Wirtschaft
International

Auf US-Einladung: Russischer Finanzminister bei G20-Treffen

Auf US-Einladung: Russischer Finanzminister bei G20-Treffen

31.08.2026, 19:5331.08.2026, 19:53

Der russische Finanzminister am Tisch, grosse US-Medien dagegen nicht zugelassen: Das Ministertreffen der G20-Gruppe führender Industrie- und Schwellenländer in den USA sorgt für Eklats. Und es lässt vermuten, dass mit US-Präsident Donald Trump als Gastgeber auch der Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Dezember in Miami zum diplomatischen Drahtseilakt werden könnte.

Russischer Finanzminister am Tisch

Zwei Tage lang wollen die Finanzminister der G20-Staaten in Asheville (North Carolina) diskutieren, wie sie die Wirtschaft wieder in Schwung bringen können. Erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs nimmt der russische Finanzminister Anton Siluanow vor Ort an der Runde teil. Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wertete das als «Versuch einer Normalisierung» durch Gastgeber USA.

In this photo provided by The State Duma, The Lower House of the Russian Parliament Press Service, Russian Finance Minister Anton Siluanov attends a session at the State Duma, the lower house of the R ...
Anton Siluanow.Bild: keystone

Er persönlich sehe gerade überhaupt keinen Grund für eine Entspannung oder Normalisierung des Verhältnisses, betonte der Vizekanzler. Man hätte den russischen Minister angesichts der Grauen des Kriegs nicht wie einen normalen Gast empfangen dürfen.

Zugleich jedoch machte Klingbeil deutlich: «Russland ist Teil der G20 und dann ist es gut, wenn man diese Dialogmöglichkeit auch hat und wenn es dort klare Worte gibt.» Es sei wichtig, in internen Gesprächen klare Botschaften zu setzen. Das habe er auch getan. «Manchmal sind mir diese Treffen zu diplomatisch und deswegen haben meine Worte vielleicht den einen oder die andere da im Raum gerade erschreckt», sagte er. Er habe Siluanow «direkt ins Gesicht gesagt, dass die russische Regierung diesen Krieg beenden muss, was die Konsequenzen dieses Krieges sind, dass wir deutlich an der Seite der Ukraine stehen».

epa13114819 German Vice Chancellor and Finance Minister Lars Klingbeil attends a Federal press conference to present an action plan to combat tax and financial crime, in Berlin, Germany, 16 July 2026. ...
Lars Klingbeil.Bild: keystone

Zuletzt hatte sich Siluanow im April 2022 per Video zum Treffen der Finanzminister zugeschaltet. Viele westliche Minister verliessen aus Protest den Raum, der damalige deutsche Finanzminister Christian Lindner dagegen blieb und antwortete mit der Gruppe der G7-Staaten auf die Rede des Russen.

Anders als der Finanzminister nimmt der russische Aussenminister Sergej Lawrow regelmässig an Treffen im G20-Kreis teil, zuletzt im Februar 2025 in Südafrika und 2024 in Brasilien.

Der grosse Gipfel in Miami

Bei den Ministertreffen wird der grosse Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Dezember in Miami vorbereitet. Sie lassen vermuten, dass die USA auch hier kein unproblematischer Gastgeber sein könnten.

Beim vergangenen Gipfel in Südafrika waren die Russen nicht auf höchster Ebene, sondern nur mit Kremlbeamten vertreten. Präsident Wladimir Putin nahm zuletzt 2019 an einem solchen internationalen Treffen teil.

Das könnte sich nun womöglich ändern: Trump äusserte sich zuletzt im April grundsätzlich positiv zu einer möglichen Teilnahme des russischen Präsidenten. «Wenn er käme, wäre es wahrscheinlich ziemlich hilfreich», sagte Trump. «Ich bin der Meinung, dass man mit jedem reden sollte.»

«Familienfoto» mit reduzierter Besetzung

Traditionell versammeln sich die Teilnehmer eines G20-Treffens auf einem «Familienfoto». So ein Bild zusammen mit dem russischen Finanzminister, das kam für Klingbeil aber nicht infrage. «Im Raum deutliche Kritik finden, im Raum auch miteinander streiten, im Raum die deutlichen Worte über diesen Krieg finden, aber ein Familienfoto wäre mir an der Stelle ein deutlicher Schritt zu weit gegangen», sagte er.

Bei den anderen europäischen G20-Staaten habe er sich für einen Boykott eingesetzt, hiess es. Wenn der russische Finanzminister auf dem Foto sein solle, werde man selbst nicht kommen. Der Druck habe Wirkung gezeigt: Schliesslich entstand ein Bild mit den Europäern, ohne russische Vertreter.

Pressevertreter nicht zugelassen

Nicht nur die Einladung des Russen, auch der Umgang der US-amerikanischen Gastgeber mit der Presse sorgte für Probleme: Zunächst sollten weder Journalisten der Nachrichtenagentur Bloomberg, noch der «New York Times» zur Berichterstattung über das Treffen zugelassen werden. Das deutsche Finanzministerium habe versucht, auf hoher diplomatischer Ebene bei der US-Regierung zu intervenieren, hiess es aus Delegationskreisen.

«Ich halte es für nicht akzeptabel, dass Journalisten oder ganze Redaktionen ausgeschlossen werden»

Schliesslich erhielt der Berliner Korrespondent der «New York Times» doch eine Akkreditierung. Mit Blick auf die Nachrichtenagentur Bloomberg blieben die Bemühungen aber erfolglos. Dieses Vorgehen gegenüber einer internationalen Nachrichtenagentur sei beispiellos und aus Sicht der Bundesregierung inakzeptabel, hiess es aus der Delegation. Klingbeil erklärte: «Ich halte es für nicht akzeptabel, dass Journalisten oder ganze Redaktionen ausgeschlossen werden. Das habe ich auch deutlich gemacht.» (hkl/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
12 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Jürg Aeschbach
31.08.2026 21:42registriert Mai 2018
Täglich bombardiert Russland die Ukrainische Zivilbevölkerung.
Terroristen und Kriegsverbrecher haben kein Anrecht auf einem Stuhl am G20 Gipfel !!!
Ich hoffe das da einige Politiker Rückgrad zeigen und gar nicht hingehen.
333
Melden
Zum Kommentar
avatar
Psychohirngrütze
31.08.2026 21:01registriert Mai 2025
Was will der ruzzische Finanzminister, möchte er jammern, das die Wirtschaft schlecht läuft! Es liegt ja am Kreml, dass unsere Wirtschaft langsam in eine Krise steuert. Und die USA laden den noch ein? Soll man nun Mitleid haben, mit Ruzzland! Ha Ha Ha. Was für eine verdrehte Welt!
303
Melden
Zum Kommentar
avatar
Reinhard51
31.08.2026 20:05registriert November 2025
Wer braucht den?
223
Melden
Zum Kommentar
12
Putin behauptet Fortschritte bei Vormarsch in der Ukraine
Im Krieg in der Ukraine kommen die russischen Truppen laut Darstellung von Kremlchef Wladimir Putin immer schneller voran. Russische Einheiten seien im Donezker Gebiet bis auf wenige Kilometer an die Städte Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka herangerückt, behauptete er in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek vor Vertretern staatlicher Medien. Die Stadt Swjatohirsk sei erneut unter russischer Kontrolle; und in Dobropillja gebe es bereits Strassenkämpfe.
Zur Story