Waadtländer Staatsrätin Dittli muss Basis ihrer Partei überzeugen
Valérie Dittli will trotz des hohen Drucks erneut für den Staatsrat das Kantons Waadt kandidieren, muss aber ihre Partei überzeugen. Die Delegiertenversammlung ihrer Partei, der Mitte, wird am 2. September entscheiden, ob sie ihre Staatsrätin aufstellen will oder nicht.
Dittli hat ihren Willen zur Kandidatur in Interviews mit den Zeitungen «Le Matin Dimanche» und «Le Courrier Lavaux-Oron-Jorat» bekanntgegeben. Sie räumte ein, dass ihre Aufgabe schwierig werden dürfte, da sie isoliert sei und von allen Seiten kritisiert werde. Es werde ein Kampf David gegen Goliath. Aber sie trete an, um zu gewinnen.
Dittli steht aber zuerst ein Auftritt vor der Delegiertenversammlung der kantonalen Mitte bevor. Sie hoffe, gemeinsam mit der Partei in den Wahlkampf zu ziehen. Sollte die Partei die Unterstützung verweigern, bleibe alles möglich. Das heisst, dass sie nicht ausschliesse, als Unabhängige anzutreten.
Am Donnerstag wird der kantonale Parteivorstand mit Dittli zusammentreten. Er will vor der Versammlung vom 2. September eine Stellungnahme abgeben, wie der Präsident der Mitte Waadt, Giancarlo Sergi, am Sonntag zu Keystone-SDA sagte.
Der neunköpfige Präsidialausschuss hatte aber bereits empfohlen, Dittli nicht weiter zu unterstützen. Die Delegierten hätten nun aber «alle Karten in der Hand und müssten eine Entscheidung treffen», so Sergi.
Am 2. September wird der angeschlagenen Staatsrätin keine Gegenkandidatur gegenüberstehen. Sollte es Dittli gelingen, die Delegierten zu überzeugen, werde die Partei sie unterstützen, sagte Sergi. Andernfalls würde die Mitte am 16. September eine neue Versammlung einberufen, um ohne Dittli eine Strategie für die Kantonswahlen 2027 zu vereinbaren.
Bündnispartner geben sich ablehnend
Da die Mitte im Kanton Waadt derzeit kaum Gewicht hat, hofft sie auf Bündnisse. Die potentiellen Bündnispartner sind jedoch nicht zu einer Zusammenarbeit bereit, sollte Dittli erneut als Mitte-Kandidatin für den Staatsrat kandidieren.
In ihren Zeitungsinterviews erklärte Dittli, sie sei sich sehr wohl bewusst, dass es «Meinungsverschiedenheiten» mit ihren Bündnispartnern gegeben habe. Sie bleibe aber offen für jede mögliche Zusammenarbeit, um die Mitte-Rechts-Mehrheit in der Regierung zu erhalten.
Obwohl sie von vielen im Stich gelassen wurde, steht Dittli nicht ganz allein da. In den letzten Monaten hat sich auf Initiative des ehemaligen FDP-Mitglieds und ehemaligen Gemeindepräsidenten von Yvorne VD, Philippe Gex, ein Unterstützerkreis gebildet. Der Winzer, der sich mehrfach in den Medien geäussert hat, gibt an, dass der Verein mehr als 300 Mitglieder zählt. (hkl/sda)
