Wirtschaft
Schweiz

Nestlé wehrt sich gegen Fremdverwaltung seines Russland-Geschäfts

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Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Donnerstag zwei Nestlé-Gesellschaften unter eine vorübergehende externe Verwaltung gestellt.Bild: keystone

Herkunft aus «unfreundlichen Ländern»: Kreml rechtfertigt Nestlé-Zwangsverwaltung

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé will trotz der von Moskau angeordneten Fremdverwaltung vorerst an seinem Russland-Geschäft festhalten und sich gegen den Eingriff zur Wehr setzen.
18.09.2026, 11:0518.09.2026, 15:21

Nestlé kämpft um Russland-Geschäft

Analysten halten die operativen Folgen für den Nespresso- und Kitkat-Produzenten für verkraftbar. Grössere Risiken sehen sie bei möglichen Abschreibungen und einem erzwungenen Verkauf zu ungünstigen Konditionen.

Nestlé erklärte am Freitag in einer kurzen Stellungnahme, alle notwendigen Schritte unternehmen zu wollen, um seine Rechte zu schützen und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Welche Optionen der Konzern konkret prüft, liess er offen.

ARCHIV - ZU DEN HALBJAHRESZAHLEN 2018 VON NESTLÉ, AM DONNERSTAG, 26. JULI 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG ---- Nestle logo is pictured on the Nestle headquarter before th ...
Nestlé will vorerst an seinem Russlandgeschäft festhalten.Bild: KEYSTONE

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Donnerstag die beiden lokalen Nestlé-Gesellschaften Russia und Kuban unter vorübergehende externe Verwaltung gestellt. Nestlé bleibt demnach Eigentümer, verliert aber die Kontrolle über die Gesellschaften.

Der Kreml begründete den Schritt am Freitag mit der Herkunft der betroffenen Unternehmen aus sogenannten «unfreundlichen Ländern». Diese unterstützten die Ukraine militärisch und seien an Handlungen gegen Russland beteiligt, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag.

Die Schweiz trägt unter anderem die internationalen Sanktionen gegen Russland mit. Neben Nestlé aus der Schweiz sind unter anderem auch der Detailhändler Auchan und das frühere Russland-Geschäft der Baumarktkette Leroy Merlin aus Frankreich von der Zwangsverwaltung betroffen.

Seco besorgt

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist besorgt über die beschlossene Zwangsverwaltung. Das Seco und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stehen deswegen seit einigen Wochen in engem Kontakt mit dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern.

Man unterstütze Nestlé auf diplomatischem Weg, erklärte das Seco am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Ziel der Schweizer Unterstützung sei es, Nestlé die Möglichkeit zu verschaffen, ihren Standpunkt gegenüber den russischen Behörden darzulegen und auf eine Rücknahme der Zwangsverwaltung hinzuwirken.

Aktie gibt nach

Auch an der Börse kam die Nachricht schlecht an. Die Nestlé-Aktien verloren am Freitagvormittag zeitweise bis zu 2,4 Prozent, während sich der Gesamtmarkt kaum bewegte. Analysten stuften die finanziellen Folgen allerdings als überschaubar ein.

Die US-Grossbank JPMorgan schätzte, dass Russland für rund 2 Prozent des Nestlé-Gesamtumsatzes von gut 89 Milliarden Franken und 3 Prozent des operativen Gewinns steht. Ein vollständiger Verlust des Geschäfts könnte den Gewinn je Aktie um 3 bis 4 Prozent schmälern. Die Schweizer Bank Vontobel geht wegen des seit 2022 stark reduzierten Geschäfts inzwischen sogar von nur noch etwas mehr als 1 Prozent Umsatzanteil aus.

Grösser könnte der einmalige Schaden ausfallen. Die Luzerner Kantonalbank schätzt den Wert der gesamten Russland-Aktivitäten auf rund 1,75 Milliarden Franken. Bei einem Verlust könnten entsprechende Abschreibungen nötig werden. Vontobel sieht zudem das Risiko, dass Nestlé bei einem Verkauf nur ungünstige Konditionen erzielen könnte.

Welche Optionen bleiben?

Wie es weitergeht, ist offen. Denkbar sind rechtliche Schritte, Verhandlungen mit Moskau oder letztlich ein Verkauf. Auch eine längere Fremdverwaltung ist möglich. Die ZKB sieht Nestlé dabei in einem Dilemma: Zusätzliche Investitionen könnten Reputations- und Boykottrisiken auslösen, ohne Investitionen drohe dagegen der Verlust des Geschäfts.

Wie ein Ausstieg enden könnte, zeigen andere westliche Konzerne. Danone verlor 2023 unter der Fremdverwaltung die Kontrolle über sein Russland-Geschäft und verkaufte es 2024 für rund 180 Millionen Euro. Dabei verbuchte der Konzern einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro. Carlsberg verkaufte sein Russland-Geschäft nach einem ähnlichen Eingriff Ende 2024 für 320 Millionen Dollar. Heineken gab seine russische Tochter sogar für den symbolischen Preis von einem Euro ab und schrieb 300 Millionen Euro ab.

Nestlé hatte sein Russland-Geschäft nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 stark zurückgefahren, sich aber gegen einen vollständigen Rückzug entschieden. Der Konzern betreibt dort weiterhin sechs Produktionsstandorte. Dazu gehört in Timaschewsk in der Schwarzmeer-Region eine der weltweit grössten Nestlé-Fabriken für löslichen Kaffee, in der unter anderem Nescafé produziert wird. (awp/sda)

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113 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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S. S.
18.09.2026 11:13registriert September 2018
Mal schauen was für Auswirkungen das auf die Abstimmungsergebnisse haben wird...
Wer jetzt immer noch für die Neutralitätsinitiative stimmen will, dem ist nicht mehr zu helfen.
28011
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Ius_Aeterna_93
18.09.2026 11:31registriert April 2024
Nestlé ist was man in GenZ Speak als “delulu” bezeichnen würde.

Russland ist KEIN Rechtsstaat. Es gibt keine Gewaltenteilung, keine Grundrechte und das Legalitätsprinzip ist ohne den Grundsatz von Treu und Glauben wertlos.

Putin macht was er will und enteignet jetzt Nestlé um noch Geld für seinen Krieg zusammenzukratzen.

Nestlé kann dagegen NICHTS machen.
In einem Rechtsstaat gibt es eine unabhängige Gerichtsbarkeit.
Und in Russland ist das Wort Putins das Wort Gottes, die Gerichte nur Marionetten.

Das hat nun dieser Konzern von seiner Gier.
20111
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ChriLu14
18.09.2026 12:16registriert Mai 2022
Wer in Entwicklungsländern und Wüstengebieten Wasser stiehlt, macht natürlich auch in Mordor Geschäfte.
Selbst schuld .

Kein Mitleid von mir ..
17825
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