SpaceX übertrifft mit Quartalszahlen die Erwartungen deutlich – Aktie sinkt trotzdem
An wagemutigen Aussagen hat es Elon Musk noch nie gefehlt: Jetzt stellt der Tech-Milliardär für seine Weltraum- und KI-Firma SpaceX die Marke von einer Billion Dollar Jahresumsatz in Aussicht. Man rechne damit nun für 2030, ein Jahr früher als zuvor, sagte Musk in einer Telefonkonferenz mit Analysten.
Auch bekräftigte Musk Pläne, Rechenzentren in die Umlaufbahn zu bringen und über den Satelliten-Internetdienst Starlink grossen Telekommunikations-Anbietern Konkurrenz zu machen. Die Wall Street kaufte Musk die grossen Versprechen diesmal nicht ab: Die SpaceX-Aktie fiel im nachbörslichen US-Handel um mehr als sieben Prozent.
SpaceX ist aktuell von der Billionen-Umsatzmarke meilenweit entfernt. So gab es im vergangenen Quartal Erlöse von 7,8 Milliarden Dollar – nach einem Zuwachs von 92 Prozent im Jahresvergleich. Damit übertraf SpaceX die Erwartungen von Analysten deutlich, die im Schnitt eher mit 6,9 Milliarden Dollar gerechnet hatten.
Musk zufolge soll das explosive Wachstum vor allem aus dem Geschäft mit Künstlicher Intelligenz kommen. Im vergangenen Quartal machte die KI-Sparte 2,56 Milliarden Dollar Umsatz – und investierte 15,8 Milliarden Dollar vor allem in den Ausbau von Rechenzentren.
Derzeit kommt der Billionen-Marke beim Umsatz der Handels- und Cloud-Riese Amazon am nächsten, der im vergangenen Jahr Erlöse von knapp 717 Milliarden Dollar erzielte.
Geldbringer Starlink
Aktuell ist Starlink der zentrale Geldbringer von SpaceX. Im vergangenen Quartal wuchsen die Erlöse im Jahresvergleich um fast zwei Drittel auf rund 4,3 Milliarden Dollar. Auf Musks Internet aus dem All greifen unter anderem mehr Fluggesellschaften zurück. Das operative Ergebnis legte um 80 Prozent auf rund 1,66 Milliarden Dollar zu. Die Zahl der Starlink-Kunden wuchs binnen drei Monaten von 10,3 auf 12 Millionen.
Top-Managerin Gwynne Shotwell, die für das operative Geschäft zuständig ist, zeigte sich überzeugt, dass Starlink mit neuen leistungsstärkeren Satelliten den grossen Mobilfunk-Anbietern Kunden abjagen könne. Der Dienst werde besser sein, äusserte sie sich zuversichtlich. Unter anderem könne man mit Satelliten die heutigen Bereiche ohne Mobilfunk-Internet abdecken. Das ist in einem so grossen Land wie die USA ein reales Problem.
Hoffnungsträger Starship
SpaceX wurde in den vergangenen Jahren unverzichtbar für das US-Raumfahrtprogramm. Mit der aktuellen Rakete Falcon 9 befördere man jährlich rund 2500 Tonnen Nutzlast ins All, rechnete Musk vor.
Eine zentrale Säule von Musks Zukunftsvision ist die Riesen-Rakete Starship, die aktuell noch Testflüge absolviert. Damit peile SpaceX die Marke von einer Million Tonnen jährlich und «potenziell zehn Millionen Tonnen» an, sagte er. «Wahrscheinlich» in einem Jahr werde man Starship «mindestens einmal pro Tag» starten sehen – und möglicherweise öfter. Beim Elektroautobauer Tesla, den Musk ebenfalls führt, verstrichen von ihm gesetzte Fristen oft, etwa für autonomes Fahren und neue Modelle.
Unterm Strich waren die Ausgaben für Starship und den KI-Ausbau höher als die von Starlink erwirtschafteten Gewinne. SpaceX schloss das Quartal mit einem Verlust von 541 Millionen Dollar ab, nach einem Minus von rund einer Milliarde Dollar ein Jahr zuvor.
Auf und Ab für Aktie
SpaceX war Mitte Juni mit einem Rekorderlös von 75 Milliarden Dollar an die Börse gegangen. Mit dem Ausgabepreis von 135 Dollar gab sich Musks Unternehmen zum Debüt eine Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar. Das stand in krassem Kontrast zum aktuellen Geschäft – aber SpaceX rechtfertigte die Bewertung mit grossen Plänen bei Künstlicher Intelligenz.
In den ersten Wochen nach dem Börsengang stieg der Kurs – angetrieben unter anderem vom Interesse von Privatanlegern – bis auf gut 225 Dollar. Inzwischen fiel die Aktie unter den Ausgabepreis und ging am Dienstag bei rund 125 Dollar. In einer ersten Reaktion gab es im nachbörslichen Handel einen Kursrückgang von bis zu acht Prozent – allerdings, nachdem sie sich am Montag und Dienstag deutlich erholt hatte.
Laut Financial Times war es insbesondere die Ankündigung der unerwartet hohen Investitionen in KI, welche die Anlegerinnen und Investoren aufschreckte. Das Unternehmen verkündete fürs vergangene Quartal Investitionsausgaben in Höhe von fast 16 Milliarden US-Dollar für KI – doppelt so viel wie im Vorquartal und deutlich über den Erwartungen der Wall Street. SpaceX erklärte zudem, die Ausgaben würden mindestens zwei weitere Quartale lang auf dem aktuellen Niveau bleiben.
Am Donnerstag läuft zudem die Haltefrist für weitere Aktien von Firmeninsidern und frühen Investoren aus, die dann in den Handel kommen könnten. Ein höheres Angebot könnte bei gleichbleibender Nachfrage zu niedrigeren Kursen führen.
Spekulationen, Musk könnte Tesla von SpaceX übernehmen lassen, waren in der Analystenkonferenz kein Thema. (sda/awp/dpa) (lak/sda)
