Wieso die Preise für Lindt-Schokolade jetzt purzeln
Wer im Supermarkt zur günstigeren Schokolade greifen will, dürfte nicht unbedingt zuerst an Lindt denken. Doch ein genauer Blick auf das Preisschild kann sich derzeit lohnen: Lindt-Schokolade wird zurzeit auffallend oft zu Aktionspreisen angeboten. Dies sei eine nötige Rabattstrategie des Unternehmens, um Kundinnen und Kunden zurückzuholen, wie Lindt-&-Sprüngli-Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner im Interview mit der NZZ am Sonntag erklärt. «Es tut mir weh, unsere Produkte im Ausverkauf zu sehen», meint er. Einigen Konsumenten wurden die Produkte aber «offensichtlich zu teuer».
Betroffen sind grösstenteils die Schweiz und Deutschland. Gemäss Tanner habe der Konzern die Zahlungsbereitschaft der Kundschaft in diesen Ländern überschätzt. Markttests die aussagten, dass Konsumentinnen und Konsumenten für eine Packung Lindor-Kugeln statt 9.95 auch 12.95 Euro bezahlen würden, hätten sich in der Realität nicht bestätigen können.
Eine 337-Gramm-Packung Lindor-Kugeln gibt es beispielsweise bei Lidl als Aktion für 9.99 Franken. Bei Aldi kosten 200 Gramm 6.49 Franken. Und auch die Tafeln wurden teils günstiger. Bei einigen Händlern in Deutschland kostet eine Vollmilchtafel des Schokoladenherstellers weniger als die von Milka.
«Die schönste Preissenkung des Jahres»
Auch bei seinen Schokoweihnachtsmännern setzt Lindt inzwischen auf eine Botschaft, die vor allem preisbewusste Kunden ansprechen dürfte: «Die schönste Preissenkung des Jahres» lautet der Werbeslogan.
Auf seiner Internetseite fordert der Hersteller zudem ausdrücklich zum Preisvergleich auf: «Vergleichen Sie die Preise – es lohnt sich besonders». Gerade bei unterschiedlichen Packungsgrössen ist der Grundpreis pro 100 Gramm oder Kilogramm aussagekräftiger als der Betrag auf dem einzelnen Preisschild.
Bereits im Sommer kündigte Lindt an, den Preis für einige Weihnachtsprodukte zu senken, etwa den Lindt-Weihnachtsmann mit 70 Gramm. Nun wirbt der Schokoladenhersteller mit einer ganzen Reihe von günstigeren Produkten im Vergleich zum letzten Jahr, etwa Adventskalendern und vielen weiteren Schokoweihnachtsmännern.
Hohe Preise bremsen den Schokoladenkauf
Hinter den Preissenkungen steht ein schwieriges Geschäftsjahr. Viele Verbraucher reagieren empfindlich auf die gestiegenen Schokoladenpreise und kaufen weniger. Zusätzlich belastete die sommerliche Hitze in Europa das Geschäft.
Lindt & Sprüngli musste deshalb seine Umsatzprognose mehrfach senken. Für 2026 erwartet der Konzern inzwischen nur noch ein organisches Wachstum von null bis zwei Prozent. Mit niedrigeren Preisen für einzelne Produkte und Rabattaktionen versucht das Unternehmen gegenzusteuern.
Die Absatzprobleme haben auch Folgen für die Führung: Konzernchef Adalbert Lechner musste gehen. Der frühere Chef Dieter Weisskopf übernimmt vorübergehend. Auch die Leitung des Deutschlandgeschäfts wird neu besetzt.
(kek)

