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Das Hauptgebäude der Universität Zürich: Wie viele ausländische Professoren dürfen es sein?  Bild:

Die SVP will keine deutschen Professoren an der Uni Zürich – jetzt gibt's halt eine Amerikanerin

Der erste Versuch, eine Nachfolge für Medienprofessor Heinz Bonfadelli zu finden, scheiterte. Die Uni Zürich wurde mit einer Protestwelle konfrontiert, weil nur deutsche Professoren in die letzte Bewerbungsrunde kamen und kein Schweizer. Nun ist eine Amerikanerin berufen worden. 



So haben sich das SVP und «Tages-Anzeiger» wohl nicht vorgestellt: Die Nachfolge des emeritierten Heinz Bonfadelli, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Zürich, soll eine ungarischstämmige Amerikanerin antreten. 

Den ersten Versuch, die besagte und gut bezahlte Professorenstelle zu besetzen, musste die Universität Zürich Anfang 2013 abbrechen, nachdem der Tages-Anzeiger berichtet hatte, dass in der Endrunde des Berufungsverfahrens nur deutsche Professoren seien. Danach gab es dermassen massive Anfeindungen aus der Bevölkerung gegenüber den deutschen Kandidaten und den Mitgliedern der Berufungskommission, dass deren Präsident das Berufungsverfahren von sich aus einstellen wollte. 

Zwar äusserten sich keine SVP-Exponenten öffentlich zur konkreten Berufung für den Professorenstuhl Bonfadellis, die SVP hatte das Thema aber zwei Jahre zuvor in einer grösser angelegten Kampagne angeheizt. Die Universität Zürich würde von deutschen Professoren überlaufen, warnte die SVP in Zeitungsinseraten. Zwei SVP-Kantonsräte machten mittels Anfragen im Parlament Stimmung gegen deutsche Dozierende an der Universität Zürich. 

Anlass der Aktion war laut «Weltwoche»-Verleger und -chefredaktor Roger Köppel die Bewerbung von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Der Hintergrund: Mörgeli hatte sich um einen Lehrstuhl am Medizinhistorischen Institut beworben, in dem Mörgeli deutscher Konkurrenz gegenüberstand. Titular-Professor Mörgeli brauchte den Ordinarius-Lehrstuhl als unkündbare Stelle, weil ihm am Medizinhistorischen Institut ein zunehmend rauher Wind entgegenblies

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SVP-Inserat, das vor einer Flut deutscher Professoren an der Universität Zürich warnte.  screenshot watson

Über die Neuauflage des Berufungsverfahrens für die Nachfolge von Bonfadelli berichtete nun erneut der Tages-Anzeiger. In der Endauswahl stünden ein Schweizer und eine Amerikanerin, die die Anforderungen im Stellenausschrieb überhaupt nicht erfülle. Im Gegensatz zu Thomas Friemel, einem ehemaligen Schüler Bonfadellis, verfüge die amerikanische Kommunikationsforscherin Eszter Hargittai nicht über die verlangten Kenntnisse der Schweizer Medienlandschaft. Hargittai, derzeit tätig an der Northwestern University in Evanston, einem Vorort von Chicago, forsche vor allem zur Frage, welche Bevölkerungs- und ethnischen Gruppen welche elektronischen Medien wie nutzen. 

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Eszter Hargittai, Professorin für Kommunikationswissenschaften in Evanston, Illinois, hat einen Ruf an die Universität Zürich erhalten und soll hier Heinz Bonfadelli ersetzen.  eszter Hargittai

Nun haben sich Berufungskommission und Universität Zürich für Hargittai entschieden. Vergangenen Donnerstag ist die Personalie der Belegschaft des Institutes für Publizistikwissenschaften und Medienforschung (IPMZ) der Uni Zürich verkündet worden. Hargittai muss nun entscheiden, ob sie den Ruf an die Uni Zürich annehmen will oder nicht. In der Szene der Schweizer Medienforscher ist die Berufung Hargittais trotz des grossen Leistungsausweises auf ihrem Forschungsgebiet umstritten. Die Schweizerische Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM) und deren Vizepräsident Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik an der ZHAW in Winterthur, kritisieren die mangelnde Berücksichtigung inländischen akademischen Nachwuchses bei der Professorenwahl seit längerem. 

Auch am IPMZ gehen die Meinungen über Hargittai auseinander. Sie ist in der internationalen Medienforscherszene als «schwierige Persönlichkeit» bekannt. Institutsmitglieder trauen ihr zu, den Ruf der Universität Zürich auch nur als Druckmittel für Lohnverhandlungen bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber zu nutzen. Unterschrieben ist jedoch zur Stunde noch nichts.  

Der verantwortliche Dekan der Philosophischen Fakultät, Andreas H. Jucker sagt, es sei «richtig, dass die Universitätsleitung Berufungsverhandlungen für die Nachfolge Bonfadelli aufgenommen hat», will aber weder den Namen Hargittais noch den Stand der Verhandlungen weiter erläutern.  

Und was sagt Christoph Mörgeli, der einstige grosse Kämpfer gegen die angebliche Deutschenflut auf Professorenposten an der Universität Zürich, zum Ruf an Hargittai? Nur so viel: «Kandidaten aus Drittstaaten zu berücksichtigen, wird bald noch verpönter sein, als Deutsche zu berufen ...»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Reto99 14.07.2015 16:19
    Highlight Highlight Über 50% der Forscher und Professoren in der Schweiz stammen aus dem Ausland. Dies ist in keinem anderen Land der Fall. Ich denke es wäre sinnvoll zu fragen, wieso dies der Fall ist? Die Uni offeriert dazu natürlich "plausible" Erklärungen (z.B. das man keine schweizer Fachkräfte findet), aber nach über 10 Arbeitsjahren an der Uni kann ich mit Sicherheit sagen, dass ausländische Professoren manipulierbarer sind und dass es billiger ist "vorgefertigte" ausländische Profs. einzukaufen, anstatt selber den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.
  • amazonas queen 24.06.2015 18:22
    Highlight Highlight Traurig, wie der Ruf einer Uni geopfert wird, um bei der nächsten Wahl 0.3% mehr Stimmen zu holen.
  • stadtzuercher 23.06.2015 14:46
    Highlight Highlight tja, liebe svp-ler, so geht das wenn plötzlich ein ganzer lehrstuhl nur noch von besser qualifizierten ausländern geführt wird.
    wir zürcher normalos kennen das bereits, dass wir aus einem haus rausgeworfen worden sind, weil nur noch besser verdienende ausländer drin wohnen sollen. und ehrlich, wenn das in einem fall ok ist, dann ists wohl im anderen fall auch ok.
  • upsidedown 23.06.2015 12:52
    Highlight Highlight Erstaunlich, dass nicht die Qualität zählt, sondern nur ob ein Dozent "echter Schweizer" ist oder nein: Hauptsache kein Deutscher!
  • Duweisches 23.06.2015 12:33
    Highlight Highlight Meine Güte, dieser SVP-Artikel sieht ja aus wie eine Mischung aus Blick und Nazipropaganda 😤
  • Lowend 23.06.2015 12:13
    Highlight Highlight Die SVP will also keine Deutschen an der UNI, aber sie ist doch auch die Partei mit den meisten eingewanderten PolitikerInnen und zuerst sollten die mal schauen, dass ihre Secondos sich aus der Schweizer Politik heraushalten. Anfangen kann ja mal der südbadische Parteibesitzer, oder Freysinger, oder Esterman, oder ...
    Ich habe manchmal eh den Verdacht, die SVP sei in Tat und Wahrheit eine Verschwörung, oder False Flag-Operation der EU, um die Schweiz zu destabilisieren. ;-) (Achtung Ironie!)
    • Lowend 24.06.2015 10:34
      Highlight Highlight Bei einer derart intelligenten Aussage, wie der ihrigen HPeters, ist diese sicher total ironisch gemeint, sie Schlaumeier, sie!
    • Lowend 24.06.2015 12:07
      Highlight Highlight Wieder dumm gelaufen, denn "Lowend" bezeichnet das tiefe Ende des Tonspektrums, sprich die fundamentalen Bässe, aber trotzdem netter Versuch. Übrigens, haben sie auch etwas zum Thema des Kampfes der Migranten-Partei gegen die Deutschen zu sagen, oder beschränken Sie sich, wie bei der SVP üblich, nur auf das Diffamieren anderer Menschen und Meinungen, HPeters?
  • Huber50 23.06.2015 11:59
    Highlight Highlight Liebes Watson Team: Damit sich der Leser eine Meinung zu diesem Thema machen kann, wäre eine Statistik über die Nationalitäten aller Professoren wertvoll / wünschenswert. Solange eine vernünftige Verteilung der nationalen & internationalen Lehrkräfte engagiert, lässt sich da gemäss meiner Meinung kaum was kritisieren.
    • dickmo 23.06.2015 13:47
      Highlight Highlight Woher die Professoren kommen, ist völlig unerheblich. Es zählen nur der Leistungsausweis in Forschung und Lehre. Um die Schweizer Mediennutzung und -wirkung zu erforschen, braucht man keine Kenntnisse der Schweizer Medienlandschaft zu haben. Es kommen die gleichen soziologischen Methoden zur Anwendung wie in Dschibouti oder Spitzbergen oder Mülhausen.
    • Huber50 23.06.2015 14:59
      Highlight Highlight Lieber dickmo, die Opposition gegen die ursprünglich beabsichtigte Berufung ist doch entstanden, weil gewisse Leute das Gefühl haben, die UNI generell werde vorwiegend von einer nördlichen liegenden Nation beherrscht. Die journalistische Leistung liesse sich doch deshalb etwas steigern mit etwas mehr Hintergrundinformationen. Ich bin mit Dir einverstanden, dass es in dieser Fakultät in fachlicher Hinsicht keine Rolle spielt, woher der Bewerber kommt. Es geht hier offenbar eher um ein Bauchgefühlltät, dass sich in gewissen Bildungsstätten keine Schweizer mehr etablieren können.
  • Le_Urmel 23.06.2015 11:21
    Highlight Highlight Nun gut ihr Deutsch wird wohl schlechter sein als bei den hochdeutschen Professoren und damit das Niveau des Tagis und der SVP treffen
    • f303 23.06.2015 14:02
      Highlight Highlight Die SVP torpediert das Schweizer Bildungssystem wo sie nur kann und wundert sich wenn am Ende kein Schweizer gut genug für eine Professur ist. Das gleiche bei den Fachkräften.
      Wenn es der SVP um eine tatsächliche Veränderung ginge, würde sie das CH-Schulsystem so gut wie möglich fördern, damit man in absehbarer Zeit keine ausländischen Fachkräfte mehr bräuchte. Da sie aber genau das Gegenteil tut, ist es ein weiteres Mal nur Polemik und Ausländerfeindlichkeit.
    • stadtzuercher 23.06.2015 14:48
      Highlight Highlight wenn die svp nur noch schnüerlischrift und wirtschaftswissenschaft in den schulen vermitteln will, soll sie mal nicht so tun, wenn dann halt kein Medienprofessor mehr ausgebildet wird in der schweiz...

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