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Corona im Flugzeug: So gross ist das Risiko einer Ansteckung

Spezialisten desinfizieren die Kabine nach jedem Flug.
Spezialisten desinfizieren die Kabine nach jedem Flug. bild: Shutterstock

47 Passagiere nach Flug infiziert: So gross ist das Corona-Risiko im Flugzeug wirklich

Ein Rekord der indischen Airline Vistara sorgt für Stirnrunzeln. 47 Passagiere wurden nach einem Flug nach Hongkong positiv getestet. Studien zeigen, wie es zu früheren Ausbrüchen in Fliegern kommen kann. Der Swiss sind keine Ansteckungen bekannt.
21.04.2021, 05:4121.04.2021, 13:32
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Der Fall lässt Flugreisende rund um den Globus aufhorchen: Nach einem fünfstündigen Nachtflug von Neu-Delhi nach Hongkong wurden bei 47 Passagieren des Vistara-Fluges UK6935 Corona-Infektionen festgestellt. Nie zuvor haben sich gleichzeitig so viele Menschen über den Wolken mit Corona infiziert.

72 Stunden vor Reiseantritt (4. April 2021) waren sie noch negativ getestet worden. Möglicherweise hatte sich mindestens einer der Passagiere im Zeitraum zwischen negativem Test und Reiseantritt angesteckt und das Virus auf dem Flug an die anderen Passagiere weitergegeben.

Diese Grafik zeigt, dass viele der infizierten Personen (rote Punkte) nebeneinander sassen:

Der Vorfall in Asien wirft mit Blick auf die Sommerferien erneut die Frage auf: Wie gefährlich ist Fliegen in Zeiten von Corona? Airlines beteuern stets, dass auf Flügen das Risiko von Corona-Infektionen sehr gering sei. Die leistungsfähigen Filter würden die Luft wie in einem Operationssaal reinigen.

«Die Luft in unseren Flugzeugen zirkuliert vertikal und wird daher nicht in der Kabine verteilt», sagt Swiss-Sprecher Michael Stief zu watson.

«Die Luft in unseren Flugzeugen zirkuliert vertikal und wird daher nicht in der Kabine verteilt.»
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Trotz Maskenpflicht kommt es über den Wolken zu Corona-Ansteckungen.
Trotz Maskenpflicht kommt es über den Wolken zu Corona-Ansteckungen. bild: Shutterstock

Schweizer infizierte auf Neuseeland-Flug mehrere Menschen

Der Vistara-Flug ist nicht der erste Superspreader-Fall seit Beginn der Corona-Pandemie. Am 28. September 2020 steckte ein Schweizer auf einem 18-stündigen Emirates-Flug von Dubai nach Auckland (Neuseeland) sieben weitere Passagiere an – trotz Maskenpflicht und negativem Coronatest.

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Die Ereignisse wurden in einer Studie untersucht. Hinweise auf die Infektionswege fanden die Forscher durch genetische Fingerabdrücke der gefundenen Viren. Alle infizierten Fluggäste sassen wie beim Vistara-Flug nah beisammen: maximal zwei Reihen vor oder hinter dem Schweizer Pärchen. Der Luftfahrtverband IATA relativierte die Bedeutung der Studie damals. Das Risiko einer Corona-Ansteckung während eines Fluges sei extrem gering, hiess es.

Experten sehen die Beteuerungen der Airline-Branche kritisch. Yan Chen ist Professor für Maschinenbau an der Purdue University in den USA und Experte für Belüftungssysteme. Gegenüber der NZZ sagte er:

«Es stimmt, dass der Luftaustausch in der Kabine innerhalb einer sehr kurzen Zeit stattfindet. Die Luftfahrtindustrie spricht gerne von zwei bis drei Minuten. Unsere Berechnungen zeigen, dass es ungefähr vier Minuten sind. Innerhalb dieser vier Minuten bewegen sich viele Partikel, die Ihr Sitznachbar ausgeatmet hat, in der Luft, und sie werden auch in Ihre Atemzone kommen. Sie werden also auch dieses Virus einatmen und sich infizieren.»

Spreader zogen Maske für Nickerchen ab

Schutzkonzepte greifen über den Wolken. Das Problem: Während eines Langstreckenfluges ist es kaum realistisch, dass die Leute immer eine Maske tragen.

Laut der Studie gaben beide Passagiere aus der Schweiz an, nicht nur während des Essens, sondern auch zum Schlafen die Masken abgenommen zu haben. Eine Person war aber offenbar hoch ansteckend und infizierte die anderen Passagiere. Das Fazit der Untersuchung: Trotz allen Hygienemassnahmen gibt es besonders auf Langstreckenflügen ein Restrisiko, sich mit Corona anzustecken.

Corona-Ansteckungen im Flugzeug sind dennoch selten. Wie die IATA November 2020 berichtet, habe man seit Beginn 2020 nur 44 bestätigte Fälle registriert, die auf einen Flug zurückgeführt werden konnten. Während dieser Zeit seien insgesamt 1.2 Milliarden Menschen geflogen. Das bedeutet, dass sich gerade mal einer von 27 Millionen Passagieren mit dem Coronavirus ansteckte. Die Dunkelziffer dürfte aber gross sein.

«Der Swiss sind keine Fälle von Ansteckungen an Bord bekannt.»
Michael Stief, Swiss-Sprecher

In der Schweiz sind bislang keine Infektionen in Flugzeugen publik geworden: «Der Swiss sind keine Fälle von Ansteckungen an Bord bekannt», sagt Sprecher Michael Stief zu watson.

Freier Mittelsitz verringert Risiko
Nach Ausbruch der Corona-Pandemie verzichteten viele Airlines, in den Flugzeugen den Mittelsitz zu belegen. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde dies inzwischen aufgehoben. Eine weitere Studie hat ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit, an Bord eines Flugzeugs mit dem Virus in Kontakt zu kommen, um bis zu 57 Prozent verringert werden könne, wenn die mittleren Sitzplätze frei bleiben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der US-Seuchenschutzbehörde CDC. Ein Fluggast, der in derselben Reihe, aber mit einem Platz Abstand zu einem coronapositiven Passagier sitzt, soll demnach ein 23 Prozent geringeres Infektionsrisiko haben. Auf einem Abschnitt von drei Reihen, die mit positiv und negativ getesteten Personen besetzt sind, sinke das Ansteckungsrisiko um 57 Prozent, wenn die Mittelsitze frei bleiben, so die Studie. Für Fluggesellschaften allerdings sei es unwirtschaftlich, mit geringer Auslastung zu fliegen.

(amü)

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87 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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deepsprings
21.04.2021 07:13registriert Februar 2015
Den Satz "Das Risiko einer Corona-Ansteckung während eines Fluges sei extrem gering" kann ich langsam etwa genau so wenig hören wie "Wir beobachten die Situation laufend"...
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-C-
21.04.2021 06:54registriert Februar 2016
Menschen atmen UND tragen Ihre Maske nicht korrekt?
Davon konnte man aber echt nicht ausgehen..
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Yolo
21.04.2021 06:02registriert Mai 2015
Oh nein. Ich bin ja so total überrascht. Das kam jetzt aber vollkommen unerwartet, obwohl alle äusserst besorgt die Lage beobachteten. Würkli, eine Ansteckung in einem Inkubhätte keiner erahnen können.
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