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Wayne Rooney im Duell mit Philippe Senderos.
Wayne Rooney im Duell mit Philippe Senderos.
Bild: EPA
Unvergessen

Philippe Senderos bezwingt Ronaldo und Rooney und gewinnt mit Arsenal den FA Cup

Heute vor 15 Jahren triumphierte Philippe Senderos mit Arsenal im FA Cup. Zwei Trainerlegenden, eine Captain-Fehde und ein bevorstehender Besitzerwechsel prägten das historische Finalspiel um die älteste Fussball-Trophäe der Welt. Und mittendrin ein junger Schweizer.
21.05.2020, 21:47
dominik moser / keystone-sda

Arsenal setzte sich am 21. Mai 2005 im Final des FA Cups in Cardiff gegen Titelverteidiger Manchester United mit 5:4 im Penaltyschiessen durch. Der zehnte Cuptitel der Londoner war aufgrund des Spielverlaufs glückhaft – und historisch zugleich. Erstmals im 124. Endspiel der Geschichte hatte ein Penaltyschiessen den englischen Cup entschieden.

Manchester United stand am Ende mit leeren Händen da, obwohl es sich im Spiel ein klares Chancenplus erspielt hatte, was zwei Treffer an die Torumrandung, 8:1 Torschüsse und ein Eckballverhältnis von 12:1 verdeutlichen.

Zum Matchwinner für Arsenal avancierte Jens Lehmann. Der Deutsche vereitelte aus dem Spiel heraus einige gute Aktionen der «Red Devils» und parierte im Penaltyschiessen den Versuch von Paul Scholes. Den entscheidenden Penalty für Arsenal vor 71'876 Zuschauern im Millenium-Stadion verwandelte Captain Patrick Vieira. Für den Welt- und Europameister war es zugleich der letzte Auftritt im Dress der «Gunners». Der Franzose verliess den Klub nach zehn Jahren in Richtung Italien.

Das entscheidende Penaltyschiessen im Video.

Emotionsgeladenes Duell

Arsenal gegen Manchester United war zu dieser Zeit das Duell der beiden erfolgreichsten englischen Teams des letzten Jahrzehnts. Weil sich in der Premier League in diesem Jahr aber Chelsea den Titel gesichert hatte und in der Champions League beide Klubs bereits in den Achtelfinals ausgeschieden waren, blieb der FA Cup um die Saison noch einigermassen zu retten. Nicht nur für die beiden Trainerlegenden Arsène Wenger und Alex Ferguson stand deshalb viel auf dem Spiel.

Senderos jubelt mit Robin van Persie, Jens Lehmann und Patrick Vieira.
Bild: AP

Besonders emotionsgeladen ging es im Vorfeld auch zwischen den beiden Captains Patrick Vieira und Roy Keane zu und her. Der Grund war eine wochenlang anhaltende Fehde zwischen den beiden Skipper, deren Auslöser ein heftiger Tumult im Spielertunnel unmittelbar vor dem Meisterschaftsspiel im Februar gewesen war. Viera und Keane standen stellvertretend für die Rivalität und die Schlachten zwischen ihren Teams.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgte zudem die bevorstehende Übernahme von Manchester United durch den amerikanischen Investor Malcom Glazer. Weil die Anhänger der «Red Devils» angekündigt haben, vor dem Final «komplettes Chaos» stiften zu wollen, befürchtete man das Schlimmste. Die Proteste am Finaltag hielten sich aber in Grenzen, das Einschreiten der Polizei war kaum nötig.

Der unerschrockene Schweizer

Während bei Manchester United Weltstars wie Cristiano Rolando, Wayne Rooney oder Ruud van Nistelrooy erfolglos auf das Tor von Arsenal anrannten, hielt in der Londoner Verteidigung ein junger Schweizer 120 Minuten dem Druck stand: Der 20-jährige Philippe Senderos war bei Arsenal die Entdeckung der Saison, nachdem er erst am Neujahrstag sein Debüt in der Premier League gegeben hatte.

Für 1.5 Millionen Franken von Servette gekommen, entwickelte sich der Genfer für Arsène Wenger dank seiner Unerschrockenheit, Zweikampf- und Kopfballstärke zu einem unverzichtbaren Wert in der Abwehr. Dabei verdrängte Senderos in der Innenverteidigung keinen geringeren als Sol Campbell, der 2002 Mitglied des WM-Allstar-Teams und bei Arsenals Titelgewinn 2004 (ohne Niederlage) fixer Bestandteil der «Unbesiegbaren» war.

Senderos im Zweikampf mit Ruud van Nistelrooy.
Senderos im Zweikampf mit Ruud van Nistelrooy.
Bild: AP PA

Doch Senderos, der die Schweizer U17 2002 als Captain zum Europameistertitel geführt hatte, konnte die (hohen) Erwartungen bei Arsenal nie wirklich erfüllen, auch weil er oft von Verletzungen gebremst wurde. Später stand der Sohn eines Spaniers und einer Serbin auch bei renommierten Klubs wie Milan, Fulham oder Valencia unter Vertrag. Die ganz grosse Karriere blieb ihm aber verwehrt. In der Schweiz spielte er unter anderem für Servette, die Grasshoppers und zuletzt in der Challenge League bei Chiasso, bevor er im letzten Dezember seine Karriere beendete.

Einer von drei Schweizern

Senderos war über die Jahre auch in der Nationalmannschaft eine wichtige Stütze. Für die Schweiz absolvierte er 57 Länderspiele und schoss dabei fünf Tore. Unvergessen bleibt sein Kopfballtor an der WM 2006 gegen Südkorea, als er nach einem Zusammenprall mit blutverschmierten Gesicht zum Jubel ansetzte.

Der Gewinn des FA Cup an diesem denkwürdigen Samstagnachmittag im Mai 2005 blieb für Senderos der grösste Erfolg seiner Karriere.

Senderos jubelt an vorderster Front mit.
Senderos jubelt an vorderster Front mit.
Bild: EPA

Er war nach Stéphane Henchoz (2001 mit Liverpool) erst der zweite Schweizer, der die älteste Fussball-Trophäe der Welt gewinnen konnte. 2017 schaffte dies mit Granit Xhaka noch ein dritter Schweizer – auch er mit Arsenal. Die Londoner sind mit 13 Siegen bis heute der alleinige Rekordhalter im FA Cup, gefolgt von Manchester United mit zwölf Titeln. (abu/sda)

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