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Die Leitzinsen steigen – wir erklären dir, was dadurch jetzt alles ins Rollen kommt

Die Zentralbanken haben eine Trendwende eingeläutet, überall steigen nach langer Zeit wieder die Leitzinsen. Gehen diese Zinsen in die Höhe, hat das Auswirkungen auf so ziemlich alles in der Wirtschaft. Wieso? Wir erklären es dir.
03.07.2022, 07:4903.07.2022, 13:28

Es geht ein Ruck durch die Wirtschaft: Viele Zentralbanken, darunter auch die Schweizerische Nationalbank (SNB), entschieden sich im Juni, die sogenannten Leitzinsen ordentlich anzuheben. Der Grund: die hohen Inflationsraten. Mit höheren Zinsen sollen diese jetzt wieder heruntergeschraubt werden.

Nicht umsonst erhalten solche Entscheide über die Leitzinse grosse Beachtung. Denn diese haben grossen Einfluss auf alle wichtigen Grössen in der Wirtschaft – von den Sparzinsen über die Konjunktur bis hin zu den Aktienmärkten und dem Wechselkurs. Doch wie funktioniert das eigentlich? Und wieso hängt das alles zusammen? Wir erklären es dir in diesen sieben Punkten:

Was passiert gerade mit den Leitzinsen?

Ab dem 1. Juli gelten in der Eurozone deutlich höhere Zinssätze. Der Entscheid geht zurück auf Anfang Juni, als Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), eine Anhebung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte ankündigte. Es war die erste Zinserhöhung seit elf Jahren.

Mitte Juni entschied auch das Federal Reserve System (Fed), die Leitzinse zu erhöhen. Bereits im März und im Mai wurden die ersten Schritte getan, die Erhöhung im Juni um ganze 0,75 Prozentpunkte ist jedoch noch deutlich markanter. Die US-Leitzinsen liegen nun in einer Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent.

Am meisten überrascht mit ihrem Entscheid hat jedoch die Schweizerische Nationalbank SNB. Mitte Juni entschied sie sich für eine Anhebung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte. Dieser Schritt war grösser als erwartet – und er kam früher als erwartet. Der Leitzins der SNB liegt allerdings immer noch im Minus, jetzt bei -0,25 Prozent.

Ab 2015 hat die SNB nämlich sämtliche wirtschaftliche Logik über Bord geworfen und führte Negativzinsen ein – einen Schritt, den man sich vorher kaum vorstellen konnte. Schliesslich bedeutete er konkret, dass man teilweise dafür bezahlen muss, um sein Geld deponieren zu können. Das heisst, Sparen wird nicht mehr belohnt, sondern bestraft.

Inflation und Leitzinsen einfach erklärt – in Videoform:

Video: watson/Helene Obrist, Emily Engkent

Was ist der Leitzins genau?

Leitzinsen werden durch die National- oder Zentralbanken festgelegt. Einfach gesagt, ist der Leitzins derjenige Zins, den die Geschäftsbanken den Zentralbanken bezahlen, wenn sie bei ihnen Geld ausleihen. Also: wie teuer es für die Banken ist, sich bei der Zentralbank zu verschulden.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) in Bern, die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main und das Federal Reserve System (Fed) in Washington D.C.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) in Bern, die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main und das Federal Reserve System (Fed) in Washington D.C.Bild: watson, keystone

Die Funktion der Zentralbank ist in diesem Fall nämlich so etwas wie die «Bank der Geschäftsbanken»: So wie wir unser Geld auf einem Konto bei einer Bank deponieren – oder bei der Bank Kredite aufnehmen –, so machen es diese Banken bei der Zentralbank. Das heisst: Banken halten sogenannte Reserven (eine Art Depot). Gleichzeitig leihen sie sich aber auch Geld. Beides tun sie bei der Zentralbank, für ersteres erhalten sie in der Regel einen Zins, für den zweiten Fall müssen sie Zinsen bezahlen. Dieser Leitzins entscheidet nun darüber, zu welchen Konditionen die Banken so mit der Zentralbank geschäften können.

Verändert sich der Leitzins, dann werden die Geschäftsbanken irgendwann auch ihren Kundinnen und Kunden die veränderten Bedingungen weitergeben. Der Leitzins gilt deshalb als allgemeine Basis für alle anderen Zinssätze. Das heisst, er bestimmt – mit einer gewissen Verzögerung –, wie teuer es allgemein in einer Volkswirtschaft ist, einen Kredit aufzunehmen und sich zu verschulden.

Wer entscheidet über den Leitzins?

Ein jeweils von der Regierung unabhängiges Gremium der Zentralbanken bestimmt den Leitzins. In der Schweiz ist dies das Direktorium der SNB, das leitende und ausführende Organ der Nationalbank. Das Direktorium besteht aus drei Mitgliedern, die auf Vorschlag des Bankrats (eine Art Aufsicht der Nationalbank) vom Bundesrat gewählt werden.

Thomas Jordan ist seit 2012 Präsident des Direktoriums der SNB.
Thomas Jordan ist seit 2012 Präsident des Direktoriums der SNB.Bild: keystone

Im Euroraum bestimmt der EZB-Rat über die Leitzinsen. Er ist ebenfalls das oberste Gremium der Notenbank, bestehend aus 25 Mitgliedern. Dieser Rat tagt regelmässig, dabei evaluiert er die wirtschaftliche Lage und stellt Prognosen auf. Darauf gestützt fasst der Rat alle sechs Wochen einen Entschluss über die Leitzinsen.

Christine Lagarde ist Teil des EZB-Rats und Präsidentin der EZB. Sie verkündet alle sechs Wochen den Leitzins.
Christine Lagarde ist Teil des EZB-Rats und Präsidentin der EZB. Sie verkündet alle sechs Wochen den Leitzins. Bild: keystone

Wie verändern die Leitzinsen die restlichen Zinsen?

Ändern sich die Konditionen, unter denen die Banken mit der Zentralbank Geld austauschen, so werden diese Konditionen nach und nach an Geschäfts- und Privatkunden weitergegeben.

Unmittelbar spürbar ist das beim sogenannten Interbankenhandel. Banken leihen sich für ihre Geschäfte nämlich nicht nur bei Nationalbanken Geld, sondern sie tun das auch untereinander – besonders bei sehr kurzfristigen Krediten. Die Zinsen auf solchen Krediten orientieren sich stark am Leitzins. Der Grund: Die Banken wägen ab, ob es sich mehr lohnt, sich die nötigen Kredite bei der Nationalbank oder bei einer herkömmlichen Bank zu holen.

Dasselbe gilt für den umgekehrten Fall, beim Verleihen von Krediten: Wenn Geschäftsbanken Kredite untereinander vergeben, würden sie nicht einen geringeren Zinssatz als den Leitzins akzeptieren. Schliesslich könnten sie mehr Geld verdienen, wenn sie das Geld bei der Nationalbank lagern, statt es einer anderen Bank auszuleihen.

Erst etwas später spürbar ist die Leitzinsänderung bei den Zinsen, die wir auf unseren Sparkonten bei der Bank erhalten. Das gilt auch für Zinsen auf Kredite, die Unternehmen bei einer Bank aufnehmen wollen – beispielsweise, um ein neues Büro oder eine neue Maschine zu finanzieren.

Das Zinsdifferenzgeschäft – Kerngeschäft von Geschäftsbanken
Beim Zinsdifferenzgeschäft entsteht ein Gewinn, den die Banken durch verschieden hohe Zinsen verdienen.

Einerseits nimmt bzw. bewahrt eine Bank Geld auf – zum Beispiel in Form von Sparkonten. Angenommen, die Bank zahlt ihren Anlegern hier einen jährlichen Zins von 0,5 Prozent.

Andererseits verleiht die Bank auch Geld – zum Beispiel in Form von Krediten an Unternehmen oder Hypotheken an Hausbesitzerinnen. Angenommen, die Bank verlangt hier einen jährlichen Zins von 1,0 Prozent.

In diesem Beispiel zahlt die Bank niedrigere Zinsen, als sie sie beim Vergeben von Krediten erhält. So macht die Bank einen Gewinn und kann ihr Geschäft finanzieren. Das gilt natürlich nur, wenn erstere auch tiefer sind – was in aller Regel der Fall ist. Das Zinsdifferenzgeschäft ist das (ursprüngliche) Kerngeschäft von Banken.

Müssen die Banken der Zentralbank höhere Zinsen zahlen, dann verlangen sie dies letztlich auch von ihren Kundinnen – respektive, sie zahlen ihnen auch mehr bei der Lagerung ihrer Ersparnisse. Hier spielt auch der Wettbewerb unter den Banken eine Rolle: So wählen sich die Unternehmen tendenziell diejenige Bank aus, die von ihnen bei einem Kredit den günstigsten Zins verlangen. Umgekehrt können Banken ihre Kunden verärgern, wenn sie ihnen weniger Zins auf ihre Sparkonten zahlen als die Konkurrenz.

Wann haben die Nationalbanken einen Grund, die Leitzinssätze zu erhöhen?

Wenn die Inflation längerfristig zu steigen droht. Das ist im Moment klar der Fall.

In den meisten Fällen sind die Inflationsraten momentan so hoch wie seit der Finankrise nicht mehr – oder noch viel höher.

Nach dem wirtschaftlichen Quasi-Stillstand durch die Pandemie ging es im letzten Jahr wieder so richtig los. Unternehmen konnten sich vor Aufträgen kaum retten, weil nach der erzwungenen «Pause» grosse Nachholeffekte entstanden. Die Preise stiegen wieder, die Börse erreichte vielerorts neue Rekorde.

Dazu kamen sogenannte Flaschenhalseffekte. Darunter versteht man die Engpässe, die dadurch entstehen, dass viele Konsumenten und Unternehmen zur gleichen Zeit Waren bestellen wollen – und dadurch die Abläufe überlasten. Das führte zu stark steigenden Preisen.

Die Warenkörbe werden teurer: hier in einem Supermarkt in London. In Grossbritannien betrug die Inflation im Juni 2022 9,1 Prozent.
Die Warenkörbe werden teurer: hier in einem Supermarkt in London. In Grossbritannien betrug die Inflation im Juni 2022 9,1 Prozent.Bild: keystone

Leitzinsen sind das wichtigste Steuerungsinstrument der sogenannten Geldpolitik, oder der geldpolitischen Strategie, einer Zentralbank. Das übergeordnete Ziel der geldpolitischen Strategie ist die Preisstabilität.

Die National- resp. Zentralbank setzt sich dafür ein langfristiges Ziel für die Inflation – also die Preissteigerung – in einem Währungsraum. Die SNB zum Beispiel setzt dieses Ziel bei einer langfristigen Inflationsrate von höchstens zwei Prozent. Das heisst, steigen die Preise pro Jahr im Schnitt nicht mehr als zwei Prozent, dann erreicht die SNB ihr wichtigstes Ziel – sie macht also einen guten Job. (In der Praxis ist das allerdings weit schwieriger zu kontrollieren, als es theoretisch den Anschein macht.)

Die Steuerung der Leitzinsen dient der SNB dazu, dieses Ziel zu erreichen. Doch wie funktioniert das?

Welchen Einfluss haben die Leitzinsen denn genau auf die Inflation?

Wenn eine Nationalbank den Leitzins senkt, können die Banken bei ihr also günstiger Kredite aufnehmen. Dasselbe gilt nun auch für Unternehmen und Privatpersonen, die Geld bei den Geschäftsbanken aufnehmen. Dadurch kommt mehr Geld in den Umlauf, man sagt auch: Die Geldmenge steigt.

Gleichzeitig hat es den Effekt, dass die Menschen mehr Geld ausgeben. Der Grund: Es lohnt sich weniger, das Geld anzulegen, weil man einen niedrigeren Zins kriegt – und bei Negativzinsen muss man sogar noch draufzahlen. Durch diesen Mechanismus soll die Wirtschaft in Schwung kommen: mehr Konsum, mehr Aufträge für die Unternehmen, höhere Produktion und so weiter. Das heisst aber irgendwann auch: höhere Preise, weil die Nachfrage grundsätzlich steigt.

Das funktioniert natürlich auch andersherum: Steigen die Zinsen, dann schieben viele Menschen ihren Konsum wieder auf und sparen lieber – sie kriegen ja jetzt mehr für ihr auf dem Sparkonto ruhenden Geld. Sinkt die Nachfrage nach Konsum- oder auch Investitionsgütern wie Autos, Häuser, etc., dann sinken tendenziell auch die Preise. Auch die Firmen werden weniger Kredite für Investitionen aufnehmen, da das jetzt teurer ist. Sie warten also lieber auf Zeiten, in denen sich Investitionen wie neue Maschinen mehr lohnen. Die Wirtschaft geht so in eine sogenannte kontraktive Phase über, in der mehr gespart und weniger investiert und ausgegeben wird.

Eine Zentralbank entscheidet sich in der Regel für eine Zinserhöhung, wenn die Wirtschaft tendenziell «überhitzt» ist. Dazu gehört auch, dass die Preise am Steigen sind. Sie erhöht also die Leitzinsen, um die Wirtschaft wieder etwas «herunterzufahren» und die Inflation in den Griff zu kriegen.

Welche Auswirkungen hat eine Leitzinserhöhung ...

Es ist kein Wunder, dass eine Änderung des Leitzinses jeweils prominent in den Medien verkündet und in der Wirtschaft breit diskutiert wird. Schliesslich wird die Änderung nicht nur Einfluss auf die Inflation respektive die Konjunktur haben, sondern auch auf eine Reihe anderer Faktoren. Dazu gehören Sparzinsen, Mietzinsen, Hypotheken und Aktienpreise, auch die jeweilige Währung wie bei uns der Franken wird davon etwas spüren. Folgende Auswirkungen von erhöhten Leitzinsen werden auf diese Faktoren erwartet:

... für Sparer und Anlegerinnen?

Für Menschen, die ihr Geld sparen und/oder anlegen, sind steigende Zinsen Good News: Sie kriegen für das Deponieren ihrer Ersparnisse höhere Zinsen überwiesen. Insbesondere in der Zeit von Negativzinsen ist das ziemlich relevant. Bis zum neusten Zinsentscheid mussten Sparer teilweise nämlich sogar draufzahlen, um ihr Geld deponieren zu können (zumindest ab einer gewissen Summe). Einige Banken wie die BEKB, ZKB, UBS und PostFinance haben nun bekannt gegeben, dass sie aufgrund der Zinserhöhung durch die SNB vom Juni diese Negativzinsen wieder aufheben wollen.

Allerdings: Der SNB-Leitzins steht trotz der Erhöhung immer noch bei unter null. Das heisst, es wird noch eine Weile dauern, bis für Menschen, die ihr Geld auf einem Sparkonto deponieren, wieder etwas herausspringt. Schliesslich ist die Inflation immer noch hoch und frisst somit die Ersparnisse auf. Die Zinsen müssten also noch um einiges höher werden, um die Inflationsraten zu kompensieren – das Sparen bleibt deshalb ein Minusgeschäft.

... für Hausbesitzerinnen und -besitzer?

Grundsätzlich verteuern höhere Leitzinsen alle Zinsen. Bei den Hypothekarzinsen – also den Zinsen, auf die Hypothekarkredite bezahlt werden müssen – ist das nicht anders, es kommt allerdings auf die Art der Hypothek an. So reagieren zum Beispiel Zinsen auf langfristigere Hypotheken viel früher als solche mit einer kürzeren Laufzeit.

Wichtig ist aber hier, dass nicht alle Häuserbesitzerinnen oder potenzielle Käufer gleich und auch nicht gleichzeitig betroffen sind. Sogenannte langfristige Festhypotheken zum Beispiel werden erst dann den neuen Zinsen angepasst, wenn sie ablaufen (so können sich zum Beispiel Leute mit einer Hypothek mit zehnjähriger Laufzeit die vorher noch tieferen Zinsen zehn Jahre lang sichern).

... für Mieterinnen und Mieter?

Die Mietzinsen orientieren sich in der Schweiz an den Hypothekarzinsen. Das heisst, in der Regel steigen mit letzteren auch die Mietzinsen. Der Mietzins ist nämlich an den sogenannten Referenzzinssatz gekoppelt. Dieser ist der durchschnittliche Zinssatz aller Hypotheken in der Schweiz.

Auch für Mieterinnen und Mieter dürfte es teurer werden – wenn auch nicht gleich sofort.
Auch für Mieterinnen und Mieter dürfte es teurer werden – wenn auch nicht gleich sofort.Bild: KEYSTONE

Eine Veränderung bei den Mietzinsen geschieht allerdings nicht sofort. Der Grund: Der Referenzzinssatz verhält sich normalerweise sehr träge. Mit einer gewissen Verzögerung wird bei einer Leitzinserhöhung aber letztlich auch der Mietzins steigen.

Umgekehrt haben Mieterinnen und Mieter einen Anspruch auf eine Mietzinsreduktion, wenn der Referenzzinssatz infolge einer Leitzinsreduktion gesenkt wird.

... auf die Aktienmärkte?

Im Gegensatz zu denjenigen, die ihr Geld auf einem Sparkonto lagern, sind höhere Leitzinse für solche, die in Aktien investieren, keine Good News.

Einerseits werden sich einige aus dem Aktienmarkt zurückziehen. Das sind primär eher vorsichtige Anleger, die keine grossen Risiken eingehen – und darum auch eher kleinere Gewinne machen. Wenn die Zinsen auf Sparguthaben steigen, können sich diese Anleger dafür entscheiden, ihr Geld wieder «klassisch» anzulegen, weil sie jetzt damit auch wieder mehr bekommen – ohne Risiken einzugehen.

Andererseits sind höhere Leitzinsen ein Signal dafür, dass Unternehmen in eine Phase geraten, in der sie – wie oben beschrieben – weniger Investitionen tätigen werden. Das kann dazu führen, dass auch weniger Aktien von solchen Firmen gekauft werden.

Für die Aktienmärkte sind erhöhte Leitzinsen in der Regel keine guten Nachrichten.
Für die Aktienmärkte sind erhöhte Leitzinsen in der Regel keine guten Nachrichten.Bild: KEYSTONE

Der Zusammenhang zwischen den Leitzinsen und dem Aktienmarkt funktioniert aber auch indirekt. So kündigen höhere Zinsen zumeist einen wirtschaftlichen Abschwung – oder zumindest vorläufig wieder weniger Wachstum – an. Das führt dazu, dass Investorinnen vorsichtiger sind mit ihren Aktien. Kurz: Steigen die Leitzinsen, sinken die Indizes der Aktienmärkte und umgekehrt. Die beiden Grössen verhalten sich in der Regel entgegengesetzt zueinander.

... auf den Franken-Wechselkurs?

Durch eine Leitzinserhöhung wird die entsprechende Währung aufgewertet. Der Grund: Die Banken leihen sich, wie oben beschrieben, weniger Geld bei der Zentralbank aus. Dadurch sinkt das Geld, das im Umlauf ist. Und wird das Geld knapper, dann steigt sein Preis, respektive der Wert einer Währung.

Durch die Erhöhung des SNB-Leitzinses dürfte sich also der Franken gegenüber anderen Währungen aufwerten. Allerdings: Es kommt auch darauf an, ob und wie stark die Leitzinsen anderer Währungen im Vergleich steigen.

Der Entscheid der SNB vom Juni zeigte hier aber klare Auswirkungen: Zwischenzeitlich stieg der Wert des Frankens gegenüber dem Euro so weit, dass die sogenannte Parität durchbrochen wurde. Das heisst, der Euro war zeitweise gar weniger wert als der Franken.

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Entwürfe für die ersten Franken-Münzen

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Entwürfe für die ersten Franken-Münzen
quelle: schweizerisches bundesarchiv
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43 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruno Wüthrich
03.07.2022 08:32registriert August 2014
Kurz gesagt: mit der Erhöhung der Leitzinsen geschieht das Paradox, dass deswegen die Preise vorerst sogar noch mehr steigen, als dies durch die Inflation sonst schon der Fall ist.

Erst wenn sich dadurch die Nachfrage nach Geld und Produkten abgekühlt hat, kippt die Massnahme in die richtige Richtung.

Vorerst werden die Preise also weiter steigen. Dem sagt man Teuerung, weil die Preissteigerung weder durch die Ausweitung der Geldmenge noch durch die Lohn-Preis-Spirale begründet ist. Teuerung ist nicht das gleiche wie Inflation.
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Wa’Tsun
03.07.2022 08:28registriert März 2021
Schöne Übersicht über dieses komplexe Thema und die Zusammenhänge. Danke.

Die variable Hypothek SARON hat allerdings noch nicht reagiert. Ich glaube ja, dass die Banken kurz erschrocken sind und überreagiert haben. Denn die Zinsen von Festhypotheken sind überproportional stark gestiegen. Und witzigerweise auch sehr unterschiedlich.
Mal sehen, was die Zukunft bringt…
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Parcival
03.07.2022 08:25registriert Februar 2015
Danke, sehr gründliche Erklärungen, die alle wissen müssen.
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