Klicken statt Kicken – lohnt sich Fussball-Investment für dich?
Es ist wieder so weit, gestählte Beine flitzen über grünen Rasen, bunte Fanbekleidung strahlt in der Sonne, Tränen der Freude oder des Ärgers hinterlassen Spuren auf bemalten Wangen und natürlich dürfen sie nicht fehlen, die Sammelbilder. Die Fussball-WM hat die Welt fest im Griff, zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels am heissen Sonntagnachmittag geniessen wir alle noch den Höhenflug des 4:1-Sieges gegen Bosnien.
48 Teams, 104 Spiele, USA, Kanada, Mexiko. Die WM, die als das grösste Turnier aller Zeiten angekündigt wurde, läuft und bricht tatsächlich einige Rekorde. Ein guter Moment, um eine Zwischenbilanz zu ziehen: Was hat sich verändert? Wie haben die Fussballaktien performt? Und ist der Frauenfussball inzwischen eine echte (noch versteckte) Investmentchance?
Grösser als je zuvor: Das Milliardengeschäft WM 2026
Fussball und Geld waren schon immer eng verbunden. Aber was die FIFA mit dieser WM aufgestellt hat, ist eine neue Grössenordnung. Der Weltfussballverband erwartet für den Zyklus 2023–2026 Gesamteinnahmen von rund 13 Milliarden US-Dollar, ein Plus von über 70 Prozent gegenüber der WM 2022 in Katar. (Quelle: ZDF, Juni 2026)
Den grössten Teil davon machen TV-Rechte mit rund 4.3 Milliarden Dollar aus, doch einer der wesentlichsten Umsatztreiber dieser WM sind die Tickets. Mehr Teams, mehr Spiele, mehr Tickets gepaart mit dynamischer Preisgestaltung. Die teuerste Finalkarte kostet offiziell fast 11'000 US-Dollar. Zudem verdient die FIFA mit am Wiederverkaufsmarktplatz.
Vielleicht löst das bei euch auch die Frage: Wer profitiert ausser der FIFA von diesem Boom, und gibt es Möglichkeiten, daran teilzuhaben?
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Wie sich Fussballaktien entwickeln
Bei den Aktien der börsennotierten Fussballclubs zeigt sich ein sehr gemischtes Bild. Daran hat sich trotz Mega-WM nicht viel verändert.
Illustrativ ein paar konkrete Zahlen aus den 22 gegenwärtig gelisteten europäischen Fussballvereinen (Quelle: MarketScreener, Mai 2026):
- Juventus Turin: Die Aktie verlor innerhalb von fünf Jahren rund 75 % ihres Wertes, v. a. wegen sportlicher Enttäuschungen und Führungswechsel.
- Manchester United: Umsatz von 667 Millionen Pfund im Jahr 2025, die Aktie gilt aber weiterhin als «Rätsel», das weder sportlicher noch finanzieller Logik konsequent folgt.
- Positive Beispiele sind z. B. Celtic Glasgow, solide geführt, Umsatz in zehn Jahren verdreifacht, nur drei Verlustjahre in einem Jahrzehnt. Oder die FCs Porto und Benfica: Porto steigerte seinen Umsatz von 75 auf 150 Millionen Euro in einem Jahrzehnt, Benfica sogar auf 231 Millionen Euro, getragen durch intelligente Transferpolitik und Nachwuchsarbeit.
Auf breiter Front liegen Fussballaktien jedoch weit hinter traditionellen Anlagen zurück.
Der sogenannte Pelé-Index, der 18 börsennotierte Fussballvereine aus 9 Ligen umfasst, zeigt gegenüber dem MSCI World seit 1998 eine klare Underperformance. Seit Auflegung 1998 hat der Pelé-Index eine Gesamtrendite von minus 11 Prozent erzielt, während der globale Markt im gleichen Zeitraum 678 Prozent zulegte. In der Saison 2025/26 allein lag er 27 Prozentpunkte hinter dem Markt (Quelle: portfolio-institutionell, Juni 2026).
Das heisst nicht, dass Fussballaktien für niemanden interessant sein können. Aber du kaufst eher Leidenschaft, nicht eine verlässlich wachsende Anlage.
Fan-Tokens, Sporttech und Multi-Club-Ownership
Neben den traditionellen Clubaktien sind neue Investmentformen rund um den Fussball entstanden oder gewachsen.
Fan-Tokens
Digitale Club-Token auf Blockchain-Basis haben sich seit dem Krypto-Winter 2022 weiterentwickelt, z. B. in der Schweiz der BSC Young Boys mit $YBO auf Socios.com.
Rund um die WM 2026 lancierte die Chiliz-Gruppe Nationalmannschafts-Tokens für z. B. Spanien, Belgien, Argentinien, Portugal und Italien. Technologisch wurde das System reformiert: Tokens laufen seit April 2026 auf grossen Netzwerken wie Solana, und der Token-Wert reagiert dynamisch auf Live-Resultate. Fan-Tokens bleiben aber hochspekulativ und kein klassisches Investment, sie geben Fans Mitsprache bei kleinen Clubentscheidungen, mehr nicht.
SportTech
Ist ein interessanter Trend, und die Schweiz ist gut positioniert. Dank ETH Zürich, EPFL und der Nähe zu FIFA und IOC ist ein starkes Ökosystem entstanden. Coachbetter (KI-Scouting, Zürich), Dartfish (Videoanalyse, Freiburg) und Sportradar (Echtzeit-Sportdaten, St.Gallen) sind einige Beispiele. CrowdSports ermöglicht Fans zudem, direkt FINMA-konform in Clubs zu investieren.
Die meisten solcher Unternehmen sind nicht börsenkotiert. Frühphasen-Beteiligungen laufen über den SICTIC oder Plattformen wie Conda Schweiz, mit entsprechend höherem Risiko. Eine Liste ausgewählter Sport-Companies in diesem Bereich aus der Schweiz findest du hier.
Multi Club Ownership
Dass ein Investor mehrere Clubs gleichzeitig hält, ist ein zunehmender Trend. Mehr als 70 Prozent der Deals mit ausländischer Beteiligung gehen auf US-Investoren zurück. Private-Equity-Gesellschaften wie CVC und Apollo positionieren sich im Sportsektor. (Quelle: SPORTFIVE, November 2025)
Für uns als Private heisst das: Diese Deals sind nicht direkt zugänglich. Man kann aber indirekt profitieren über Sportartikelunternehmen wie z. B. Adidas (stattet einen gewichtigen Anteil der Spitzenvereine aus) und Medienrechte-Halter wie z.B. The Walt Disney Company oder Vivendi SE.
Frauenfussball: Das (noch) unterschätzte Investment?
Der Frauenfussball erlebt einen Boom. Hier einige Zahlen:
- Die Top-15-Frauenclubs weltweit erzielten 2025 kumuliert rund 158 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Angeführt von Arsenal Women, gefolgt von Barcelona Femeni. (Quelle: Deloitte Football Money League 2026, Januar 2026)
- In Deutschland investiert der DFB ab 2026 über acht Jahre 100 Millionen Euro in eine neue Ligagesellschaft für die Frauen-Bundesliga. Im optimistischen Szenario soll das Marktvolumen bis 2031/32 auf 130 Millionen Euro pro Saison steigen. Zum Vergleich: Heute sind es weniger als 20 Millionen. (Quelle: The Football Week, November 2025)
- Die Women's EURO 2025, die letzten Sommer in der Schweiz stattfand, sah gesteigerte Sponsoring-Einnahmen um ca. 145 %. Schätzungen zeigen, dass bis 2030 über 800 Millionen Fans weltweit (mit einem Frauenanteil von 60 Prozent) den Frauenfussball verfolgen könnten und der kommerzielle Wert des europäischen Fussballs bis 2033 auf fast 700 Millionen Euro pro Jahr wachsen könnte. (Quelle: UEFA/EY Pre-Tournament Impact Report, 2025)
Auch das Interesse bei institutionellen Investoren wächst: Reddit-Mitgründer Alexis Ohanian beteiligte sich 2025 an Chelsea Women, spezialisierte Konsortien wie Mercury 13 investieren gezielt in Frauenclubs. (Quelle: SPORTFIVE, November 2025).
Börsennotierte Frauenclubs gibt es bisher kaum, vor allem weil viele der Clubs als Tochtergesellschaften in die Männervereine eingebunden sind.
Wie kannst du in Fussball investieren?
Hier einige Möglichkeiten:
- Clubaktien: Weiterhin volatil und eine Herzensangelegenheit.
- Sport-ETFs und Fonds: Breitere Sportinvestments, die vom Boom profitieren (Ausrüster, Gaming, eSports), bleiben die zugänglichste Möglichkeit. Beispiele sind der VanEck Gaming & eSports ETF (ISIN: IE00BYWQWR46) oder der TOP Sport Global Equity (ISIN: LU1673090038).
- Aktien von Firmen, welche vom (Frauen-)Fussballfieber profitieren, z. B.: Adidas, Nike, Puma, Walt Disney, Vivendi oder kommerzielle Partner z. B. Visa, Coca-Cola, Walt Disney, Amazon etc.
- Innovative Firmen im Bereich SportTech über Crowdfunding oder Angel Investment
ETFs auf Fussballclubs gibt es weiterhin keine. Der Stoxx Europe Football Index wurde 2020 eingestellt und bisher nicht ersetzt.
Fussball als Investment bleibt trotz neuer Möglichkeiten vor allem für Menschen interessant, die viel Leidenschaft und Interesse für den Sport mitbringen und sich mit den Risiken bewusst auseinandersetzen, als Satellit zu einem breit diversifizierten Portfolio. Ich bleibe mal weiterhin bei meinen Aktien- und ETF-Portfolios.
Und du? Lieber Fan oder schon investiert? Und was denkst du zum Frauenfussball als Investment? 💰⚽️
