Wirtschaft
Schweiz

Test: Schweizer Markenartikel gibt es in Deutschland meist günstiger

Tests zeigen: Schweizer Markenartikel gibt es in Deutschland meist günstiger

Ausländische Hersteller und Händler schöpfen gezielt die höhere Kaufkraft in der Schweiz ab, lautet die häufige Kritik. Doch wie sieht es bei Schweizer Markenherstellern aus, die ihre Produkte auch ins Ausland exportieren?
17.08.2019, 21:2417.08.2019, 21:24
Gabriela Jordan / CH Media
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Chris Iseli/chmedia

Die Schweiz am Wochenende hat getestet, wie gross der Preisunterschied bei ausgewählten Schweizer Produkten in Deutschland und in der Schweiz ist. Die Testkäufe bei Coop, der zu Edeka gehörenden Einzelhandelskette Hieber, der Drogerie Müller oder den jeweiligen Webshops zeigen, dass es die Produkte in Deutschland tatsächlich meist günstiger als in der Schweiz zu kaufen gibt.

Eine Zahnbürste von Curaprox kostet zum Beispiel 23.8 Prozent mehr, die Pralinés du Confiseur von Lindt & Sprüngli sind 14.7 Prozent teurer, die Paprika Chips von Zweifel 19.6 Prozent und für einen Caffè Latte Cappuccino von Emmi muss man sogar 73.8 Prozent mehr hinblättern. Höhere Preise bezahlt man auch für Produkte von Weleda, Ricola und Thomy, günstiger sind teilweise Produkte von Kambly, Victorinox und Caran D’Ache (siehe Tabelle unten).

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Auf die Preisunterschiede angesprochen, hört man bei sämtlichen Herstellern den gleichen Tenor: Die Differenz kommt nicht ihnen zugute, sondern ist auf höhere Produktionskosten in der Schweiz zurückzuführen. Nebst Kosten für Rohstoffe, Löhne, Miete und Logistik würden etwa auch Marketing- und Promotionskosten hinzukommen. Darüber hinaus, betonen die Hersteller, wird der Verkaufspreis und somit die Marge durch den Handelspartner definiert. Die Detailhändler würden jeweils eigene Preispositionierungen verfolgen.

Grosse Unterschiede gibt es auch innerhalb eines Landes

Zu Letzterem äussert sich beispielsweise Lindt & Sprüngli: «Als Hersteller geben wir lediglich einen Richtpreis als Empfehlung für den Detailhandel ab, der auch die Premiumpositionierung der Produkte abbildet. Die tatsächliche Preisgestaltung obliegt dem Handelspartner.» Die meisten Lindt-Produkte, die auf dem deutschen, französischen oder italienischen Markt angeboten werden, würden zudem in lokalen Werken in Deutschland und Frankreich produziert – und somit zu entsprechend tieferen Kosten.

Auch Weleda verweist auf die sogenannte unverbindliche Preisempfehlung. Seit 2011 habe Weleda gegenüber dem Handel sogar zwei Preissenkungen vorgenommen. Emmi spricht ausserdem die grosse Preisdifferenz innerhalb eines Landes an, etwa durch günstigere Discounter und teurere Tankstellenshops, und versichert: «Die Preisdifferenz landet nicht in den Taschen von Emmi.»

Der Hersteller Zweifel schreibt, dass er Geschäftspartner im Ausland gegenüber Schweizer Geschäftspartner nicht bevorzuge. Er bekenne sich zum Produktionsstandort Schweiz und beziehe die Rohstoffe wenn immer möglich von hier. Kambly, das Werke in der EU und in der Schweiz hat, weist in diesem Zusammenhang auf die Importzölle auf Waren mit Agrar-Rohstoffen hin.

Diese dienen dem Schutz der schweizerischen Landwirtschaft und führen dazu, dass zum Beispiel Milch, Butter oder Mehl auf das hiesige Rohstoffpreisniveau heraufbesteuert werden. Das schlage sich schliesslich im Verkaufspreis der Kambly-Produkte nieder.

Nicht von Agrarzöllen betroffen sind Victorinox und Caran D’Ache. Sie bieten ihre Produkte nach eigenen Aussagen in der Schweiz im Allgemeinen leicht niedriger als im Ausland an. Beide nennen als Grund, dass sie ihre Ware in der Schweiz direkt verkaufen können, während sie im Ausland von Distributoren abhängig sind.

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