Doch weiterhin Skibetrieb in Braunwald? Es steht eine entscheidende GV an
Skifahren ist in der Schweiz ein sehr emotionales Thema. Nicht nur, wenn Marco Odermatt oder Wendy Holdener am Start stehen. Sondern auch, wenn wir selbst auf zwei Latten den Hang runtersausen wollen.
In den letzten Jahren gab es vermehrt Bilder von weissen Streifen in grüner Natur. Langen Winterzauber gibt es längst nicht mehr so verlässlich wie früher. Viele kleinere Skigebiete und Skilifte in tieferen Lagen kämpfen um wenige Skitage, ums Überleben oder haben den Betrieb schon eingestellt.
Ein «Weiter wie bisher» nicht mehr möglich
Im Juni sorgte mit Braunwald ein grösseres Skigebiet für Aufsehen. Der autofreie Ferienort auf der schönen Sonnenterrasse im Glarnerland entschied nach vielen schwierigen Saisons, dass der Skibetrieb eingestellt wird. Zusammen mit Visit Glarnerland und weiteren Akteuren teilten die Sportbahnen mit, dass man damit auf die veränderten klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen reagiert. Hohe Kosten und ein verändertes Nachfrageverhalten hätten das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig gemacht.
Der Entscheid war eindeutig. Ein «Weiter wie bisher» sei nicht mehr möglich. Der Zukunftsprozess wurde gestartet und eine Kern- und Strategiegruppe wollte in Workshops ein Zukunftsbild erarbeiten.
Der Entscheid schlug hohe Wellen, auch wenn viele Verständnis zeigten. Verwaltungsratspräsident Richard Bolt sagte anschliessend im Interview mit watson: «Es war allen klar, dass es knapp ist. Da meldete sich niemand. Jetzt kommen alle und haben noch eine Idee.» Eine dieser Ideen dürfte auch an der ordentlichen Generalversammlung morgen Mittwoch (26. August 2026) diskutiert werden.
Über 5000 Unterschriften gesammelt
Es kann eine emotionale Versammlung erwartet werden. Die Gruppe «Bruuwald zäme» sammelte mit einem offenen Brief online bisher über 5000 Unterschriften, damit der «Skibetrieb nicht vorschnell aufgegeben wird».
Gemäss den Initianten ist der Entscheid von existenzieller Bedeutung. Man erkenne, dass sich die Rahmenbedingungen verändern: «Klimatische Veränderungen und die wirtschaftliche Situation der Sportbahnen machen Anpassungen notwendig. Braunwald soll offen für neue Ideen und innovative Angebote sein.»
Hauptproblem sei die Kostenseite
In der Saison 2025/26 schrieb Braunwald einen Verlust von 1,6 Millionen Franken. Gemäss «Bruuwald zämä» liege das Problem aber «nicht primär bei fehlenden Schneefällen, zu warmen Wintertemperaturen und damit einhergehend fehlenden Einnahmen». Das Hauptproblem sei auf der Kostenseite zu finden: «Insbesondere die Personal- und Betriebskosten sind in den letzten Jahren massiv gestiegen.»
Darum sollen Alternativen wie ein reduzierter Skibetrieb unabhängig geprüft werden. Die Bitte an die Verantwortlichen beinhaltet vor allem, dass Zeit und Handlungsspielraum gewonnen werden, indem vorerst auf «irreversible Rückbauentscheide» verzichtet wird.
40 Prozent fordern klare Opposition
Neben der Petition wurde auch eine Umfrage bei Aktionären durchgeführt. Dort gab die Hälfte von 50 teilnehmenden Kleinaktionären an, dass sie an der GV «kritisch, aber sachbezogen» diskutieren wollen. Mit Fokus auf «Entlastung verweigern, Sonderuntersuchung beantragen, keine Rücktrittsforderung».
40 Prozent der Umfrageteilnehmer möchten dagegen in die «klare Opposition mit Rücktrittsforderungen». Über 30 Aktionäre der Umfrage wollen persönlich an der GV erscheinen, weitere 16 haben die Vollmacht abgegeben.
Die ordentliche Generalversammlung der Sportbahnen Braunwald AG findet am 26. August 2026 um 13.30 Uhr statt. (fox)
