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Bitcoin-Blase: 3 Gründe, warum Leute weiter in Kryptowährungen investieren

«Gier frisst Hirn» – 3 Gründe, warum die Leute weiter Bitcoins kaufen

03.01.2018, 10:0603.01.2018, 12:45

Der Bitcoin-Preis ist letztes Jahr förmlich explodiert. Dabei hat die Kryptowährung keinerlei Sachwert, Experten warnen vor einem Crash. Jüngst ist der Bitcoin schon einmal abgestürzt. Wie kann es sein, dass Anleger trotzdem fröhlich weiterkaufen?

Angst, etwas zu verpassen

«Es ist wie damals bei der Dotcom-Blase, als sich nur die wenigsten ernsthaft mit der Materie der Tech-Unternehmen auskannten, sich aber jeder fragte: Warum bin ich nicht auch dabei?» Joachim Goldberg, Blogger und Experte für Verhaltensökonomik glaubt, dass es unter anderem Geschichten sind, von «dem einen Freund, der über Nacht reich geworden ist», die den Ausschlag geben. Für den Zuhörer bleibe das als Referenz im Gedächtnis hängen, genauso wie die Nachrichten über immer neue Kursexplosionen.

«Jeder Mensch nutzt solche Referenzpunkte», sagt Goldberg. Sie lösten einen Reiz aus, gegen den man sich schlicht nicht immer wehren könne. Damit einher gehe auch die Angst, etwas zu verpassen – in der Anlegerpsychologie oftmals als «FOMO» (fear of missing out) bezeichnet.

Diese Vorstellung, bei der ständig zitierten Preisrallye nicht dabei gewesen zu sein, versetzt den Investor von vornherein in einen Zustand des Bedauerns. Ein unschönes Gefühl, das jeder Mensch versucht, zu vermeiden. Im Zweifelsfall führt das zu einer höheren Risikofreude.

«Gier frisst Hirn»

Dass die Leute beim Bitcoin momentan durchaus risikofreudig sind, zeigen die «Cryptocurrency»-Umfragen, die das Beratungsunternehmen Sentix seit September wöchentlich durchführt. Dabei wird nicht nur die aktuelle Stimmung rund um die bekannteste aller Internetwährungen erfasst, sondern auch der «strategische Bias», also das, was die Leute dem Bitcoin mittelfristig an Wert zuschreiben.

«Der Bias reflektiert die Weisheit der vielen», beschreibt es Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. Bauchschmerzen bereitet ihm die zunehmende Diskrepanz zwischen den Stimmungswerten, die derzeit immer weiter ansteigen, und dem sinkenden Bias. «Die Emotionen überdecken hierbei das Wissen», resümiert Hübner. «Man könnte auch sagen: Gier frisst Hirn.»

Gäbe es diese Konstellation im deutschen Aktienleitindex Dax, dann, so der Experte, hätte er schon längst zum Verkauf geraten. Er ist überzeugt davon, dass es sich bei der Bitcoin-Rallye mittlerweile um eine klassische Finanzblase handelt. «Die spekulative Anziehungskraft hinter Bitcoin kann zu erheblichen Marktverwerfungen führen», warnt er und ist damit einer von vielen.

In einem Jahr hat der Bitcoin um mehr als 1000 Prozent zugelegt.
In einem Jahr hat der Bitcoin um mehr als 1000 Prozent zugelegt.screenshot: finanzen.ch

Der Höhenflug könnte vorerst andauern

Von Banken und Ökonomen über Regulierer bis hin zu Politikern wird gefühlt stündlich und weltweit auf die Gefahr der Überhitzung hingewiesen. Auf der anderen Seite wird argumentiert, es sei schon seit Jahren immer wieder vor einem Crash gewarnt worden – der Rekordjagd des Bitcoin habe dies aber keinen Abbruch getan.

Auch Hübner glaubt, dass es mit den Preissteigerungen noch weitergehen könnte. «Blasen wachsen auch dann noch, wenn sie als solche bereits erkannt sind.» Dies ändere aber nichts daran, «dass sie irgendwann platzen und es dann riesige Verluste gibt.»

Für Experte Goldberg bleibt am Ende das, was er lieber als «Reiz» denn als «Gier» bezeichnen würde:

«Wenn man die Gier abschaffen will, müsste man eigentlich einen Teil des Gehirns rausschneiden.»

Aber: Die Alarmglocken werden lauter!

Vom Wort «Digitalwährung» nehmen mittlerweile immer mehr Experten Abstand. Viel zu schwankungsanfällig sei der Bitcoin, als dass er ein probates Zahlungsmittel sein könnte.

Vor drei Wochen war er auf fast 20'000 US-Dollar gestiegen, vor zwei Wochen auf annähernd 11'000 Dollar gefallen – um nun wieder bei mehr als 15'000 Dollar zu stehen. Wäre das der Franken, würde wohl Panik bei vielen Menschen ausbrechen.

Beim Bitcoin ist stattdessen immer häufiger von einem «Spekulationsobjekt» die Rede: Die Wette darauf, dass man nach dem Kauf immer jemanden findet, der bereit ist, noch mehr Geld für diese Sache auszugeben – die aber die meisten nicht einmal durchschauen. Vornehmlich das ist es, was bei Joachim Goldberg die Alarmglocken schrillen lässt.

(dsc/sda/dpa)

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