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Gerulaitis (rechts) beim Interview mit Connors.
Gerulaitis (rechts) beim Interview mit Connors.Bild: IMAGO / Everett Collection
Unvergessen

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

12. Januar 1980: Vitas Gerulaitis schafft das, was er zuvor nie schaffte: Er bezwingt Jimmy Connors. Warum es im 17. Mal endlich klappte, ist für den Tennis-Playboy so einfach wie logisch. Und seine Erklärung bleibt ein Satz für die Ewigkeit.
12.01.2022, 00:0111.01.2022, 20:48
Reto Fehr
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Vitas Gerulaitis ist vielen watson-Usern vielleicht kein Begriff. Darum hier eine Kurzbiografie: Geboren am 26. Juli 1954 in Brooklyn, New York als Sohn litauischer Einwanderer. Er bezeichnet sich «durch und durch» als Amerikaner.

In der Tenniswelt gehört der Mann mit der blonden Mähne in den 1970er-Jahren zur Crème de la Crème. 25 Trophäen stehen in seiner Vitrine, darunter der Titel des Australian Open 1977. Beim French Open und dem US Open erreicht er je einmal das Endspiel, in Wimbledon den Halbfinal. Seine höchste Klassierung in der Weltrangliste ist Rang 3 und er kassiert fast 3 Millionen Dollar Preisgeld (was damals noch richtig viel Geld ist). Kurz: Vitas Gerulaitis gehört zu den grossen Stars jener Zeit.

Daneben ist Gerulaitis auch ein Paradiesvogel. Partys, Frauen und Kokain gehören zu seinem Leben. Er besitzt einen Rolls Royce und eine wunderschöne Suite in Manhattan. Der «litauische Löwe» spielt Gitarre in einer Underground-Rockband und geniesst sein Leben. Spielern wie John McEnroe, Yannick Noah oder Guillermo Vilas habe er das New Yorker Nachtleben gezeigt und er sagte einmal: «Wir waren Rivalen auf dem Court, aber ansonsten Freunde fürs Leben und immer besoffen.»

Vitas Gerulaitis: Der litauische Löwe in Action.
Vitas Gerulaitis: Der litauische Löwe in Action.Bild: IMAGO / Colorsport

Doch ein Makel hängt ihm an: Gegen Jimmy Connors konnte Gerulaitis in 16. Anläufen noch nie gewinnen. Erst sieben Sätze konnte er insgesamt für sich entscheiden. 1974 standen sich die beiden erstmals gegenüber, jetzt im Masters-Halbfinal im Madison Square Garden steht Anfang 1980 das 17. Duell an.

Das Spiel fängt für Gerulaitis schlecht an. Im ersten Satz liegt der 26-Jährige 3:5 zurück und serviert gegen den Satzverlust. Der Amerikaner schlägt ein Ass, der Schiedsrichter sieht den Ball aber im Aus. Connors bittet den Unparteiischen zur Korrektur, was dieser macht. Das Publikum bedankt sich mit Standing Ovations.

Ein Zusammenschnitt guter Bilder von Vitas Gerulaitis.Video: YouTube/BVPproductions

Doch Gerulaitis ist jetzt voll da. Er holt sich das Game, schafft das Rebreak und sichert sich den Satz mit 7:5. Im zweiten Durchgang lässt er Connors mit 6:2 keine Chance. Gerulaitis steht im Final, wo er gegen Björn Borg verlieren wird.

Der Sieg gegen Connors wäre wohl längst vergessen, wäre da nicht die Pressekonferenz. Dort wird Gerulaitis gefragt, warum er heute gewonnen haben:

«Das war eine Lektion an alle: Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

Recht behalten sollte Gerulaitis allerdings nicht: Zwischen 1974 und 1981 verliert er 17 Mal gegen Björn Borg.

Vitas Gerulaitis: 25 Titel holte er in seiner Karriere.
Vitas Gerulaitis: 25 Titel holte er in seiner Karriere.Bild: IMAGO / ZUMA Wire

Gerulaitis beendet seine Karriere 1986. Der Tennis-Playboy siegte bis dahin noch dreimal gegen Connors. Er wurde danach Trainer von Pete Sampras, der einmal sagte: «Er war einfach da, um mich besser zu machen.» In Litauen wurden eine Strasse und die Tennis-Arena in Vilnius nach ihm benannt.

Die Frisur passt zu den Begleiterinnen: Der Tennis-Star im legendären Studio 54 in New York.
Die Frisur passt zu den Begleiterinnen: Der Tennis-Star im legendären Studio 54 in New York.Bild: IMAGO / MediaPunch

Doch das Leben sollte abrupt enden. Im September 1994 übernachtete der 40-Jährige Gerulaitis im Gästezimmer eines Freundes auf Long Island. Aus einer schlecht installierten Pool-Heizung entwichen giftige Gase. Gerulaitis wachte nie mehr auf.

Am Abend zuvor spielte er noch Doppel mit Borg, Connors und Lloyd. Angeblich sei ihm jeder Schlag geglückt und Borg erklärte danach: «Er war wie ein Bruder für mich.»

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