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In den Bergen eine Klasse für sich, im Zeitfahren souverän – Pogacar setzt neue Massstäbe.
In den Bergen eine Klasse für sich, im Zeitfahren souverän – Pogacar setzt neue Massstäbe.
Bild: keystone

Pogacar, der neue Kannibale – doch die Wolke des Zweifels fliegt mit

Dominant wie einst Eddy Merckx oder Chris Froome: Tadej Pogacar hat die Tour de France geprägt wie schon lange kein Fahrer mehr. Mit erst 22 Jahren darf sich der Slowene bereits zweifacher Gesamtsieger nennen. Gut möglich, dass nun eine lange Ära folgt.
18.07.2021, 21:01

So spektakulär die Ära der Dominanz von Tadej Pogacar im letzten Herbst begann, als er unter dramatischen Umständen im entscheidenden Bergzeitfahren nach La Planche des Belles Filles für einen Umsturz im Gesamtklassement gesorgt hatte und zum jüngsten Tour-Sieger in der Nachkriegszeit geworden war, so selbstverständlich setzte er in diesem Sommer seinen Lauf im wichtigsten Radrennen der Welt fort, das weitgehend frei von jeglicher Spannung war.

Mit seiner bemerkenswerten Solo-Attacke über den Col de Romme und den Col de la Colombière nahm Pogacar bei strömenden Regen in der 8. Etappe nach Le Grand-Bornand das Maillot jaune in seinen Besitz, und gab es bis zum Schluss nicht mehr her. Nach der Sintflut kam die Prozession. Drei Etappensiege, wie im letzten Jahr. Anzeichen von Schwäche: keine. Das scheint es im Leben des selbstbewussten Wunderknaben nicht zu geben. «Selbst im Training habe ich noch nie erlebt, dass Tadej einen schlechten Tag erwischt hat», meinte etwa der Berner Marc Hirschi über seinen Teamcaptain.

Hirschi (ganz links) feiert mit Pogacar und seinen restlichen Teamkollegen.
Hirschi (ganz links) feiert mit Pogacar und seinen restlichen Teamkollegen.
Bild: keystone

Vom ersten Ruhetag an gab Pogacar keine Sekunde seines Vorsprungs in der Gesamtwertung preis, bis er am Samstag im Zeitfahren nach Saint-Emilion knapp eine halbe Minute auf Jonas Vingegaard einbüsste. Das Ziel in Paris erreichte er dennoch mit über fünf Minuten Vorsprung auf den Dänen. Mit schon fast erschreckender Leichtigkeit bewies Pogacar eindrücklich, dass sein Sieg im letzten Jahr keine Eintagesfliege war.

Dem Überflieger aus Slowenien spielte sicher in die Karten, dass mit dem letztjährigen Gesamtzweiten Primoz Roglic und dem früheren Tour-Sieger Geraint Thomas zwei der härtesten Konkurrenten früh durch Stürze aus der Entscheidung fielen. Pogacar selbst hielt sich mit der Hilfe seines oft kritisierten Teams aus allen Gefahren heraus und suchte wenn möglich die Flucht nach vorne.

Merckx sieht in ihm den neuen Kannibalen

Tatsächlich ist der Ausnahmekönner aus Komenda nur schwer in die Defensive zu bringen. Auf dem Rad selten bis gar nicht, und auch abseits der Rennstrecke fühlt sich Pogacar mittlerweile im Rampenlicht wohl. Doch wenn man ihn mit Vergleichen mit Eddy Merckx, Bernard Hinault oder Chris Froome konfrontiert, winkt er ab. «Ich mag das nicht. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit, seinen eigenen Stil», sagte der in Monaco wohnhafte Tour-Dominator, der am Montag nach Japan fliegen wird, wo er bereits am Samstag Olympia-Gold im Strassenrennen anpeilt.

Pogacar wird von nun an mit seinem berühmten Vorgängern verglichen.
Pogacar wird von nun an mit seinem berühmten Vorgängern verglichen.
Bild: keystone

Für Eddy Merckx ist jedoch längst klar. «Ich sehe in ihm den neuen Kannibalen. Er ist extrem stark. Ich denke, er wird in den kommenden Jahren die Tour mehrmals gewinnen. Wenn ihm nichts passiert, kann er die Tour ganz sicher mehr als fünfmal gewinnen», sagte Belgiens Radsport-Legende und Ur-Kannibale, seines Zeichens fünffacher Gewinner der Grande Boucle, über Pogacar.

Die leisen Zweifel

Es gehört zu den Eigenheiten des Radsports, dass den jeweiligen Tour-Sieger stets eine Wolke des Zweifels begleitet. Das ist bei Pogacar nicht anders. Bei ihm gibt es bislang aber keine Verdachtsmomente, auch wenn das Umfeld nicht ganz astrein ist. Sein Entdecker Andrej Hauptman wurde im Jahr 2000 wegen eines zu hohen Hämatokritwerts nicht zur Tour zugelassen, sein Chef bei UAE Emirates, der Tessiner Mauro Gianetti, war in seiner Aktivzeit ebenfalls mit Doping in Verbindung gebracht worden.

So sehr Pogacar betont, wie transparent der Radsport mittlerweile geworden ist – er selbst gibt sich in gewissen Dingen verschwiegen. So will er beispielsweise seine Leistungsdaten von den Tour-Etappen nicht veröffentlichen. Das würde nur die Konkurrenz gegen ihn verwenden, argumentierte der Überflieger. Welche Konkurrenz, fragt man sich angesichts seiner drückenden Überlegenheit. (pre/sda)

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Die gedopten Tour-de-France-Sieger

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