Neuer Podcast «Gülsha & Maja» bei CH Media: «Wir erklären euch die Perimenopause»
«Zivadiliring» war ein Meilenstein in der Schweizer Podcast-Geschichte. In seinen erfolgreichsten Zeiten erreichte der Laberpodcast dreier sehr unterschiedlicher Frauen pro Folge 100'000 Hörerinnen und Hörer. 10'000 folgten den drei Hosts im letzten Herbst ins ausverkaufte Hallenstadion.
Umso überraschender kam das Ende von «Zivadiliring» in diesem Frühjahr – auch für die Fans. Ein Streit soll die Frauen entzweit haben. Nun machen die Moderatorin, Kolumnistin und Podcasterin Gülsha Adilji, 40, und die Journalistin Maja Zivadinovic, 47, ohne ihre Kollegin Yvonne Eisenring, 39, weiter.
Der von CH Media produzierte Podcast «Gülsha & Maja» erscheint ab 13. August alle zwei Wochen jeweils donnerstags auf www.schweizheute.ch/podcasts und auf den grossen Streaming-Portalen (Spotify/ApplePodcasts etc.). Im Interview sprechen die zwei Hosts über die öffentliche Trennung und den Neustart.
Gülsha Adilji und Maja Zivadinovic, bei «Zivadiliring» lebte vieles von der Dynamik zu dritt. Was gewinnt Ihr neuer Podcast durch die Zweierkonstellation – und was geht verloren?
Adilji: Wir haben mehr Raum und Redezeit, da beides jetzt durch zwei und nicht durch drei geteilt wird. Und unser Podcast ist persönlich noch stärker auf uns und unsere Eigenheiten zugeschnitten.
Zivadinovic: Ich glaube, bei der Redezeit werde ich ein bisschen mehr profitieren als du. (Lacht).
Adilji: Du hast recht, ich sollte mir Mühe geben, mich mal etwas zurückzunehmen. Bei mir kann es nie genug Redezeit geben!
Auf persönlicher Ebene soll laut Medienberichten manches schiefgelaufen sein in den letzten Monaten: Die Freundschaft zwischen Ihnen, Frau Adilji, und Yvonne Eisenring soll im Streit geendet haben. Über die Gründe haben Sie nie öffentlich gesprochen.
Adilji: Ich möchte nicht auf Gerüchte eingehen und das Wort «Streit» in den Mund gelegt bekommen. Für mich ist es momentan einfach noch zu früh, mich zu öffnen und zu erzählen, was sich da konkret ereignet hat. Irgendwann, da bin ich sicher, werde ich bereit dafür sein, über meine Gründe zu sprechen. Vielleicht auch nicht, vielleicht nehme ich es ins Grab. Who knows.
Zivadinovic: Für mich als Medienschaffende war es hochgradig spannend, einmal auf der anderen Seite zu stehen. Die News rollten wie eine Dampfwalze über uns hinweg. Ich lese ja grundsätzlich alles, was über uns geschrieben wird. Plötzlich tauchten ominöse Insider auf, die angeblich über die Gründe unserer Trennung Bescheid wussten. Gerüchte wurden als Fakten verkauft. Es war irgendwie surreal.
Indem Sie eine spätere Aufarbeitung potenziell erwägen, halten Sie die Spannung um die Trennung ja selbst aufrecht. Können Sie verstehen, dass das von aussen wie ein bewusst gesetzter Cliffhanger wirkt?
Adilji: Ich versuche lediglich Ihre Fragen so ehrlich wie möglich zu beantworten, da steckt überhaupt keine Strategie dahinter, wirklich! Man kann über mich sagen, was man will, aber ich war in meiner gesamten Karriere immer authentisch und habe nie Dinge aus Kalkül oder Opportunismus gemacht. Auch unserer Community war sofort klar, dass ich Zeit brauche. Die Fans setzen mich überhaupt nicht unter Druck.
Ich habe einmal die These vom «instabilen Dreieck» aufgestellt: Ohne die dritte Person droht zu viel Harmonie. Für eine Paarbeziehung mag das toll sein. Aber ist Harmonie für einen Laber-Podcast nicht gefährlich?
Zivadinovic: Ich weiss, worauf Sie hinausmöchten. Aber ich kann Ihnen versichern: Gülsha und ich haben komplett unterschiedliche Leben und ganz oft ganz unterschiedliche Meinungen.
Adilji: Nicht mehr, Maja. Wir nähern uns an. Ich habe aufgehört zu trinken, gehe nicht mehr in den Ausgang, mache eine Dating-Pause und mache wie du Sport. Wir werden zu ein und derselben Person. Vielleicht haben Sie recht. Der Podcast könnte tatsächlich langweilig werden. (Lacht).
Zivadinovic: Ach Unsinn, ich habe ein Kind und du hast keins. (Lacht).
In der Öffentlichkeit hat sich in den letzten Jahren das Bild von der bodenständigen Familienmutter Maja und das Bild von der freiheitsliebenden Gülsha stark verfestigt. Wie viel davon ist Image, wie viel davon ist echt?
Zivadinovic: Null Prozent sind Image. Ich persönlich unterscheide überhaupt nicht zwischen der Maja, die im Familiengarten sitzt, und der Maja im Podcast. Mir wäre das zu anstrengend und es ist wahrscheinlich unser Geheimnis, dass wir uns gar nicht so sehr damit stressen, eine öffentliche Persona aufzubauen. Ich setze mir höchstens persönliche Grenzen: Wie viel will ich von mir preisgeben? Die Namen meines Sohnes und meines Freundes sind tabu. Und was Gülsha angeht: Ich kenne Gülsha gut. Was sie am Mikrofon sagt, würde sie auch abseits des Mikrofons sagen.
Adilji: Tatsächlich werde ich in der Öffentlichkeit stark mit diesen Dating-Themen besetzt, aber natürlich interessiere ich mich für mehr als nur für Dating. Ich bin es mir seit meiner Jugend beim Sender «Joiz!» gewohnt, eine Projektionsfläche zu sein. Für die meisten werde ich wohl die verrückte Gülsha bleiben, die über ihre Analfissur redet und pausenlos seltsame Männer datet. Mir ist aber nicht wichtig, anderen zu erklären, dass ich zum Beispiel auch eine ruhige Seite habe und nicht nur loco (wild/verrückt, Anm. d. Red.) bin. Am Ende des Tages bin ich eine Entertainerin. Das ist alles. Die Leute dürfen über mich denken, was sie möchten.
Bei «Zivadiliring» haben Sie sich pro Folge an einem einzigen Thema abgearbeitet. Werden Sie diesem Prinzip treu bleiben?
Adilji: Nein, wir schreiben uns kein fixes Thema mehr vor. Grundsätzlich wird alles noch mehr in Richtung Laber-Podcast gehen. Es werden mehrere neue, auf uns persönlich zugeschnittene Rubriken eingeführt, an denen wir uns abarbeiten können. Du, Maja, bekommst zum Beispiel eine «Maja-testet»-Rubrik …
Zivadinovic: Ich bestelle in meiner Freizeit ja ständig irgendwelche Päckchen. Die Hörerinnen sollen nun herausfinden, ob deren Inhalt taugt.
Adilji: Ich bin seit Jahren ganz fest in diesem Bio-Hacking-Game drin. In meiner Rubrik erkläre ich den Hörerinnen, was die Perimenopause ist, welche Nahrungsergänzungsmittel man nehmen sollte und wie Kopfschmerzen funktionieren. Das klingt irgendwie boring, aber ich schwöre, das wird grandios.
Wer von Ihnen ist eher ein Granit Xhaka – der Stratege im Mittelfeld – und wer Breel Embolo, der Stürmer mit Abgründen?
Adilji: Ich würde Ihnen gerne mit einer Fussball-Metapher kontern, aber nein, das geht nicht. Wir sind einfach zwei Frauen, die in der Perimenopause stecken und einen Podcast machen, der zufälligerweise unterhaltsam ist.
Sie hatten Ihre Fan-Community damit beauftragt, einen neuen Podcast-Namen zu finden. Statt auf Vorschläge wie «The Vulverines» oder «Ripper & Chlamydien» einzugehen, haben Sie sich für den schlichtesten aller Namen entschieden: «Gülsha & Maja». Steckt dahinter eine Marketingstrategie?
Adilji: Wir denken wirklich selten strategisch – vergessen Sie den Mittelfeldspieler Xhaka. Wir sind Bauchmenschen. Wir machen, was uns Spass macht, sich richtig anfühlt, und wir sind damit zufällig im Hallenstadion gelandet. Der Name hat sich gut für uns angefühlt. Es steht drauf, was drinsteckt: Maja und Gülsha. Ich habe ja diese komische Angewohnheit im Stil alter weisser Männer, alles mit meinem Namen anzuschreiben.
Da sind Sie in bester Gesellschaft: «Lanz und Precht», «Roger gegen Markus», «Nuhr im Ersten» …
Adilji: Zumal «Zivadiliring», diese Aneinanderreihung unserer Nachnamen, der schlechteste Markenname war, den man sich vorstellen kann. Viele haben sich gewundert, wie man damit überhaupt erfolgreich sein konnte.
Ist diese demonstrative Strategielosigkeit nicht selbst eine Markenstrategie?
Zivadinovic: Nein, wir haben tatsächlich nie in der Algorithmus-Logik gedacht oder für Instagram Videoausschnitte produziert. «Zivadiliring» hatte nicht mal einen Instagram-Account.
Adilji: Ich glaube nach wie vor, dass unser Geheimnis gerade darin liegt, dass wir keine Strateginnen und knallharte Businessfrauen sind. Wir machen einfach das, was wir cool finden und haben das Glück, dass wir einen Nerv getroffen haben. Am Ende ist das einfach nur ein Podcast. (schweizheute.ch)

