser, wuchtiger Stürmer der Blackhawks habe ihn erst rassistisch beleidigt und ihm dann den Stock so wuchtig ins Gesicht geschlagen, dass Blut floss. O'Ree verlor zwei Zähne und wurde nach der darauf folgenden Schlägerei in die Kabine geschickt.

«Ich habe das Licht gelöscht und bin in mich gegangen. Ich sagte mir, dass ich das nicht brauche. Wenn so etwas in jedem Spiel passiere, müsse ich mir das nicht antun. Nach einigen Minuten machte ich das Licht wieder an und sagte mir: Nein. Wenn du diese Liga verlässt, dann höchstens, weil du zu schlecht bist, und nicht, weil man dich versucht fertig zu machen.»

FILE - In this Jan. 19, 2008, file photo, former Boston Bruins hockey player Willie O'Ree waves to the crowd in Boston after being honored on the 50th anniversary of breaking the color barrier in the NHL after the first period of the Bruins hockey game against the New York Rangers in Boston. Looking on is Bruins legend John Bucyk. Hockey pioneer O'Ree was honored in Boston on Wednesday, Jan. 17, 2018, in honor of the 60th anniversary of the Bruins forward breaking the NHL's color barrier. (AP Photo/Winslow Townson, File)

O'Ree am 50. Jahrestag seines NHL-Debüts. Bild: AP

Nach ihm benannte Auszeichnung

Heute verleiht die NHL den «Willie O'Ree Community Hero Award» an Personen, die einen positiven Einfluss auf andere haben und Menschen so dank Eishockey zu besseren Menschen machen. Längst hat man also die Bedeutung erkannt, die er als erster Schwarzer der Liga-Geschichte hat. Damals, 1958, war das noch anders.

«Ich habe ehrlich gesagt mehr Berichte erwartet, die Presse behandelte die Sache, als wäre sie alltäglich», so O'Ree rückblickend. «Ich selber hatte auch keine Lust, das gross aufzublasen, aber für andere ambitionierte schwarze Eishockeyspieler hätte das wichtig sein können. Es hätte ihnen gezeigt, dass es auch ein Schwarzer schaffen kann.»

Bild

«Star-Neger in der Aufstellung» heisst die Oberzeile zur Meldung über Bostons 3:0-Sieg. bild: boston globe

Insgesamt bestritt Willie O'Ree 45 Spiele in der NHL. Zu einer Zeit, als andere Ligen noch bedeutender waren, wechselte er später zu den San Diego Gulls in die WHL, in der er mehr als 800 Spiele bestritt.

Die Hoffnungen auf eine Rückkehr in die NHL zerschlugen sich 1967, als keines der sechs neuen Teams auf ihn setzte. Die Information, dass er auf einem Auge blind ist, hatte längst die Runde gemacht.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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