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Sazan: die albanische Insel, die Trump-Schwiegersohn Kushner kaufte

epa13019714 Members of the Albanian community and "Flamingo Revolution" supporters protest against a proposed coastal resort project linked to Jared Kushner, son-in-law of US President Donal ...
Die Flamingo-Revolution richtet sich auch gegen die Regierung von Premierminister Rama.Bild: Keystone

Ivanka go home! Möglicher Verkauf von Mittelmeerinsel löst in Albanien Massenproteste aus

16.06.2026, 10:4516.06.2026, 10:45

Wenn man es genau nimmt, hat Albanien zwölf Inseln. Ausser Sazan und Kunë ist jedoch keine grösser als ein Quadratkilometer – und je nach Wasserstand hat Kunë sogar eine Landverbindung.

Wenn man es also nicht so genau nimmt, hat Albanien nur eine Insel: Sazan, neuerdings auch bekannt unter dem Namen Kushner Island – oder vielleicht fast noch schlimmer: Trump Island.

Der Stein des Anstosses: die Insel Sazan vis-à-vis von Zvernec.
Der Stein des Anstosses: die Insel Sazan vis-à-vis von Zvernec.Bild: Screenshot Google
Sazan liegt am strategisch wichtigen Eingang zur Adria.
Sazan liegt am strategisch wichtigen Eingang zur Adria.Bild: Screenshot Google

Das 5,7 Quadratkilometer grosse Eiland liegt vor Zvernec. Bis 1943 kontrollierte Benito Mussolini von hier aus mit einem Marinestützpunkt den Zugang zur Adria. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte es Diktator Enver Hoxha ebenfalls als Militärstützpunkt.

Verlassene Wohngebäude auf Sazan. Unter Hoxha gab es auf Sazan sogar ein Spital und eine Schule.
Verlassene Wohngebäude auf Sazan. Unter Hoxha gab es auf Sazan sogar ein Spital und eine Schule.Bild: Shutterstock

2024 wurde bekannt, dass Jared Kushner, Schwiegersohn von Donald Trump, und seine Ehefrau Ivanka dort ein Luxusresort mit Hotels, Villen, Appartements und einem Yachthafen bauen wollen. Kostenpunkt: 1,4 Milliarden Euro. Als Bauherrin geplant ist die Firma Atlantic Incubation Partners. Sie wird wiederum von Kushners Affinity Partners Fund getragen.

Aktuell ist Sazan unbewohnt, aber durchzogen von 16 Kilometer langen unterirdischen Gängen, zerfallenen Wohnhäusern und Dutzenden Bunkern. Schilder warnen vor alten Minen und nicht detonierten Granaten. In Gruppen können Touristen die Insel besuchen. Ansonsten gehört sie den Tieren – sie liegt mitten in einem wichtigen Meeresnaturschutzgebiet.

Der Hafen von Sazan, der bisher vorwiegend militärisch genutzt wurde.
Der Hafen von Sazan, der bisher vorwiegend militärisch genutzt wurde.Bild: Shutterstock

Auf dem Festland gleich gegenüber von Sazan, ebenfalls im Naturschutzgebiet, entsteht eine andere luxuriöse Ferienanlage. Dort wollen Investoren aus Katar für vier Milliarden Euro bauen – oder doch auch die Kushners? Die Informationen dazu sind so widersprüchlich wie undurchsichtig. Klar ist nur: Die schweren Maschinen befinden sich bereits vor Ort. Und es gibt einen Metallzaun, der den Einheimischen den Zugang zum Meer versperrt. Anwohner sprechen davon, gewaltsam von ihren Anwesen vertrieben worden zu sein. Das Investitionsvolumen hier? Je nach Quelle bis zu über vier Milliarden Euro.

Weil es um so schwindelerregende Summen geht, hat Atlantic Incubation Partners von der Regierung den Status «Strategischer Investor» erhalten. Damit lassen sich bürokratische Hürden schneller nehmen, damit erhalten die Investoren Rückhalt im Parlament. Diesen benötigen sie, denn in der Bevölkerung brodelt es. Zu undurchsichtig sind die Deals, die Zahlen, die Investoren. Die Bevölkerung befürchtet, dass die Regierung den ausländischen Geldgebern die Filetstücke der albanischen Küste verhökert – und dass wichtige Naturschutzgebiete zerstört werden.

Unberechtigt sind diese Befürchtungen nicht. Zwei Tage vor Ende 2024, kurz nach Donald Trumps Wahlerfolg gegen Kamala Harris und noch vor seiner Inauguration, erhält Jared Kushner von der albanischen Regierung die endgültige Bauerlaubnis. Ein schöner Deal für Trumps Schwiegersohn. Er wird länger in Erinnerung bleiben als eine Standrolex auf dem Schreibtisch. Ende 2025 heisst es in albanischen Medien, Sazan sei für 1,4 Milliarden Euro an die Investoren verkauft worden. Auch der britische Guardian titelt so – Premierminister Rama verneint den Verkauf indes. Sazan sei und bleibe öffentlicher Grund, erklärte er erst vor wenigen Tagen. An einem finalen Deal werde noch gearbeitet, doch die Insel stehe nicht zum Verkauf.

Der Hafen von Sazan.
Der Hafen von Sazan.Bild: Shutterstock

Zurück ans Festland und ins Naturschutzgebiet der Lagune von Narta. Wie immer, wenn es um viel Geld geht, will jeder ein Stück vom Kuchen. Das ist in Albanien nicht anders. Aber die Sache ist hier noch etwas komplizierter. Die Besitzverhältnisse vieler Landflächen sind umstritten. Dies, nachdem die Kommunisten nach dem Zweiten Weltkrieg diverse private Grundstücke beschlagnahmten. Viele Familien kämpfen noch heute darum, sie zurückzuerhalten. Auch an der Adriaküste und in der Region von Zvernec, wo die schweren Maschinen stehen. Die Regierung behauptet, das Gebiet sei Privateigentum. Doch in wessen Besitz?

Die Lagune von Narta mit Sazan im Hintergrund.
Die Lagune von Narta mit Sazan im Hintergrund.Bild: Wikimedia

Im Mai kommt es am Strand von Zvernec deshalb zu Demonstrationen. Die Prügelszenen zwischen der aufgebrachten Bevölkerung und Sicherheitsleuten, die Stacheldraht errichteten, gehen viral. Nun weiten sich die Demonstrationen auf die Hauptstadt Tirana aus.

Sicherheitsleute zerren einen Demonstranten über den Strand. Demonstranten werden mit Sicherheitszäunen vom Meer abgehalten.
Sicherheitsleute zerren einen Demonstranten über den Strand. Demonstranten werden mit Sicherheitszäunen vom Meer abgehalten.Bild: Screenshot X

Über 40 Gruppen fordern eine Pausierung der Projekte und eine Klärung der Fragen. Schilder mit «Ivanka go home» werden durch die Strassen getragen. Oder mit «Albanien steht nicht zum Verkauf!», «Sazar wird nicht Trumps nächste Epstein-Insel!».

Weil in beiden Gebieten Flamingos nisten, wird das Tier zum Markenzeichen der Demonstrationen, die sich längst aber auch gegen die Regierung richten. Tausende gehen mittlerweile auf die Strasse.

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Demonstration der Flamingo-Bewegung in Tirana am 9. Juni. Was klein begann, ist eine Massenbewegung geworden.Bild: Keystone

Das zeigt Wirkung. Das wirtschaftlich aufstrebende Land, der Tiger vom Balkan, ist um Rechtsstaatlichkeit bemüht. Die Sonderstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung hat Ermittlungen aufgenommen. Sie will klären, wie das System der öffentlichen Ausschreibungen umgangen werden konnte. Ausserdem steht eine Prüfung der Herkunft der Mittel im Raum.

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Unverbauter Traumstrand bei Zvernec – und Naturschutzgebiet. Hier soll das Megaresort für mehrere Milliarden Euro entstehen.Bild: Keystone

Trotzdem hält Premierminister Rama an beiden Projekten fest: «Es geht um Investitionen im Bereich von fünf Milliarden Euro», sagt er gegenüber Reuters. Und gegenüber dem «Guardian»: «Unser Land kann es sich nicht leisten, ein Geschenk wie Sazan ungenutzt zu lassen.» Er könne sich nicht nur um den Umweltschutz kümmern, sondern müsse auch an die Pensionskassen, die Schulen und die Krankengelder denken. 1000 Jobs sollen die Resorts schaffen – und Geld reicher Ausländer anziehen.

Die Gegner der Bauvorhaben kämpfen indes nicht nur mit lauteren Mitteln. Um Angst zu schüren, wird das Gerücht gestreut, dass hier Palästinenser angesiedelt werden sollen. Auf Social Media wimmelt es von gefälschten Videos mit israelfeindlichem Unterton. Ein krudes Durcheinander aus Naturschutz, Patriotismus und Falschmeldungen heizt die Stimmung an.

So stellt sich Jared Kushner das Ferienparadies in Zvernec vor.
So stellt sich Jared Kushner das Ferienparadies in Zvernec vor.Bild: Studio Genesis

«Wenn jemand eine Neuigkeit verkündet, bekommen alle Angst», sagte Kushner einst über das Projekt. Später veröffentlicht er auf X fast schon brutale Projektskizzen und giesst damit weiter Öl ins Feuer.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jared Kushner auf dem Balkan bauen will. In Belgrad hätte ein Trump Tower entstehen sollen. Im Weg stand das zerbombte Generalstabsgebäude der Armee. Es wird im Zentralregister für unbewegliches Kulturerbe von Serbien gelistet und gilt als Mahnmal für die NATO-Bombardements im Jahr 1999.

2025 strich die Regierung den Eintrag und ebnete damit den Weg für den luxuriösen Bau. Der Bevölkerung Belgrads stiess dies jedoch sauer auf und es kam zu Demonstrationen – und einer Untersuchung.

In der Folge wurden der serbische Kulturminister und der Direktor des Zentralregisters für unbewegliches Kulturerbe wegen Urkundenfälschung verhaftet und später verurteilt. Der Trump-Tower-Belgrad ist damit Geschichte – und Kushner kann sich auf seine Projekte in Albanien konzentrieren. Die Proteste dort werden weitergehen. Und die Untersuchung auch.

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Maria sem vergonha
16.06.2026 11:12registriert Juni 2024
Gewisse Politiker und Minister verkaufen nicht nur ihre Grossmütter und Mütter, sondern gleich noch die eigenen Töchter und Söhne und bieten die Ehefrauen mit dazu.
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Dr. Rodney McKay
16.06.2026 11:18registriert September 2024
Fragwürdig ist in diesem Fall vor allem das Vorgehen der Regierung die dieses Projekt wie es scheint bewilligt hat obwohl es viele offene fragen gibt...
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goodbunny
16.06.2026 11:01registriert Februar 2026
Das wird sehr aufschlussreich werden. Im Kern geht es doch um eine Richtungsentscheidung. Wird die Rama-Regierung den EU-Beitritt priorisieren und das Projekt fallenlassen oder lieber mit den Trumps anbandeln? Klassischer Trade-off - beides wird kaum machbar sein.
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