Cowboys blamieren sich einmal mehr – weil der reiche Besitzer geizt
Die Dallas Cowboys können es nicht lassen. Nachdem sich die wohl bekannteste NFL-Franchise in der Vorwoche gegen das von Ersatz-Quarterback Tanner McKee angeführte Philadelphia lange schwergetan hatte, unterlag sie am Sonntag den Arizona Cardinals zu Hause 30:33 nach Verlängerung.
Während die Cowboys als klare Playoff-Anwärter gelten, sind die Cardinals eines der schlechtesten Teams der American-Football-Liga. Dementsprechend klar wurde Dallas in der Partie favorisiert – doch fiel es einmal mehr auf die Schnauze.
Dabei führte das Team um Quarterback Dak Prescott bis kurz vor Ende des dritten Viertels noch 17:3. Dann gaben die Cowboys die Partie aber völlig aus der Hand, was vor allem an der schwachen Defense lag.
Die Offense brachte bis zum Ende der Partie noch 13 weitere Zähler aufs Scoreboard, doch liess die Defensive bei den letzten vier Drives der Cardinals stets einen Touchdown zu – zwei davon in den letzten gut zwei Minuten der Partie. Oftmals machte sie es dem Gegner um den kurz vor Ende des dritten Viertels eingewechselten Quarterback Gardner Minshew viel zu einfach. Am Ende sorgte ein vergebener Extrapunkt der Gäste noch dafür, dass die Partie in die Verlängerung musste, wo sich Arizona dank eines Field Goals dann durchsetzte.
«Es ist eine der härtesten Niederlagen, die ich erlebt habe», sagte Quarterback Dak Prescott danach, «ich habe dafür keine Worte ausser: sehr, sehr enttäuschend und frustrierend.» Prescott zeigte eine solide Leistung, wurde aber unter anderem von seinen Runningbacks, die im Schnitt nur knapp 2,4 Yards Raumgewinn pro Lauf erzielten, im Stich gelassen. Einen echten Vorwurf kann man der Offensive in dieser Partie aber nicht machen.
Der Besitzer klammert sich an die Macht
Für Dallas ist es längst ein typisches Bild: Während die Offensive zumindest überdurchschnittliche Leistungen zeigt, war die Defensive schon in den letzten beiden Jahren eine der schlechtesten der NFL. Nach zugelassenen Yards pro Spiel befinden sich die Cowboys in dieser Saison auf dem letzten Platz, nur fünf Teams lassen mehr Punkte zu und geht es nach dem DVOA-Wert, der die Defensive aufgrund mehrerer Statistiken bewertet und auch die Stärke der Gegner miteinfliessen lässt, steht die Cowboys-Defense auf dem zweitletzten Platz.
Dies kann auch mit der ungleichen Verteilung der Gehälter begründet werden. Gibt Dallas zusammengerechnet am viertmeisten für seine Offensivspieler aus, kassiert die Defense den fünfttiefsten Gesamtlohn der NFL. Verantwortlich dafür ist Besitzer Jerry Jones, der seit dem Kauf des Teams im Jahr 1989 auch als General Manager fungiert. Trotz anhaltender Kritik klammert sich der 84-Jährige an diese Rolle, während andere Topteams der NFL auf die Expertise von Personen setzen, die sich zum Beispiel vom Scout oder Staffmitglied zum GM hochgearbeitet haben.
Jones geniesst die Macht, erfolgreich ist seine Arbeit aber schon lange nicht mehr. In den 90er-Jahren wurde Dallas noch dreimal Super-Bowl-Sieger, die Cowboys waren «America's Team» und die glorreichste Franchise der NFL. Noch immer ist es mit einem Wert von 17 Milliarden US-Dollar (gut 13,9 Mia. Franken) die wertvollste. Seit der Saison 1995/96 schafften es die Cowboys aber nie mehr auch nur in den Halbfinal, Playoff-Siege wurden immer seltener. In diesem Jahrtausend haben nur vier Teams weniger Erfolge in den Playoffs gefeiert als die stolzen Cowboys (4): die jahrelangen Lachnummern Miami, Cleveland, Detroit und Washington.
Bei den Trainern geizt Jones mit dem Gehalt
Experten kritisieren Jones, der seine Stars – vor allem in der Offensive – gerne grosszügig entlöhnt, dafür, dass er in wichtigen Positionen geizt. Neben jener des General Managers, die er eben selbst besetzt, geht es vor allem um den Trainer und seinen Staff. Anders als bei den Spielern sind die Gehälter hier nicht gedeckelt. Doch, obwohl Jones dank seines Ölunternehmens ein Vermögen von angeblich fast 21 Milliarden US-Dollar (rund 17,1 Mia. Franken) besitzt, verdient kaum ein NFL-Cheftrainer weniger als Brian Schottenheimer bei den Cowboys. Auch bei den Verantwortlichen für Offensive und Defensive setzen die Cowboys auf eher unerfahrene Trainer.
Weil sich Jones ausgerechnet in diesen Positionen ziert, einen hohen Lohn zu bezahlen, ist es lange her, dass Dallas einen Toptrainer an der Seitenlinie hatte. Weder Schottenheimer noch seine Vorgänger Mike McCarthy (2020 bis 2024) oder Jason Garrett (2010 bis 2019) sorgten für die entscheidenden Vorteile. Zusammen mit der Tatsache, dass Jones die Personalentscheide bezüglich der Spieler trifft, ist das ein grosses Handicap für die Dallas Cowboys. Fernsehmoderator Colin Cowherd verglich dies damit, bei einer Party in einer grossen Villa einen Fast-Food-Laden fürs Catering zu engagieren.
Jones schliesst Entlassung aus
Trotz der peinlichen Niederlage vom Sonntag stellte sich Jerry Jones vor Coach Schottenheimer. «Viele Leute haben ihn heute im Stich gelassen», sagte der 84-jährige Besitzer und fügte an: «Egal, welche Kritik wir an Brian üben wollen – wir können diese hinten anstellen.» Eine Entlassung schloss Jones aus. Auch Quarterback Prescott nahm seinen Trainer in Schutz. «Es geht um uns alle. Gebt die Schuld nicht einer einzelnen Person. Das ist schwach und feige», so der 33-Jährige. Das Team müsse hinter dem Coach stehen und sich gegenseitig den Rücken stärken. Nur so käme Dallas aus der Krise.
Nach acht Partien stehen die Cowboys erst bei drei Siegen. Nur weil die Division NFC East verhältnismässig schwach ist, ist die Saison für Dallas nicht schon gelaufen. Ein Playoff-Platz bleibt also weiterhin möglich. So sagt auch Coach Schottenheimer: «Es ist noch viel Football zu spielen. Der Charakter des Teams stimmt, jetzt gehen wir wieder an die Arbeit.»
Was in der NFL noch lief
Kurzes Comeback für Lamar Jackson
Nach vier Wochen Pause kehrte Lamar Jackson bei den Baltimore Ravens endlich wieder aufs Feld zurück – das Comeback des 29-jährigen Quarterbacks dauerte jedoch nicht lange. In seinem ersten Spielzug in der Partie gegen Buffalo verletzte sich Jackson gleich wieder. Weil seine Wurfhand und der rechte Daumen unglücklich vom Arm eines Gegenspielers getroffen wurden, muss sein Daumen operiert werden. Der zweifache MVP werde mindestens vier Wochen fehlen und womöglich gar den Rest der Saison verpassen.
Jackson wurde in der Folge wie in den vergangenen Spielen von Tyler Huntley ersetzt. Doch auch dieser verletzte sich kurz danach, weshalb schon im zweiten Viertel der dritte Quarterback einspringen musste. Joe Fagnano konnte die Ravens bei den Buffalo Bills nicht im Spiel halten. Am Ende setzte sich das Team um Star-Quarterback Josh Allen deutlich 36:10 durch.
Vikings nicht mehr ungeschlagen
In der letzten Woche fragten wir bei watson, wie lange die Minnesota Vikings noch ungeschlagen bleiben würden. Diese Frage ist nun beantwortet: Die Vikings unterlagen am Sonntagabend 15:19 in Detroit.
Die von Brian Flores gecoachte Defense zeigte zwar einmal mehr eine starke Leistung, doch kam die Offensive um Quarterback Kyler Murray nicht einmal gegen die schwache Detroit-Defensive in Fahrt. Für die Entscheidung sorgte Lions-Quarterback Jared Goff mit einem Touchdown-Pass auf Jameson Williams viereinhalb Minuten vor Schluss.
Kein Pass-Yard, aber ein Sieg
Die Tampa Bay Buccaneers sind das erste Team seit 1974, das ohne einen einzigen angekommenen Pass und damit ohne Pass-Yard einen Sieg feiern konnte. Quarterback Baker Mayfield versuchte gegen die Atlanta Falcons im strömenden Regen nur drei Würfe, doch kam kein Zuspiel bei einem seiner Mitspieler an.
Dafür überragten die Runningbacks Bucky Irving (170 Yards, 1 Touchdown) und Kenneth Gainwell (140 Yards), Kicker Chase McLaughlin blieb mit drei verwandelten Fieldgoals sowie einem Extrapunkt nach dem einzigen Touchdown der Partie ebenfalls cool. Die Defense machte derweil Falcons-Quarterback Michael Penix das Leben schwer und krallte sich drei Interceptions. So setzten sich die Buccaneers 16:0 durch.
It's raining picks ‼️ Hallelujah 🙌 📺: #ATLvsTB on FOX https://t.co/qcKaGBEVKp
— Tampa Bay Buccaneers (@Buccaneers) November 1, 2026
Bengals siegen spektakulär
Die Zuschauerinnen und Zuschauer bei dieser Partie kamen sowas von auf ihre Kosten: 79 Punkte erzielten die Cincinnati Bengals und die Tennessee Titans insgesamt. Das erste Viertel gehörte mit 13:0 Punkten noch den Aussenseitern aus Tennessee, doch drehten die Bengals die Partie bis zur Pause.
Auch in der zweiten Halbzeit blieb es aber spannend, die Quarterbacks Joe Burrow (5 Touchdown-Pässe, 3 Interceptions) und Cam Ward (2 TD-Pässe, 0 INT) lieferten sich einen echten Schlagabtausch. Am Ende musste eine Verlängerung entscheiden, in welcher Burrow mit einem Lauf in die Endzone selbst für die Entscheidung sorgte.
Broncos bändigen Chiefs
Die Denver Broncos sind neuer Leader der Division AFC West. Das Team von Trainer Sean Payton setzte sich 28:24 gegen den Rivalen aus Kansas City durch und fügte diesem die zweite Niederlage in Folge zu, nachdem die Chiefs zum Saisonstart fünf Siege in Serie gefeiert hatten.
Lange sah es nach einem weiteren Sieg für das Team um Quarterback Patrick Mahomes aus, führte es nach drei Vierteln doch 24:13. Die Broncos bewiesen aber einmal mehr Comeback-Qualitäten und drehten das Spiel im Schlussviertel dank zwei Touchdowns noch in einen 28:24-Sieg. Neben Broncos-Quarterback Bo Nix (2 TD-Pässe) überzeugte vor allem Runningback Jonah Coleman mit einem Touchdown und insgesamt 104 Yards Raumgewinn.
JONAH COLEMAN GIVES THE BRONCOS THE LEAD KCvsDEN on CBS/Paramount+ Stream on @NFLPlus https://t.co/uK6gM9pjU4
— NFL (@NFL) November 2, 2026
Tragischer Unfall im College-Football
David Coleman Jr. hat sich im Spiel seiner East Carolina Pirates auf sehr tragische Art und Weise einen Wadenbeinbruch zugezogen. Der Defensive Back wurde auf dem Feld von einem Schiedsrichter getroffen, nachdem dieser ausgerutscht war. «Unsere Gedanken und Gebete gelten ihm. Es ist verrückt, dass so etwas passiert. Ich habe das noch nie von einem Schiedsrichter gesehen», sagte Trainer Blake Harrell später. Die Bilder von dem Vorfall sind nichts für schwache Nerven:
TRIGGER WARNING: A referee accidentally slipped and reportedly broke the leg of the East Carolina Pirates DB, David Coleman Jr., in a shocking turn of events. 🏈😢 Our prayers go out to David Coleman Jr., and hopefully he will fully recover from his injury and make his return to football as soon as possible. 🙏 Moreover, the Pirates are currently playing against the Temple Owls at Dowdy-Ficklen Stadium in Greenville, North Carolina. ✅ 📽️: @BrickCenter_
— EssentiallySports (@ES_sportsnews) October 31, 2026
