Wirtschaft
Schweiz

Seco-Chefin: Was bedeuten Trumps neue Zolldrohungen für die Schweiz?

Helene Budliger Artieda, State secretary for economy, informs during a press conference on the new import tariffs into the US, Friday, November 14th, 2025, in Berne, Switzerland. (KEYSTONE/Alessandro  ...
Helene Budliger Artieda ist eine Schweizer Diplomatin und seit 2022 Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft.Bild: keystone

Was bedeuten Trumps neue Zolldrohungen für die Schweiz? Seco-Chefin nimmt Stellung

Die Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO beantwortet fünf Fragen zum neuen «Zollhammer» der US-Regierung – und verteidigt die Wirtschaftsbosse, die ins Weisse Haus reisten.
05.06.2026, 20:5305.06.2026, 20:53
Young-Sim Song, AWP

US-Präsident Donald Trump hat diese Woche der Schweiz erneut mit zusätzlichen Strafzöllen gedroht. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP weist Seco-Direktorin Helene Budliger Artieda die Vorwürfe aus Washington zurück, die Schweiz gehe nicht genügend gegen die Einfuhr von unter Zwangsarbeit hergestellten Produkten vor.

Ausserdem spricht sie darüber, wie sehr die Unternehmen leiden und dass intensiv weiterverhandelt wird.

Das Interview

Frau Budliger Artieda, was bedeuten die neuen Zollandrohungen für die Schweiz?
Helene Budliger Artieda:
Für uns war klar, dass die Geschichte rund um die US-Zölle nicht beendet ist. Die Schweiz wusste, dass es diese Untersuchungen gibt, und wir wehren uns vehement gegen die Vorwürfe. Die Schweiz verurteilt jede Form von Zwangsarbeit. Es sieht danach aus, dass zu den meist begünstigten Zöllen Zusatzzölle von 12,5 Prozent dazukommen könnten. Das wäre eine Verschlechterung zum Status Quo von 2,5 Prozent. Man hört aber auch, dass es weiterhin Ausnahmen für Produkte geben soll, die es in den USA nicht gibt oder die dort nicht wachsen, wie zum Beispiel Bananen.

Welche Folgen könnte die Untersuchung zu Überkapazitäten haben?
Das wissen nur die USA. Wir haben deutlich darauf hingewiesen, dass in der Schweiz zu klar teureren Bedingungen produziert wird. Daraus zu schliessen, dass wir mit billigen Preisen und schlechter Qualität auf den US-Markt kommen, ist schwierig zu verstehen. Zudem ist die liberale Schweiz grundsätzlich nicht für umfangreiche Subventionen bekannt.

Wie sehr leiden die Schweizer Firmen?
Die Schweizer Wirtschaft zeigt sich einmal mehr sehr resilient, auch dank ihrer breiten Diversifizierung, beispielsweise in den Bereichen Life Sciences, Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, Uhren sowie Nahrungsmittel, dort etwa mit einem der grössten Kaffee-Exporteure der Welt. Die Schweizer Regionen sind unterschiedlich betroffen. Besonders im Jurabogen ist die Kurzarbeit im vergangenen Jahr relativ rasch angestiegen. Auch in der Zentralschweiz und im Tessin gibt es Cluster von exportorientierten Industriefirmen, die leiden.

Vertreter von Schweizer Privatunternehmen sind im November 2025 in die USA gereist und wollten US-Präsident Donald Trump auf die Folgen der hohen Zölle aufmerksam machen. Das hat in der Schweiz auch Kritik ausgelöst.
Ich bin den Unternehmern, die sich engagiert haben, sehr dankbar. Mit der Aussage, sie hätten das nur aus Geschäftsinteresse gemacht, habe ich grosse Mühe. Sie wollten der Schweiz helfen – denn wäre es um rein private Interessen gegangen, dann hätten sie das auch ohne unser Zutun machen können. Die Zusammenarbeit zwischen Bundesrat, Verwaltung und Privatsektor ist wichtig und grundsätzlich auch üblich in der Schweiz, auch ausserhalb von Verhandlungen. Mit einem kleinen 9-Millionen-Einwohner-Markt muss sie etwas in die Waagschale werfen können.

Wann kommt der rechtsverbindliche Zoll-Deal mit den USA?
Das müssen Sie den US-Handelsbeauftragten fragen. Ich kann nur sagen: Parallel zu den Untersuchungen finden weiterhin intensive Verhandlungen statt. Die temporären Zölle wegen des angeblich schweren Zahlungsbilanzdefizits laufen am 24. Juli aus.

(sda/awp)

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