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Wirtschaft
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Griechenland als «failed state»: Ein Schrecken wie in der «Mad Max»-Welt.  Bild: EPA/ANA-MPA

Der amerikanische Albtraum: Griechenland wird ein «failed state» 

US-Präsident Barack Obama beschwört Angela Merkel, einen Grexit zu verhindern. Das NATO-Mitglied Griechenland ist im Begriff, ein unregierbarer Staat zu werden.



Griechenland sei Europas künftiger «failed state», warnte Lawrence Summers, der ehemalige US-Finanzminister und Harvard-Rektor, kürzlich in der «Financial Times». Jetzt ist es de facto so weit: Griechenland hat die Zahlung an den Internationalen Währungsfonds (IWF) eingestellt und ist damit Mitglied eines gruseligen Clubs geworden: Nur Zimbabwe, Sudan und Somalia haben bisher ihre Schulden beim IWF nicht beglichen.

epa04825946 Pensioners who do not own an ATM card line up to enter a bank branch to withdraw part of their pension as a result of capital controls imposed by the Greek government, in Athens, Greece, 01 July 2015. The Greek government on 30 June presented a last-minute proposal for a two-year agreement with the European Stability Mechanism (ESM) to fully cover its financing needs, combined with debt restructuring. 'From the first we made clear that the decision to call a referendum was not the end but the continuation of a negotiation seeking better terms for the Greek people,' an announcement from the office of Prime Minister Alexis Tsipras said.  EPA/ORESTIS PANAGIOTOU

Chaos vor einem Bankomaten in Athen. Bild: EPA/ANA-MPA

Ein «failed state», das bedeutet den Zusammenbruch der Zivilgesellschaft. Bankensystem, Gesundheitswesen, öffentliche Verwaltung und die Polizei stellen ihre Arbeit ein. Es ist auch denkbar, dass die Sieger dieser «Mad Max»-Welt die offen faschistische «Goldene Morgendämmerung»-Bewegung sein wird.

«Die Griechenland-Frage ist sehr wichtig. Ich habe mit meinen europäischen Amtskollegen gesprochen und sie aufgefordert, eine Lösung zu finden.»

US-Präsident Barack Obama

Selbst wenn es sich vorläufig nur um einen Zahlungsaufschub handelt, die symbolische Wirkung ist bereits jetzt dramatisch. Griechenland hat Mühe, Medikamente und Treibstoff zu importieren. Die geopolitischen Konsequenzen sind unabsehbar. Die Türe für Immigranten und Terroristen würde weit offen stehen. 

US-Ökonomen unterstützen Tsipras

Dieses Szenario hat auch das Weisse Haus aufgeschreckt. Gestern erklärte Präsident Barack Obama: «Die Griechenland-Frage ist sehr wichtig. Ich habe mit meinen europäischen Amtskollegen gesprochen und sie aufgefordert, eine Lösung zu finden.» 

Die Amerikaner fürchten beides, wirtschaftliches und politisches Chaos. Verschiedene hochrangige US-Ökonomen – darunter Joseph Stiglitz, Paul Krugman, Jeffrey Sachs und Barry Eichengreen – haben deshalb ebenfalls Appelle an die EU gerichtet und sie aufgefordert, einem Schuldenschnitt zuzustimmen. 

Ein Grexit würde zu Spannungen innerhalb der NATO führen

Sicherheitspolitisch steht ebenfalls viel auf dem Spiel. Griechenland ist NATO-Mitglied. Ein Grexit würde auch innerhalb des Militärbündnisses grosse Spannungen bewirken. Angesichts der nach wie vor ungelösten Krise in der Ukraine und der Erfolge des IS im Nahen Osten ein Albtraum. 

epa04824065 Lawrence H. Summers, ex Worldbank economic chairman, delivers a speech on the international financial problems during the Swiss International Finance Forum (SIFF), in Bern, Switzerland, 29 June 2015. The SIFF conference brings together decision-makers in politics and business, in the financial sector, at central banks and at supervisory authorities.  EPA/LUKAS LEHMANN

Lawrence Summers warnt vor einer Wiederholung der Fehler vor dem Ersten Weltkrieg. Bild: EPA/KEYSTONE

Die Situation in Griechenland verschärft sich derweil täglich. Der Beschluss der Europäischen Zentralbank, die Notkredite einzufrieren, kann dazu führen, dass bereits in den nächsten Tagen die vier grössten griechischen Banken zusammenkrachen könnten. Die Schlangen vor den Bankomaten werden deshalb immer länger, die Stimmung unter der Bevölkerung immer verzweifelter. 

Wie vor 100 Jahren?

Lawrence Summers zieht in seinem Artikel eine geschichtliche Parallel: «Historiker verstehen zwar, wie der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist, aber selbst nach 100 Jahren können sie nicht nachvollziehen, weshalb man das je zugelassen hat. Finanz-Historiker werden sich vielleicht dereinst ebenfalls wundern, wie Europa das Auseinanderbrechen seines Finanzsystems zugelassen hat.» 

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