Die SNB belässt den Leitzins erneut bei 0 Prozent – was das (für dich) bedeutet
Was wurde entschieden?
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt den Leitzins bei 0 Prozent. Dies teilt die SNB am Donnerstagmorgen mit.
Die SNB befindet vier Mal pro Jahr über den Leitzins. Zuletzt hat sie ihn im Juni 2025 herabgesetzt, seither liegt er bei 0 Prozent.
Kommt der Schritt überraschend?
Die Entscheidung ist keine Überraschung. Die meisten Expertinnen und Analysten haben im Vorfeld erwartet, dass die SNB am derzeitigen Null-Zins-Kurs festhält.
Als Grund gilt unter anderem die unübersichtliche und sich schnell verändernde weltpolitische Lage, insbesondere der Krieg im Iran und seine Auswirkungen auf die Energiepreise. Angesichts dieser Umstände wäre eine Leitzinsänderung womöglich nicht nachhaltig, da sich die Lage in kurzer Zeit wieder ändern könnte.
Anzumerken ist, dass in den Monaten vor dem Iran-Krieg eher eine Leitzinssenkung im Raum stand – wenn überhaupt. Diese Erwartungen haben sich nun tendenziell in Richtung einer Leitzinserhöhung gedreht.
Was ist der Leitzins? Wir erklären es dir:
Wie begründet die SNB ihren Entscheid?
Gemäss der bedingten Inflationsprognose werde die Inflation im vierten Quartal noch etwas ansteigen, bevor sie im Verlauf des Jahres 2027 wieder zurückgeht, so die SNB am Donnerstag. Die Nationalbank gehe davon aus, dass die Weltwirtschaft über die kommenden Quartale moderat wachsen wird. Die Inflation dürfte noch einige Zeit erhöht bleiben.
Im Vergleich zur letzten Lagebeurteilung liegt die Prognose in der kürzeren Frist höher, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Grund seien die höher als erwarteten Preise für Erdölprodukte.
Wie gestaltet sich die Lage für die SNB?
Der Iran-Krieg wird zwar geografisch gesehen weit weg von uns geführt, doch er beeinflusst auch die Schweizer Wirtschaft. Das geschieht hauptsächlich über zwei Kanäle: die gestiegenen Energiepreise und damit die Inflation sowie den Schweizer Franken. Da diese beiden Effekte einander entgegenwirken, ist ein Belassen des Leitzinses auf 0 Prozent nachvollziehbar.
Die Inflation in der Schweiz ist zuletzt von 0,6 auf 0,8 Prozent gestiegen. Diese Zunahme sei auf einen Anstieg der Teuerung von Waren zurückzuführen, die im August erstmals seit Mai 2024 wieder im positiven Bereich lag. Zum Anstieg der Warenteuerung hätten vor allem höhere Preise für Erdölprodukte beigetragen.
Höhere Ölpreise wirken preistreibend, und dies sowohl direkt (über teureres Benzin oder Heizöl) als auch indirekt (über generell höhere Energiepreise, aber auch höhere Preise für Transport, Fracht und Logistik oder teurere Alltagsprodukte aus Erdöl).
Das oberste Ziel der Nationalbank ist die Preisstabilität – also eine Teuerung zwischen 0 und 2 Prozent. Würde die Inflation anziehen, würde das eher für eine Leitzinserhöhung sprechen. Das Umgekehrte wäre der Fall, wenn die Teuerung abnehmen würde. Die Effekte durch den Irankrieg heben sich derzeit wohl ziemlich genau auf – sicher ein Grund, weshalb die Nationalbank den Leitzins bei 0 Prozent belässt.
«Die Unsicherheit in Bezug auf das Basisszenario ist vor allem wegen der Situation im Nahen Osten weiterhin hoch», schreibt die SNB in ihrer Medienmitteilung. So könnten die Energiepreise stärker ansteigen als erwartet. «Das würde die Inflation weiter erhöhen und das Wirtschaftswachstum merkmlich bremsen.» Neben der Situation im Nahen Osten bleibe auch das handelspolitische Umfeld unsicher.
Für die nächsten Quartale erwartet die Nationalbank ein moderates Wachstum, schreibt die SNB. Vom Ausland dürften weiter Wachstumsimpulse ausgehen. Weiter heisst es:
Die SNB gibt ausserdem Bescheid, dass die Geldpolitik und die erfolgte Frankenabwertung stützend für das Wachstum in der Schweiz wirken würden.
Der Euro im Vergleich zum Franken
Wegen der Exportwirtschaft, die für die Schweiz von hoher Bedeutung ist, wollte die SNB einen zu starken Franken verhindern.
Welchen Einfluss hat der Entscheid auf die Mieten?
Zurzeit keinen. Die Mietzinsen orientieren sich in der Schweiz am sogenannten hypothekarischen Referenzzinssatz. Dieser wird viermal pro Jahr vom Bundesamt für Wohnungswesen (BDO) veröffentlicht. Zuletzt gab das BDO Anfang März bekannt, dass der Referenzzinssatz weiterhin bei 1,25 Prozent zu liegen kommt. Dieser Satz gilt seit Anfang September 2025.
In die Berechnung des Zinssatzes fliessen jegliche Arten von Hypothekarzinssätzen: solche auf langfristigen, festen Hypotheken, aber auch solche auf kurzfristigen.
In der Regel geschieht eine Veränderung beim Referenzzinssatz nach einer Zinssenkung oder -erhöhung nicht sofort, der Referenzzinssatz gilt als «langsamer Tanker». Der Grund: Da auch langjährige Festhypotheken in die Rechnung fallen, verhält sich der Referenzzinssatz träge und es braucht Zeit, bis er steigt oder sinkt.
Die Festhypothek steht damit im Gegensatz zur variablen Hypothek (keine feste Laufzeit, kurzfristiger kündbar und der Zinssatz passt sich variabel dem Zinsumfeld an) und zur sogenannten SARON-Hypothek (Abkürzung für Swiss Average Rate Over Night). Sie orientiert sich am SARON-Zinssatz: der durchschnittliche Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht gegenseitig Geld ausleihen.
Das BWO meldete im März, dass der durchschnittliche Hypothekarzinssatz derzeit bei 1,32 Prozent liegt. Das übersetzt sich in einen Referenzzinssatz von 1,25 Prozent. Eine Änderung dessen geschieht erst, wenn der Durchschnitt aller Zinssätze auf über 1,37 Prozent steigt oder auf unter 1,13 Prozent sinkt.
Welche Auswirkungen haben tiefe Leitzinse grundsätzlich ...
... für Sparer und Anlegerinnen?
Für Menschen, die ihr Geld sparen und/oder anlegen, sind sinkende Zinsen Bad News: Sie kriegen für das Deponieren ihrer Ersparnisse tiefere Zinsen überwiesen.
Besonders extrem ist die Lage bei Negativzinsen: In diesem Fall müssen Sparerinnen (je nach Zinssatz, der ihnen von ihrer Bank gewährt wird) sogar zahlen, um ihr Geld deponieren zu dürfen – im volkswirtschaftlichen Sinne eigentlich «unlogisch».
... für Hausbesitzerinnen und -besitzer?
Grundsätzlich senken tiefere Leitzinsen alle Zinsen. Bei den Hypothekarzinsen – also den Zinsen, die auf Hypothekarkredite bezahlt werden müssen – ist das nicht anders, es kommt allerdings auf die Art der Hypothek an. So reagieren zum Beispiel Zinsen auf langfristigere Hypotheken anders als solche mit einer kürzeren Laufzeit.
Saron-Hypotheken, zum Beispiel, werden von weiteren Zinssenkungen der SNB sofort profitieren. Bei Festhypotheken hingegen ist vor allem wichtig, von welchen langfristigen Szenarien die Marktteilnehmer ausgehen.
Wichtig ist aber, dass nicht alle Hausbesitzerinnen oder potenziellen Käufer gleich und auch nicht gleichzeitig betroffen sind. Langfristige Festhypotheken zum Beispiel werden erst dann den neuen Zinsen angepasst, wenn sie ablaufen und dann erneuert werden.
... auf die Aktienmärkte?
Im Gegensatz zu denjenigen, die ihr Geld auf einem Sparkonto lagern, sind tiefere Leitzinsen für solche, die in Aktien investieren, Good News. Wenn die Zinsen auf Sparguthaben sinken, können sich Anleger dafür entscheiden, ihr Geld wieder in Aktien zu investieren, weil sie jetzt damit möglicherweise mehr Geld einnehmen als mit Sparen.
... auf den Frankenwechselkurs?
Durch eine Leitzinssenkung wird die entsprechende Währung abgewertet. Ein Grund dafür: Weil es günstiger ist, leihen sich die Banken mehr Geld bei der Zentralbank aus. Dadurch steigt die Geldmenge, die im Umlauf ist. Und wird das Geld weniger knapp, dann sinkt sein Preis respektive der Wert einer Währung.
Senkt die SNB den Leitzins, dürfte sich also der Franken gegenüber anderen Währungen abwerten, der Druck auf die Schweizer Währung also etwas abnehmen. Allerdings: Es kommt langfristig auch darauf an, ob und wie stark die Notenbanken anderer Währungen ihre Leitzinsen im Vergleich senken.
(lak/hkl)
