Nächster Knall bei Denner: Jetzt geht ein weiterer Chef
Bei Denner, dem Discounter der Migros-Familie, rumpelt es. Vor rund zwei Monaten ging Chef Torsten Friedrich nach nicht einmal eineinhalb Jahren von Bord. Interimistisch wird das Unternehmen seither von Michel Gruber geleitet, der eigentlich in der Migros-Zentrale für die verschiedenen Handelstochtergesellschaften, also etwa auch für das Onlinewarenhaus Digitec Galaxus oder eben Denner verantwortlich ist.
Nach Friedrich geht nun auch Christian Staub, der den wichtigen Verkaufsbereich leitet und die Verantwortung trägt für den Grossteil der rund 6500 Denner-Mitarbeitenden. Er werde «eine Führungsfunktion in einem anderen Unternehmen» übernehmen, teilt Denner am Mittwoch mit.
Staub, der im Frühjahr 2023 von Coop zu Denner gestossen ist, verlässt das Unternehmen aber nicht sofort. Er werde «bis auf weiteres» Mitglied der Geschäftsleitung bleiben und den Bereich Verkauf verantworten. Konkret hat Staub sich verpflichtet, bis Ende Jahr im Amt zu bleiben, wie ein Sprecher auf Nachfrage präzisiert. Die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin sei eingeleitet worden.
Dennoch: Staub ist ein Verkaufschef auf dem Absprung. Damit sind mittlerweile bereits drei der neun Männer, welche die operativen Geschicke des Discounters leiten, nicht fix im Amt. Denn nebst Gruber und Staub ist auch der Personalchef Christian Thomann nur ad interim eingesetzt.
Das dürfte für zusätzliche Verunsicherung bei Denner sorgen. Schliesslich läuft es beim Discounter derzeit auch geschäftlich nicht wie gewünscht. Während der Gesamtmarkt wächst, stagniert der Umsatz von Denner bei rund 4 Milliarden Franken. Und die Situation wird nicht einfacher, die Konkurrenz tendenziell grösser: Nebst den Discountern forcieren auch Coop und Migros ihre Tiefpreisstrategie. Denner mit seinen rund 870 Standorten wird von allen Seiten bedrängt.
Auch vom früheren Denner-Besitzer Philippe Gaydoul: «Viele Läden sehen fast so aus wie vor bald 20 Jahren», sagte der Enkel und Erbe des Firmengründers Karl Schweri der «NZZ am Sonntag». Es sei kaum investiert worden. Das stimmt zwar nicht, die Filialen wurden, seit Gaydoul das Unternehmen 2007 an die Migros verkauft hat, durchaus erneuert. Die Zahl der Standorte wurde seitdem auch erhöht, der Umsatz deutlich gesteigert.
Gaydoul geht noch weiter und deutet an, dass er den Denner-Verkauf an die Migros jetzt bereue: «Jahrelang zweifelte ich nicht daran, dass der Verkauf richtig war, da ich Denner allein gegen Aldi und Lidl für chancenlos hielt. Mittlerweile sehe ich das anders.»
Freilich ist Gaydouls unternehmerischer Erfolg seit dem Denner-Verkauf eher bescheiden. Dennoch dürfte seine Kritik die Verantwortlichen treffen – beim Discounter selbst, aber auch bei der Migros, wo seit 2023 der frühere Denner-Chef Mario Irminger die oberste Verantwortung trägt. (schweizheute.ch)
