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Tamedia entlässt seine Marken – und Google profitiert

Kommentar

Tamedia entlässt seine Marken – und Google profitiert

41 Mitarbeitende müssen bei Tamedia gehen. Einige von ihnen haben sich längst eine eigene Reichweite aufgebaut. Davon könnten nun ausgerechnet die Tech-Konzerne profitieren.
23.10.2026, 20:2423.10.2026, 20:24
Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser

«Mich hat es auch erwischt.» Diesen Satz vernahm man in den vergangenen Tagen mehrfach von «Tages-Anzeiger»-Journalisten auf den sozialen Medien. 41 Mitarbeitende hat Tamedia diese Woche entlassen. Bemerkenswert ist, wie offenherzig einige mit ihrer Kündigung umgehen. So schreibt etwa die entlassene Literaturchefin Nora Zukker auf Instagram: «Einerseits bin ich fassungslos und andererseits überrascht es mich dann doch nicht so sehr.» Die Kündigung erfolge aus wirtschaftlichen Gründen, die Kultur werde weggespart.

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Bald arbeiten 41 Menschen weniger bei Tamedia.Bild: keystone

Nora Zukker, zweimal zur Kulturjournalistin des Jahres gewählt, war eine Marke für den «Tages-Anzeiger». Ebenso der Tech-Journalist Rafael Zeier, der seine Entlassung in einem Video auf Youtube publik machte. Ohne Groll auf den Konzern erzählt er nüchtern, wie er am Vortag Tamedia-CEO Jessica Peppel-Schulz noch das neue iPhone gezeigt und mit ihr gelacht habe. Einen Tag später musste er zum Entlassungsgespräch.

Auch Zeier war eine Marke für den «Tages-Anzeiger». Auf seinem Youtube-Kanal, auf dem er die neuesten Gadgets testet, folgen ihm 145’000 Menschen. Dort hat er auch sein Kündigungsvideo gepostet. Über 450’000 Mal wurde es bereits angeschaut – und über 2000 Nutzer haben Kommentare hinterlassen. Manch einer wirft ihm vor, seine Kündigung zu nutzen, um den eigenen Kanal zu promoten. Dabei seien ihm, bald ohne festen Job, ein paar neue Follower gegönnt.

Es zeigt sich eine Ironie des Mediensystems: Jungen Journalistinnen und Journalisten wird empfohlen, die Möglichkeiten von Web und Social Media zu nutzen und sich als eigene Marke zu etablieren. Vor einer Kündigung schützt sie das offenbar nicht. Machen sie danach als eigene Marke weiter, ist es auch mit Zehntausenden Followern kaum möglich, damit einigermassen über die Runden zu kommen. Ohnehin begeben sie sich – zusammen mit ihrem Publikum, das vielleicht aus Solidarität sogar sein Zeitungsabo kündigt – in die Arme von Google, Meta und Co.

So stärkt der wirtschaftliche Spardruck, unter dem die Verlage stehen, ausgerechnet jene, die ihn mitverursacht haben: die Tech-Konzerne, die den Zeitungen einen grossen Teil der Werbeeinnahmen abgegraben haben. (schweizheute.ch)

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