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David Cameron tritt zurück: Feiner Pinkel hat sich verzockt

Dumm gelaufen: Die Rechnung ist für David Cameron nicht aufgegangen.
Dumm gelaufen: Die Rechnung ist für David Cameron nicht aufgegangen.Bild: AP Pool Reuters

Der feine Pinkel hat sich verzockt

Der britische Premierminister David Cameron hat mit dem Brexit die Quittung erhalten für sein verantwortungsloses Taktieren.
24.06.2016, 13:3024.06.2016, 13:30

David Cameron ist, was die Briten verächtlich einen «toff» nennen, ein feiner Pinkel. Diesen Titel verleihen vor allem die Arbeiter im Norden den Mitgliedern der Aristokratie im Süden und meinen damit Männer, die mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und von Kindermädchen erzogen wurden, die in exklusiven Privatschulen wie Eton die mittlere Reife und an Universitäten wie Oxford oder Cambridge ihren akademischen Grad erhalten haben.  

David Cameron mit seiner Nemesis Boris Johnson.
David Cameron mit seiner Nemesis Boris Johnson.
Bild: AP PA

Die Arbeiter der Midlands und des Nordens sind es auch, die Cameron seine wohl schmerzlichste Niederlage beigefügt haben. In Städten wie Birmingham oder Sunderland, Leeds oder Sheffield war die Zustimmung zum Brexit am höchsten, die Finanzmetropole London hingegen hat ihn abgelehnt.  

Die Tories sind im Norden unbeliebt

Die Ohrfeige der Working Class hat sich Cameron mehr als verdient. Er hat die Politik seiner Labour-Vorgänger Tony Blair und Gordon Brown wieder rückgängig gemacht. Diese hatten grosse Teile der Verwaltung in den Norden verlegt, um so den Verlust der Arbeitsplätze in der Industrie wenigstens teilweise zu kompensieren.

Generell sind die Konservativen, die Tories, im englischen Norden unbeliebt. Heute erinnert man sich noch daran, wie Maggie Thatcher die Gewerkschaften demoliert und gedemütigt hat.  

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Geblufft und verloren

David Cameron hat sich zudem auf ein politisches Pokerspiel eingelassen – und wurde für seinen Bluff bestraft. Das ging wie folgt: Im Vorfeld der Wahlen hatte er versprochen, sollte er gewinnen, dann würde er ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft durchführen. Er dachte dabei nicht im Traum daran, dass es je so weit kommen würde, denn er ging davon aus, dass er nur mit einem Partner weiterregieren, und dass dieser Partner seine Zustimmung zu diesem Referendum verweigern würde. Cameron ging es einzig darum, die EU-kritischen Hinterbänkler in seiner eigenen Partei ruhig zu stellen.

Zur allgemeinen Überraschung siegten die Tories bei den Wahlen deutlich. Cameron konnte ohne fremde Unterstützung an der Downing Street 10 bleiben. Jetzt aber musste er sein Referendums-Versprechen einlösen. Eiligst reiste er nach Brüssel, um einen neuen Deal mit der EU auszuhandeln. Viel mehr als ein paar symbolische Zugeständnisse und gute Wünsche schauten dabei nicht heraus.  

Am Schluss war Cameron nur noch peinlich

Nun aber sass Cameron definitiv in der Patsche. Er musste einen Deal verteidigen, der nichts wert war und sich für eine EU einsetzen, die er früher bekämpft und lächerlich gemacht hatte. Kein Mensch nahm ihm dies ab. Der Premierminister wirkte im Abstimmungskampf verloren, ja lächerlich.

Nach dem Ja zum Brexit war der Rücktritt unvermeidbar. Cameron kann sich höchstens damit trösten, dass sein wahrscheinlicher Nachfolger Boris Johnson ebenfalls ein «toff» ist, allerdings einer, der auch volkstümlich kann.

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