Frankreich erhebt Umweltsteuer auf Fast Fashion – das ist die Lage in der Schweiz
Seit dem 1. September ist das neue Gesetz in Frankreich in Kraft. Hersteller von Ultra-Fast-Fashion-Unternehmen wie Shein, Temu oder Alibaba zahlen nun in Frankreich neu eine Umwelt- und Verpackungssteuer. Zu tun hat das Ganze mit dem Ökoscore des betreffenden Artikels. Bei einem T-Shirt sind das bis zu 2 Euro, bei einer Jacke bis zu zwölf Euro, schreibt das SRF. Der Ökoscore wird mittels fünf Kriterien festgelegt: Sortimentsbreite, durchschnittliche Vermarktungsdauer, Material, Anreize zur Reparatur und Transparenz.
Das zusätzliche Geld fliesst in Frankreich in Recycling und Reparatur von Mode sowie die Unterstützung von ökologisch produzierenden Marken ein. Ab Januar 2027 kommt zudem noch das Werbeverbot für Ultra-Fast-Fashion dazu.
Gründe für das neue Gesetz
Grund für das Gesetz ist die hohe Umweltbelastung durch die Textilindustrie und vor allem durch Fast-Fashion-Riesen. Global gesehen trägt die Fashion-Branche ein Zehntel zu den Treibhausgasemissionen bei. Ohne betreffende Massnahmen würde dies in Zukunft noch mehr werden.
Shein alleine stellt jeden Tag fast 7000 neue Artikel online. Neben der Masse könnte die Kleidung durch chemische Stoffe zudem gesundheitsschädlich sein. Und auch die schlechten Arbeitsbedingungen der Angestellten der betreffenden Unternehmen werden kritisiert.
Kritik aus China
In China wird das neue Gesetz scharf kritisiert und es ist von Diskriminierung die Rede. Die Abgeordnete Anne-Cécile Violland, die für das Gesetz verantwortlich ist, hat es nicht primär auf chinesische Produkte abgesehen. Jedoch komme Ultra-Fast-Fashion häufig aus asiatischen Ländern. «Die Strafen werden nicht nach Herkunftsland berechnet, sondern basieren auf der Umweltbelastung. Durch die Art, wie sie in China hergestellt werden, bekommen diese Artikel eine deutlich höhere Bewertung, und damit auch eine höhere Strafe», heisst es von ihr.
Auch in Frankreich sind nicht alle zufrieden mit der Situation. Viele denken, das Gesetz sollte auch europäische Fast-Fashion-Unternehmen wie Primark oder Zara betreffen, da viele die gleichen Fabrikate beherbergen.
So ist die Lage in der Schweiz
Die Schweiz hat derzeit kein mit Frankreich vergleichbares Gesetz, das Fast Fashion reglementiert. Es gibt zwar verschiedene Massnahmen und politische Vorstösse, diese setzen aber bislang vor allem bei Recycling, Kreislaufwirtschaft und freiwilligen Branchenlösungen an.
In der Schweiz werden auch wegen chinesischer Fashion-Unternehmen wie Shein und Temu jährlich 100'000 Tonnen Textilien als Abfall verbrannt oder exportiert, heisst es vom Konsumentenschutz und von Public Eye. Sie und andere Organisationen fordern deswegen Gesetze, dass Unternehmen, die Wegwerfartikel verkaufen, verpflichtet werden, die Kosten für die dadurch verursachten sozialen und ökologischen Schäden zu übernehmen. Auch nachhaltigere Mode in der Schweiz soll gefördert werden. Ein konkretes Anti-Fast-Fashion-Gesetz gibt es bis jetzt aber nicht.
Der Bundesrat anerkannte zwar die durch Fast Fashion verursachten Probleme und erwähnte auch die Möglichkeit einer Steuer auf das Kleider-Recycling, sah bislang aber von solchen Massnahmen ab.
(kek)
