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Nestlé nimmt Russlandgeschäft aus der Bilanz

«Keine Kontrolle über Leitung der Geschäfte»: Nestlé nimmt Russlandgeschäft aus der Bilanz

22.10.2026, 08:3222.10.2026, 08:35

Nestlé zieht nach der Übernahme der Kontrolle über sein Russlandgeschäft durch die russischen Behörden die Konsequenzen. Der Nahrungsmittelkonzern nimmt das Geschäft per Ende September aus seiner Konzernrechnung. Dabei fallen Vermögenswerte von rund 1,6 Milliarden Franken aus der Bilanz.

ITAR-TASS 94: RYAZAN, RUSSIA. APRIL 23, 2010. Nestle baby food in a store. PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY Highlight S00808E3
Das Russlandgeschäft machte gemäss den neusten Angaben von Nestlé bisher rund 2 Prozent des Konzernumsatzes und 3 bis 4 Prozent des bereinigten Betriebsgewinns aus.Bild: www.imago-images.de

«Da wir derzeit keine Kontrolle über die Leitung der Geschäfte in Russland haben, wird das Geschäft per Ende September 2026 von der Nestlé AG entkonsolidiert», schrieb das Unternehmen am Donnerstag.

Zudem verbucht Nestlé den Angaben zufolge eine buchhalterische Belastung von rund 1,4 Milliarden Franken wegen Wechselkurseffekten. Dabei fliesst kein Geld ab. Die Nettoverschuldung dürfte sich bis Ende Jahr allerdings um rund 900 Millionen Franken erhöhen. Die Auswirkungen auf den bereinigten Betriebsgewinn 2026 sollen begrenzt bleiben.

Das Russlandgeschäft machte gemäss den neusten Angaben von Nestlé bisher rund 2 Prozent des Konzernumsatzes und 3 bis 4 Prozent des bereinigten Betriebsgewinns aus. Auf die Umsatzzahlen für das dritte Quartal und die ersten neun Monate hat der Schritt noch keinen Einfluss.

Auswirkungen im vierten Quartal

Ab dem vierten Quartal werde sich der Wegfall des Russlandgeschäfts allerdings auf den ausgewiesenen Umsatz, den bereinigten Betriebsgewinn und den freien Geldfluss auswirken, erklärte Finanzchefin Anna Manz gemäss Redetext zur Ergebnispräsentation. Das organische Wachstum und das Mengenwachstum seien dagegen nicht betroffen, da Russland bereits seit 2022 aus diesen Berechnungen ausgeklammert werde.

Die Auswirkungen auf die bereinigte operative Gewinnmarge im Gesamtjahr dürften laut Manz begrenzt bleiben. Die Lage in Russland sei allerdings weiterhin im Fluss. Nestlé werde bei Bedarf über weitere Entwicklungen informieren.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Mitte September zwei russische Nestlé-Gesellschaften unter eine vorübergehende externe Verwaltung gestellt. Die Kontrolle ging an die Gesellschaft L.E.V. Management über. Hinter der Firma steht laut Medienberichten ein General des russischen Innenministeriums. Nestlé bleibt zwar formal Eigentümerin, kann aber nicht mehr selbst über das Geschäft bestimmen. Der Konzern betreibt in Russland sechs Fabriken und beschäftigt rund 7000 Personen.

Nestlé gewinnt beim Wachstum an Tempo

Nestlé hat im dritten Quartal 2026 an Dynamik gewonnen. Laut seinen Quartalszahlen wuchs der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern wuchs organisch um 4,0 Prozent nach 3,7 Prozent im Vorquartal. Vor allem die deutlich höheren Absatzmengen trieben das Wachstum an. An den Zielen fürs Gesamtjahr hält das Management fest.

Der Umsatz des Herstellers von Nespresso-Kaffee, Kitkat-Schokoriegeln und Purina-Tierfutter blieb in den ersten neun Monaten mit 65,87 Milliarden Franken praktisch auf Vorjahresniveau. Organisch wuchs Nestlé in diesem Zeitraum um 3,7 Prozent, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

Bei der verkauften Produktmenge legte Nestlé deutlich zu. Das sogenannte interne Realwachstum (RIG) erreichte 2,8 Prozent, wie Nestlé am Donnerstag mitteilte. Im zweiten Quartal hatte es bei 1,8 Prozent gelegen, nach 1,2 Prozent im ersten Quartal. Die Preiserhöhungen trugen im dritten Quartal noch 1,1 Prozentpunkte zum organischen Wachstum bei.

Mit den Zahlen übertraf Nestlé die Erwartungen der von der Nachrichtenagentur AWP befragten Analysten deutlich. Diese hatten für das dritte Quartal im Schnitt ein organisches Wachstum von nur 3,5 Prozent und ein Mengenwachstum von 1,7 Prozent erwartet.

Absatzmengen legen global zu

Für Schwung sorgten vor allem eine Erholung im Tierfuttergeschäft, eine gute Entwicklung bei Nahrungsmitteln und Snacks wie Maggi-Würze und Kitkat sowie das Wassergeschäft, das vom heissen Sommer profitierte. Dabei war das Mengenwachstum breit abgestützt: In sämtlichen Weltregionen und global geführten Geschäftsbereichen legten die Absatzmengen zu.

Die Entwicklung der Absatzmengen gilt als wichtiger Gradmesser für die operative Erholung des Konzerns. Nach mehreren Jahren mit schwachem Wachstum, das vor allem von Preiserhöhungen getragen wurde, hat der seit gut einem Jahr amtierende Konzernchef Philipp Navratil nachhaltiges Mengenwachstum zur obersten Priorität erklärt.

Dazu will Navratil stärker in erfolgreiche Marken, Werbung und Innovationen investieren. Gleichzeitig soll der Konzern schlanker und schlagkräftiger werden und sich auf wachstums- und ertragsstarke Geschäfte konzentrieren.

Wie erwartet bestätigte das Management seine Jahresziele 2026. Der Konzern erwartet weiterhin ein organisches Wachstum von 3 bis 4 Prozent und eine Verbesserung der bereinigten operativen Marge gegenüber dem Vorjahreswert von 16,1 Prozent. (lak/sda/awp)

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