Wirtschaft
Schweiz

Die Paradise Papers zeigen die heikle Geschäfte von SBB-Präsidentin RIbar.

Verwaltungsratspraesidentin Monika Ribar spricht waehrend der Bilanzmedienkonferenz der SBB, am Dienstag, 21. Maerz 2017 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Sie verantwortete als Verwaltungsrätin heikle Geschäfte einer umstrittenen Firma mit: SBB-Präsidentin Monika Ribar.Bild: KEYSTONE

So funktionierte die heikle Angola-Connection von SBB-Präsidentin Monika Ribar

05.11.2017, 20:4106.11.2017, 09:56

In den 13 Millionen, von Journalisten aus der ganzen Welt ausgewerteten Dokumenten mit dem Namen «Paradise Papers», taucht auch der Name von Monika Ribar auf. Sie ist seit letztem Jahr SBB-Präsidentin. Ihr Name taucht laut Tages-Anzeiger im Zusammenhang mit demjenigen des schweizerisch-angolanischen Geschäftsmannes Jean-Claude Bastos auf.

Im Mai 2015 trat Ribar, damals schon Vizepräsidentin des SBB-Verwaltungsrats, in den Verwaltungsrat der Capoinvest Limited ein. Diese Firma von Jean-Claude Bastos ist auf den Britischen Jungferninseln domiziliert. Sie steht hinter der Finanzierung des Baus eines Tiefseehafens in der angolanischen Provinz Cabinda.

Jean-Claude Bastos Geschäftsmann Schweiz Angola
Umstrittener Geschäftsmann: Jean-Claude Bastos.Bild: wikimedia commons

Das Heikle an diesem Geschäft: Ein Teil der Finanzierung für den Hafen stammt aus Geldern des 5 Milliarden schweren Staatsfonds des ölreichen Angola, dem «Fundo Soberano». Die Verwaltung dieses riesigen Fonds hat der angolanische Staat in die Hände der Quantum-Global-Gruppe mit Hauptsitz in Zug gelegt. Hinter der Firma steckt Jean-Claude Bastos.

Er ist ein guter Freund des Chefs des Staatsfonds: José Filomeno dos Santos. Dieser ist der Sohn des im August 2017 zurückgetretenen Staatspräsidenten José Eduardo dos Santos. Dos Santos hatte das Land zuvor während 38 Jahren ununterbrochen regiert.

Ribar soll 100'000 Dollar verdient haben

Als Verwalter des Staatsfonds verdiente der Schweiz-Angolaner Bastos so viel, dass er sich alleine in den Jahren 2014 und 2015 Dividenden in der Höhe von 41 Millionen Dollar auszahlen konnte. Zusätzlich zu den Dividenden profitierte Bastos vom «Fundo Soberano», indem er hunderte Millionen in seine eigenen Projekte investierte. Für den Bau des Tiefseehafens in Cabinda – für deren Finanzierung wie eingangs erwähnt die Capoinvest Limited mit Verwaltungsrätin Monika Ribar verantwortlich war – wurden 180 Millionen Dollar des «Fundo Soberano» gesprochen. 

Gegenüber dem Tages-Anzeiger liess Ribar über die SBB-Medienstelle ausrichten, sie habe Capoinvest zum Set-up eines Hafenprojektes in Angola beraten, «basierend auf ihrer Erfahrung in der Logistik und der Beratung». Wie aus den «Paradise Papers» hervorgeht, soll sie dafür sehr gut entlöhnt worden sein. 

Gemäss «Tages-Anzeiger» gab ein Mitarbeiter des Family-Office von Jean-Claude Bastos im Februar 2016 per E-Mail die Anweisung, ein Dokument auszustellen. Auf diesem solle Ribar als «Platinum Member» von Capoinvest ein Jahresgehalt von 100'000 Dollar zusichert werden.

«Sorgfältige Planung durchgeführt»

Ribar bestätigt gegenüber der Zeitung lediglich, dass sie im Rahmen ihrer Tätigkeit für die Capoinvest «an mehreren Sitzungen teilgenommen, davon an zwei in Angola vor Ort». Darüber hinaus «weist sie freundlich darauf hin», dass Capoinvest als eine ­private Firma nicht dazu verpflichtet ist, Honorare offenzulegen.

Noch bevor sie im Juni 2016 das Verwaltungsratspräsidium bei den SBB übernahm, ist Ribar bei der Capoinvest ausgetreten. Das sei von Anfang an so geplant gewesen, liess sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger» verlauten.

Auf die möglicherweise heiklen Aspekte, welche sich für das Tiefseehafen-Projekt der Capoinvest aufgrund der Doppelrolle von Jean-Claude Bastos als Investor und Verwalter des Staatsfonds ergeben, antwortet Ribar gegenüber dem «Tages-Anzeiger» knapp. Sie habe vor Mandatsannahme «eine sorgfältige Prüfung durchgeführt» und sei «nach wie vor überzeugt von diesem Projekt». (cbe)

Das Netzwerk von Jean-Claude Bastos
Bereits am vergangenen Donnerstag berichtete die Handelszeitung von weiteren prominenten Namen im Netzwerk des umstrittenen schweiz-angolanischen Geschäftsmannes. Im «Advisory Board», dem Beirat von Bastos' Zuger Finanzgruppe Quantum Global, sitzt etwa Alt-Bundesrätin Ruth Metzler. Der frühere Kuoni-Chef Armin Meier sitzt im Verwaltungsrat von Bastos' Family-Office sowie einer Ingenieursgesellschaft. Und der frühere UBS-Chef Marcel Rohner sass unter anderem in der Firma Plaza Global Real Estate Partners auf der Kanalinsel Jersey. Das Joint Venture kaufte mit Kapital der angolanischen Zentralbank Luxusimmobilien in New York, Paris, London und München. (cbe)

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Video: srf
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