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Schweiz

Kaufkraftkrise und Nachholbedarf: Gewerkschaftsbund fordert höhere Löhne

Eine Person zieht waehrend des Marktes auf dem Hevetiaplatz in Zuerich Schweizer Muenze aus ihrem Portemonnaie, fotografiert am Freitag, 16. Februar 2024. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Der Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) bezeichnet Lohnerhöhungen im Bereich zwischen 2 und 3 Prozent als angebracht.Bild: KEYSTONE

«Kaufkraft-Krise» und Nachholbedarf: Gewerkschaftsbund fordert höhere Löhne

10.09.2026, 13:0910.09.2026, 13:09

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert für 2027 generelle Lohnerhöhungen von 2,5 Prozent. Die Gewerkschaften begründen die Forderung mit einer schwachen Lohnentwicklung im letzten Jahrzehnt und der verbesserten Konjunktur.

Vor diesem Hintergrund müsse es auch bei den Arbeitnehmenden aufwärts gehen, sagte SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard am Donnerstag an einer Medienkonferenz. Höhere Löhne seien auch notwendig, um die Kaufkraft zu verteidigen.

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SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard.Bild: keystone

Eigentlich müssten die Löhne heute 500 Franken höher sein

In der Schweiz sehe man sich einer Kaufkraft-Krise gegenüber. Immer mehr Familien könnten angesichts der aufgelaufenen Teuerung und der stetig steigenden Krankenkassenprämien kein Geld mehr zur Seite legen, so Maillard. Löhne seien also letztlich nicht nur eine gewerkschaftliche und wirtschaftliche, sondern eine gesellschaftliche Frage.

Seit Jahren hinkten die Reallöhne der Produktivität hinterher, sagte SGB-Ökonom und Zentralsekretär David Gallusser. Wäre der mittlere Lohn entsprechend mitgewachsen, müsste er heute monatlich um fast 500 Franken höher liegen.

Lohn reicht nicht mehr für die Krankenkassenprämien

Als besonders problematisch bezeichnete Gallusser den hohen Anteil im Tieflohnbereich von unter 5000 oder gar weniger als 4500 Franken monatlich. Das betreffe auch Arbeitnehmende mit abgeschlossener Berufslehre und nicht nur Neueinsteiger, sondern auch ältere Arbeitnehmende.

Angesichts der durchschnittlichen Krankenkassenprämie für Erwachsene von 5600 Franken im Jahr reiche für mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden ein Monatslohn für deren Begleichung nicht aus, so der Ökonom.

Gallusser begründete die Forderung nach 2,5 Prozent mehr Lohn mit einer Rechnung: Ein Plus um 0,6 Prozent sei nötig, um die Teuerung auszugleichen und 0,3 Prozent mehr Lohn, um den Anstieg der Krankenkassenprämien abzufedern. 1 Prozent mehr Lohn begründete er mit der erhöhten Produktivität der Arbeitnehmenden. Und zusätzliche Erhöhungen seien angebracht, um einen Teil des Nachholbedarfs aus den letzten zehn Jahren zu decken. Und schliesslich gelte es, Tiefstlöhne von unter 4500 Franken anzuheben.

2 von 5 Frauen verdienen weniger als 5000 Franken im Monat

SGB-Vizepräsidentin und Unia-Präsidentin Vania Alleva verdeutlichte, dass jeder dritte Monatslohn in der Schweiz unter 5000 Franken liege. Bei den Frauen seien es gar 40 Prozent. Wer einen Lehrabschluss habe, müsse mindestens 5000 Franken im Monat verdienen, so die Forderung des SGB.

In vielen Branchen befänden sich die Löhne real auf dem Niveau von 2016 oder gar darunter, sagte sie weiter. Besonders treffe dies auf das Gastgewerbe, das Gesundheitswesen, auf Teile der Industrie sowie auf den Bau und den Detailhandel zu. Angesagt sei generell 2,5 Prozent mehr Lohn, so Alleva. Die Unia werde diese Forderungen in die aktuellen Gesamtarbeits- und Landelsmantelverträge einbringen.

Nicht Gier, sondern Nachholbedarf

Lohnerhöhungen im Bereich zwischen 2 und 3 Prozent bezeichnete Matthias Hartwich, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), für angebracht. Beim Verkehrspersonal gebe es aber keine zentrale Lohnforderung für alle Unternehmungen.

Das Personal trage viel zur Effizienzsteigerung bei den Verkehrsbetrieben bei, so Hartwich. Die geforderten Lohnerhöhungen seien als nicht Ausdruck von Gier, sonder entsprächen einem Nachholbedarf. (dab/sda)

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