Wirtschaft
Schweiz

Schweizer Temporärbranche wegen Arbeitskräftemangels mit Minus

Schweizer Temporärbranche wegen Arbeitskräftemangels mit Minus

28.07.2023, 11:1928.07.2023, 11:19

Der Druck auf die Schweizer Temporärbranche hat im zweiten Quartal weiter angehalten. Anfragen von Firmen für Temporärarbeiter erhalten die Personalvermittler zwar zur Genüge. Es gibt jedoch nicht genug Menschen, die eine Temporärstelle suchen.

epaselect epa08933122 A woman with a headset sits in front of her computer in the study at home in Moenchengladbach, Germany, 12 January 2021. In view of the fact that the number of corona infections  ...
Die Temporärbranche in der Schweiz leidet unter dem Arbeitskräftemangel.Bild: keystone

Das Temporärgeschäft der Personaldienstleister verzeichnete im zweiten Quartal 2023 ein Umsatzminus von 5.6 Prozent, wie dem am Freitag publizierten Swiss Staffingindex zu entnehmen ist. Damit gibt es das zweite Quartal in Folge einen Rückgang, nachdem der Umsatz im ersten Jahresviertel erstmals seit drei Jahren wieder ins Minus gefallen war (-3.4%).

Wie auch schon zu Jahresbeginn ging die Entwicklung bei der Vermittlung von Festangestellten jedoch genau in die andere Richtung. Dort nahmen die Umsätze um 7.9 Prozent zu. Das begründet der Verband Swissstaffing mit dem robusten Arbeitsmarkt in der Schweiz:

«Temporärstellen im Minus, Feststellen im Plus sind typische Zeichen für Vollbeschäftigung: Während Temporärkräfte von ihren Einsatzbetrieben schneller festangestellt werden, nimmt die Rekrutierung von neuen Temporärarbeitenden ab.»

Der Festangestelltenmarkt sei in Zeiten des rückgängigen Temporärmarktes besonders wichtig für die Branche, heisst es. Dieser profitiert von dem ausgetrockneten Arbeitsmarkt, denn die Personalvermittler übernehmen laut Mitteilung zunehmend Beratungs- und Headhunterfunktionen, was gute Umsätze bringt.

Zwei Zukunftsszenarien

Für die Zukunft der Stellenvermittlungsbranche sieht Swissstaffing-Chefökonom Marius Osterfeld zwei mögliche Szenarien. Sollte sich die Konjunktur abschwächen, würde die Branche belastet. Gleichzeitig werde dann aber deren Integrationsfunktion wichtig, indem sie den neuen Stellensuchenden helfen würden, rasch den Widereinstieg zu schaffen.

Sollte die Konjunktur allerdings positiv bleiben und damit auch die Vollbeschäftigung anhalten, steige mittelfristig das Flexibilitäts- und Wechselbedürfnis der Arbeitnehmenden. Davon würde sowohl das Temporär- als auch das Feststellengechäft profitieren, heisst es. Ein solcher Trend zeichne sich bereits durch wachsende Märkte wie Online-Arbeitsplattformen oder das sogenannte Payrolling von Freelancern, die aber nicht als selbständig anerkannt würden. (saw/sda/awp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
8 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8
«Achtung, sie greifen an!»: Wie der G7-Protest plötzlich eskalierte
Rund 20'000 Menschen demonstrierten an diesem Sonntag in Genf gegen den G7-Gipfel. Während die Mehrheit der Demonstrierenden friedlich blieb, gewann eine Minderheit nach und nach die Oberhand und verwandelte das Ende des Tages in eine angespannte Konfrontation mit der Polizei. Eine Reportage.
Eigentlich hatte alles gut begonnen. Am Sonntagnachmittag um 14 Uhr herrscht im Park de la Perle beim Genfersee eine festliche Stimmung. Mehrere tausend Menschen sind ans rechte Seeufer gekommen, um an der von der No-G7-Koalition organisierten Demonstration gegen den Gipfel teilzunehmen. Familien sind mit ihren Kindern, Hunden und Kinderwagen erschienen. Palästinensische Fahnen wehen über der Menge. Sprechchöre hallen durch die Luft, die Atmosphäre ist ausgelassen und friedlich.
Zur Story