Als Cristiano Ronaldo der kleinsten Mauer der Welt in die Füsse schiesst
Cristiano Ronaldo und Weltmeisterschaften sind bisher noch keine grosse Liebesgeschichte. Während der fünffache Weltfussballer sonst fast alles gewonnen hat, was möglich war, wollte ihm auf der grössten Bühne im Weltfussball schlicht nichts so recht gelingen.
Bei seiner Premiere 2006 wurde er mit Portugal zwar Vierter, danach endete die WM für CR7 und Co. aber immer enttäuschend früh. 2010 und 2018 im Achtelfinal, 2022 im Viertelfinal und 2014 gar schon in der Gruppenphase. Noch ist er in WM-K.o.-Spielen ohne Skorerpunkt. Wahrscheinlich ist die laufende Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA seine letzte Chance, doch noch eine Erfolgsgeschichte zu schreiben.
Sinnbildlich für Ronaldos bisherige Beziehung zu Weltmeisterschaften steht eine Szene aus dem Spiel von Portugal an der WM 2014. Zum Auftakt trifft die Seleçao damals auf Deutschland – und ist völlig chancenlos. Zur Halbzeit liegen die Portugiesen bereits 0:3 im Rückstand, Thomas Müller erhöht in der 78. Minute dann mit seinem dritten Tor nochmal. Als Portugal sechs Minuten später einen Freistoss zugesprochen bekommt, ist das Spiel also schon entschieden – doch die grösste Demütigung für Cristiano Ronaldo sollte noch folgen.
Die Deutschen stellen nur einen Mann in die Mauer: Philipp Lahm. Der Aussenverteidiger und Captain ist mit 1,70 m nicht sonderlich gross und auch nicht besonders breit. Eine kleinere Mauer gab es in der Geschichte des Fussballs wohl höchst selten. Und trotzdem bringt Cristiano Ronaldo, der den Freistoss natürlich höchstpersönlich ausführen will, das Kunststück fertig, Lahm genau in die Füsse zu schiessen.
Da kann sich auch der ARD-Kommentator Gerd Gottlob ein Lachen nicht verkneifen. «Der ist jetzt richtig bedient, der Superstar der Portugiesen», sagt er, als dieser gestikulierend in Grossaufnahme gezeigt wird. Es ist der passende Schlusspunkt für einen unspektakulären Auftritt von Cristiano Ronaldo, der es für ein schwaches Team nicht alleine richten kann.
Vor dem Turnier hat der damals 29-Jährige nach Knieproblemen klargestellt, «zu 110 Prozent fit» zu sein. Den Beweis dafür, bleibt er aber auch in der Folge schuldig. Die WM geht für Portugal mit einem 2:2-Unentschieden gegen die USA enttäuschend weiter, ein 2:1-Erfolg zum Abschluss gegen Ghana reicht nicht mehr zum Weiterkommen. Immerhin schliesst Cristiano Ronaldo die Gruppenphase noch mit einem Siegtor ab.
In Erinnerung bleibt von seinen Auftritten an der Weltmeisterschaft 2014 aber vor allem sein Schuss in die Füsse von Philipp Lahm. Dessen Turnier läuft in der Folge übrigens in die entgegengesetzte Richtung: Als Captain des deutschen Nationalteams wird er wenige Wochen später den WM-Pokal in den Nachthimmel über dem Maracana recken.
