«I HATE TAYLOR SWIFT», hat Donald Trump über das Wochenende auf seiner Plattform Truth Social gepostet. Dass der Ex-Präsident nicht gut auf den bekanntesten Popstar der Gegenwart zu sprechen ist, kann man ja verstehen. Schliesslich hat Swift soeben ihre Unterstützung für Kamala Harris öffentlich bekannt gemacht und könnte damit den Ausgang der engen Wahlen in den USA beeinflussen. «Es ist unvorstellbar, dass ihre Entscheidung in einem 50/50-Rennen keinen Einfluss haben wird», stellt Peggy Noonan im «Wall Street Journal» fest.
Swift hat mit ihrer Ankündigung nicht nur Trump in Rage versetzt, sie hat auch die Börse in Südkorea beeinflusst. Der Kurs der Papiere von LG Energy Solution schoss in die Höhe, nachdem er lange vor sich her gedümpelt hatte, ebenso die Aktien von Panasonic und Samsung SDI. «Was hat das mit der amerikanischen Pop-Ikone zu tun?», wirst du dich nun fragen. Dazu müssen wir ein bisschen ausholen.
Mit seinem Green New Deal hat Präsident Joe Biden einen Boom der Batterie-Hersteller ausgelöst. So stellt June Yoon in der «Financial Times» fest: «In den letzten Jahren waren die Hersteller von Batterien für Elektroautos einer der grössten Nutzniesser der Politik der Biden-Regierung. Bis 2032 sollen gemäss geltenden Plänen zwei Drittel aller neuen Autos und Lastwagen mit einem Elektromotor ausgerüstet sein. Das bedeutet auch, dass Millionen von neuen Batterien benötigt werden.»
Ein Wahlsieg von Donald Trump würde dies alles auf den Kopf stellen. Zwischen dem Ex-Präsidenten und Elon Musk ist in den letzten Monaten zwar eine innige Bromance entstanden. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Ex-Präsident zu einem Fan der Elektroautos geworden ist. Sollte er gewählt werden, würde er die grosszügigen Subventionen für Tesla & Co. umgehend wieder streichen und den Import von billigen Elektroautos aus China mit hohen Strafzöllen verhindern. Trumps Vize J.D. Vance will diese Subventionen gar auf die Benzinschlucker umlenken.
Bereits jetzt ist der Verkauf von Elektroautos weit schleppender als prophezeit. Ein Sieg von Trump/Vance würde die Verbreitung von Elektroautos um Jahre zurückwerfen. Das hehre Ziel im Kampf gegen die Klimaerwärmung würde damit endgültig zur Makulatur werden – und damit auch das Geschäft der Batterie-Hersteller.
Daher dürfte man auch in Wolfsburg den amerikanischen Wahlkampf mit Argusaugen verfolgen. In der deutschen Autostadt geht die Angst um, das gleiche Schicksal wie Detroit zu erleiden; denn wie Helena Wisbert, Betriebswirtschafts-Professorin an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg, gegenüber der «Financial Times» erklärt: «VW befindet sich in der grössten Krise seit Beginn der Neunzigerjahre.»
Bis vor Kurzem hat VW noch mit Toyota um den prestigereichen Titel «Grösster Autohersteller der Welt» gekämpft. Jetzt plagen den Konzern ganz andere Sorgen. Das Management denkt laut über einen massiven Stellenabbau nach. Selbst die Schliessung einzelner Werke ist kein Tabu mehr. Weshalb?
VW hat den Trend zum Elektroauto vermasselt. Obwohl die Inhouse-Software-Abteilung Cariad mit Milliarden aufgepäppelt wurde, ist sie bisher nicht konkurrenzfähig. Deshalb wurde kürzlich der amerikanische Elektroautobauer Rivian für viel Geld gekauft.
Die Krise ist damit jedoch noch nicht behoben. Die Verkäufe in China – dem mittlerweile wichtigsten Markt für Volkswagen – sind eingebrochen. Im ersten Halbjahr 2024 sind die Verkäufe gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel zurückgegangen, und die Flut der günstigen Elektroautos aus China ist erst am Anrollen.
Für VW und für den Industriestandort Deutschland steht viel auf dem Spiel. Die Autoindustrie ist das Herz der deutschen Wirtschaft. Sie beschäftigt rund 800’000 Mitarbeiter, 300’000 davon sind für VW tätig und wieder 60’000 davon in Wolfsburg. Das sind die Hälfte der Einwohner der Stadt, die noch zu Hitlers Zeiten als Autostadt aus dem Boden gestampft wurde.
Die Ankündigung eines Stellenabbaus hat daher Schockwellen durch Wolfsburg gejagt. VW gilt als sozialer Arbeitgeber, zumal auch das Land Niedersachsen mit einem Aktienanteil von rund 20 Prozent über eine Sperr-Minderheit verfügt. Die Gewerkschaften haben bereits erbitterten Widerstand gegen Massenkündigungen oder gar die Schliessung ganzer Werke angekündigt. «Wir werden uns heftig gegen einen historischen Abbau unserer Arbeitsplätze zur Wehr setzen», erklärt Daniela Cavallo, die Vorsitzende des Betriebsrats.
VW-CEO Oliver Blume befindet sich in einer misslichen Lage. Er muss Kosten in Milliardenhöhe einsparen und gleichzeitig das Unternehmen wieder auf einen nachhaltigen Zukunftspfad führen. Matthias Schmidt, ein Analyst der Autoindustrie, erklärt daher gegenüber der «Financial Times»: «Bei Volkswagen spielt sich ein bedeutender Kulturwandel ab.»
Bisher hat das VW-Management diesen Wandel noch nicht im Griff. Auch in Wolfsburg werden die ehrgeizigen Ziele in Sachen Elektroautos bereits wieder zurückbuchstabiert. CEO Blume wird zwar kaum «ICH HASSE TAYLOR SWIFT» posten. Aber heimlich denken wird er es vielleicht schon.
Hätte VW nicht bis vor ca acht Jahren aktiv viel Geld ins Lobbying gegen die aufkommende Elektromobilität investiert - VW könnte heute anstelle von Tesla stehen!
Man hätte als zweitgrösste Autofirma im Autoland Deutschland mit Weltklasse-Zulieferern wie Siemens und Bosch die allerbesten Voraussetzungen gehabt.
Auch Pläne für einen Stromer lagen in der Nuller-Jahren bereits in der Schublade, wurden allerdings verworfen, aufgrund zu geringer Gewinn-Aussichten.
… und weil sich die Manager aufgrund ihrem bias (ein Auto muss „brum brum“ machen) dem Wandel verwehrten.
Warum sollte VW-CEO Blume vielleicht heimlich «ICH HASSE TAYLOR SWIFT» denken?
Weil Swift wie Harris/Walz für die Zukunft steht?
Weil Swift nicht in die Vergangenheit zurück will, wie Trump/Vance?