Wirtschaft
Schweiz

Partners Group begrenzt Fondsrücknahmen verkaufswilliger Anleger

Anleger in Panik: Partners-Group-Aktie stürzt ab

Der Vermögensverwalter Partners Group muss die Fondsrücknahmen verkaufswilliger Anleger begrenzen. Das hat eine Kaskade von Panikreaktionen ausgelöst. An der Börse sind Milliarden verdampft.
04.06.2026, 09:4604.06.2026, 10:41
Daniel Zulauf
Daniel Zulauf
partners group baar Zug
Grenzenloses Wachstum mit Privatmarktanlagen war gestern: Der neue Hauptsitz von Partners Group in Baar.Bild: stefan kaiser/chmedia

Partners Group, die auf Privatmarktanlagen spezialisierte Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaft aus Baar, erlebt gerade turbulente Momente. Am Mittwoch ist der Aktienkurs des Unternehmens, das zu den 20 wertvollsten Gesellschaften an der Schweizer Börse gehört, zeitweise um fast 20 Prozent eingebrochen. Ein Wert von mehr als vier Milliarden Franken hat sich innerhalb von Minuten quasi in Luft aufgelöst.

Der Grund: Die Firma musste verkaufswillige Anleger vertrösten, die ihre Fondsanteile nicht so schnell wie erwünscht an Partners Group beziehungsweise an deren Fonds zurückzuverkaufen können. Der betroffene Fonds mit dem Namen «Global Value SICAV» enthält nach Angabe eines Partners-Group-Sprechers Vermögen im Inventarwert von 8,6 Milliarden Dollar. Der überwiegende Teil davon besteht aus Private Equity. Das sind Beteiligungspapiere, für die es keinen öffentlichen Börsenhandel gibt. In geringem Umfang enthält der Fonds auch Private Debt, also ebenfalls nicht öffentlich handelbare Schuldpapiere.

Update: Partners-Group-Aktien setzen zur Erholung nach Kursrutsch an
Am Donnerstag haben die Aktien der Partners Group zu einer Gegenbewegung angesetzt. Mit einem Update zum Geschäftsverlauf konnte das Management die Gemüter etwas beruhigen.
So rechnet das Management unverändert mit einem Bruttoneugeldzufluss von 26 bis 32 Milliarden US-Dollar, wie es in einer Mitteilung der Private-Equity-Firma vom Donnerstag heisst. Durch die Abflüsse dürfte das Nettowachstum der verwalteten Vermögen in der zweiten Jahreshälfte um 1 bis 2 Prozent gebremst werden. Für das Gesamtjahr 2027 wird ein ähnlicher Effekt erwartet.
Insgesamt sei die gesamte Branche von erhöhten Mittelabflüssen betroffen, schreibt das Unternehmen. Davon seien insbesondere zwei Fonds von Partners Group erfasst worden, heisst es.

Rückzüge gekappt

So haben die Rücknahmeanträge bei einem Fonds 9,8 Prozent und bei einem anderen rund 6 Prozent betragen. Nach dem Überschreiten der Schwelle von 5 Prozent ist die Möglichkeit zur weiteren Entnahme entsprechend den Fonds-Bedingungen gekappt worden. Dies wolle Partners Group auch in Zukunft bei anderen Fonds so handhaben, um vor allem die Interessen langfristiger Anleger zu schützen.
An der Börse kam die Bestätigung der Ziele gut an. Nachdem die Papiere am Mittwoch über 16 Prozent an Wert eingebüsst hatten, stiegen sie am Donnerstag gegen 10.00 Uhr um mehr als 3 Prozent und lagen damit klar an der SMI-Spitze.Analysten schätzen den Einbruch vom Vortag mehrheitlich als übertrieben ein. Daher bestätigen sie fast einhellig ihre Kaufempfehlungen, auch wenn die Kursziele teils recht deutlich zusammengestrichen wurden. (awp/sda)

Anleger aus Australien und Asien hegen Zweifel

Diese kollektiven Anlagevehikel, die in der Private-Equity-Branche als Evergreen-Fonds bezeichnet werden, ermöglichen Privatanlegern Investitionen in die naturgemäss illiquide Anlageklasse. Der Global-Value-SICAV-Fonds nimmt pro Quartal Fondsanteile im Wert von nicht mehr als 5 Prozent des Nettoinventarwertes zurück, was branchenüblich ist. In den vergangenen Monaten haben die Investoren aber Rückgaben in Höhe von 9,8 Prozent des Inventarwertes angemeldet, weshalb sich Partners Group gezwungen sah, diese Investoren an die Rücknahmebedingungen des Fonds zu erinnern.

Die Rücknahmebegrenzung kommt im derzeitigen Marktumfeld gar nicht gut an. Vor allem Privatanleger aus Australien und Asien hätten Rückgaben angemeldet, sagte der Sprecher der Partners Group zu CH Media. Offenbar zweifeln einige von ihnen an der Werthaltigkeit der im Partners-Group-Fonds liegenden Anlagen. Partners Group hat solche Skepsis bezogen auf die eigenen Investments wiederholt als unbegründet dargestellt. Das hat die Befürchtungen der Anleger aber nicht beseitigt.

Die drei Partners-Group-Gründer: Urs Wietlisbach, Alfred Gantner und Marcel Erni (v.l.).
Die drei Partners-Group-Gründer: Urs Wietlisbach, Alfred Gantner und Marcel Erni (v.l.).Bild: ZVG

Privatmarktanlagen bilden einen riesigen, aber wenig transparenten Markt. Die finanzielle Robustheit und Qualität der den Anlagen zugrunde liegenden Firmen und Projekte ist für Aussenstehende kaum zuverlässig beurteilbar. Vor etwa einem Jahr, als der amerikanische Autoersatzteilehersteller First Brands Insolvenz anmelden musste und Investoren zu Schaden kamen, die dem Unternehmen über Fonds (unter anderen von UBS) Kredite (Private Debt) zur Verfügung stellten, wurden die latenten Zweifel im Markt erstmals breit sichtbar.

«Branche kämpft mit Geistern, die sie selbst gerufen hat»

Im Februar kam es zu weiteren Fällen, in denen Investoren massenweise aus Private-Debt-Fonds aussteigen wollten, dies aber nicht konnten. Inzwischen wird nun offensichtlich auch vermehrt die Werthaltigkeit von Beteiligungspapieren (Private Equity) in  Zweifel gezogen, die in Evergreen-Fonds gehalten werden.

Evergreen-Fonds waren in den vergangenen fünf Jahren das am stärksten wachsende Kundensegment für Privatmarktanlagen. «Die Branche kämpft jetzt mit den Geistern, die sie selbst gerufen hat», beschreibt ein erfahrener Branchenkenner das Herdenverhalten von Privatanlegern, die im besseren Fall nur unerfahren oder schlecht informiert sind und jetzt auch den Partners-Group-Aktien zusetzen.

Partners Group verwaltet ein Kundenvermögen von 185 Milliarden Dollar. Davon liegen 56 Milliarden Dollar in Evergreen-Fonds. Kommt es zu einer Abnahme der verwalteten Vermögenswerte, sinkt automatisch auch das Ertragspotential des Unternehmens, was den Zusammenhang zu dem am Mittwoch eingebrochenen Aktienkurs erklärt. Der Kurseinbruch der Partners Group Aktien hat auch den Papieren der grossen Private-Equity-Häuser an der New Yorker Börse einen Schlag versetzt. KKR, Blackstone, Apollo und andere notierten am Mittwochnachmittag bei Handelsbeginn rund 4 Prozent tiefer. (aargauerzeitung.ch)

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Die beliebtesten Kommentare
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mrmikech
04.06.2026 10:08registriert Juni 2016
Das globale Finanzkartenhaus wackelt. Woher kommt überhaupt das ganze Geld?

Letztlich muss es von ganz normalen Menschen erarbeitet werden, bevor Milliardäre es abschöpfen können. Und dann wundern wir uns, warum das Leben immer teurer wird ...
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winglet55
04.06.2026 10:08registriert März 2016
Hochspekulative Investments, können hat in einem Totalverlust enden. Mein Bedauern gegenüber der Firma und der Spekulanten hält sich in Grenzen.
The Wolf of Wallstreet lässt grüssen.
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Ragl
04.06.2026 10:41registriert Juli 2015
Alfred Gantner fliegt als selbsternannter Schweizer Delegierter ins Oval Office. Verschenkt einen Goldbarren an Trump.
Und mochte gleichzeitig mit der Kompass-Initiative die Schweiz isolieren in Europa…

Und jetzt? Dürfen seine eigenen Anlegerinnen ihr Geld nicht mehr rausnehmen.

Der Mann, der die Schweiz bei Trump vertrat, kann nicht mal die eigenen Fonds vertreten.

Ich bin erschüttert.

(Nein, bin ich nicht.)
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