Wirtschaft
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CEO Brady Dougan of Swiss bank Credit Suisse gestures during a news conference to present the bank's half-year results in Zurich July 22, 2014. Credit Suisse Group AG reported its biggest quarterly loss since the peak of the financial crisis in 2008, the result of a 1.6 billion Swiss franc ($1.78 billion) settlement with U.S. authorities over helping its clients evade taxes.     REUTERS/Arnd Wiegmann (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS HEADSHOT TPX IMAGES OF THE DAY)

Credit-Suisse-Chef Brady Dougan bei einer Pressekonferenz 2014. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

«Negative Signalwirkung»

Die Chefs der Schweizer Grossbanken verkaufen ihre Aktien

Mitglieder der Konzernleitungen der Credit Suisse (CS) und der UBS verkauften Aktien ihrer Grossbanken für mehr als 75 Millionen Franken. Sie wurden ihnen als Teil ihrer Saläre zugesprochen.

roman seiler / nordwestschweiz



Ein Artikel der

154 Millionen Franken: So viel waren die Aktien wert, welche die neun Mitglieder der Konzernleitung (KL) der Credit Suisse (CS) Ende 2013 besassen. Hätten sie die Wertschriften ihrer Firma noch Ende 2014 gehalten, hätten sie einen Verlust von 14,4 Millionen eingefahren. Die Aktie zählte 2014 in einem steigenden Markt zu den Verlierern. 

Die Buchverluste der führenden Manager der Grossbank waren wohl kleiner:

In den zwei letzten Jahren stiessen sie Titel für 46,4 Millionen Franken ab.

Dies ergibt eine Auswertung der auf der Website der Schweizer Börse publizierten Managementtransaktionen. Mitglieder des Verwaltungsrats (VR) verhökerten CS-Wertschriften für 6,7 Mio. Franken. Wer sich von Titeln trennt, ist nicht ausgewiesen. 

Auffällig ist: Während der letzten zwei Jahre gab es keinen einzigen Zukauf – weder von einem VR- noch einem KL-Mitglied. 

Bei der UBS ist das Bild differenzierter: Die elf KL-Mitglieder sassen Ende 2013 auf UBS-Aktien im Wert von 148 Millionen Franken. Auch sie kauften 2013 und 2014 keine Titel.

Die Top-Manager der UBS stiessen Aktien für 30,2 Millionen Franken ab.

Hingegen verzichteten drei VR-Mitglieder darauf, die Hälfte ihres Honorars in bar zu beziehen. Sie liessen sich ihre gesamte Vergütung in Aktien zuteilen. Daneben gab es drei Aktienverkäufe von VR-Mitgliedern. Insgesamt übersteigt der Wert der Käufe derjenige der Verkäufe. 

Zur Transparenz verpflichtet

Seit 2005 müssen KL und VR-Mitglieder offenlegen, wenn sie Titel ihrer Firmen kaufen oder verkaufen. Damit soll verhindert werden, dass sie ihr Insiderwissen vor der Bekanntgabe kursrelevanter Informationen ausnutzen können. Daher sind die Zeitfenster für die Durchführung von Managementtransaktionen eng bemessen. In der Regel ist dies nach der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse möglich.

Bei beiden Grossbanken ist vorgeschrieben, wie viele Aktien die KL-Mitglieder mindestens halten müssen. Zudem wird ihnen ein hoher Anteil ihrer Saläre in Form von Wertschriften vergütet (siehe Box unten). Deswegen unterliessen sie weitere Zukäufe, sagt der stellvertretende Direktor der Anlagestiftung Ethos, Vincent Kaufmann: «Damit aber auch die Aktien-Verkäufe angemessen bleiben, fordern wir einen Mindestanteil an Aktien in der Höhe eines Jahreslohns.» 

ZUR VEROEFFENTLICHUNG DES GESCHAEFTSBERICHTS UND DEN HOHEN BONI AN DIE GESCHAEFTSLEITUNG STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Sergio P. Ermotti, Group Chier Executive Officer UBS AG, speaks during the second day of the St. Gallen Symposium, a platform for dialogue on key issues in management, at the university of St. Gallen, Switzerland, Friday, May 3, 2013. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

UBS-Chef Sergio Ermotti muss Aktien für 8,3 Millionen Franken halten. Bild: KEYSTONE

Selbst zu den Aktienkursen unmittelbar vor der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro durch die Nationalbank lag die Schwelle unter den Salären, welche die beiden CEOs 2013 bezogen hatten: UBS-Chef Sergio Ermotti muss Aktien für 8,3 Millionen Franken halten, CS-Chef Brady Dougan für 8,1 Millionen. Bei KL-Mitgliedern der CS sind es 3,5, bei der UBS 5,8 Millionen. Auch diese Werte liegen unter dem Durchschnittslohn eines KL-Mitglieds. 

Gehalt der Top-Manager besteht vor allem aus Aktien 

CEO Sergio Ermotti bezog 2013 bei der UBS eine Vergütung von 10,73 Millionen Franken. Investmentbanking-Chef Andrea Orcel war mit 11,4 Millionen das bestbezahlte Mitglied der Konzernleitung (KL). CS-Chef Brady Dougan kam auf 9,8 Millionen. Ein KL-Mitglied erhielt bei der CS im Schnitt 6,9, bei der UBS 7,2 Millionen. 
- Mehr als 60 Prozent der Saläre werden nicht bar ausbezahlt, sondern in Form von Wertschriften. Die Titel sind gesperrt. Nach drei, vier und fünf Jahren können die Manager über je eine Tranche verfügen. Aber nur, wenn sie beim Zeitpunkt der Zuteilung noch bei ihren Grossbanken tätig sind, die Performance stimmt und ihnen keine Verfehlungen vorgeworfen werden. 
- Laut Geschäftsbericht muss ein KL-Mitglied bei der CS mindestens 150'000 Aktien halten, der CEO 350'000. Bei der UBS sind es mindestens 350'000 Titel für ein KL-Mitglied und 500'000 für den CEO. 
- Verwaltungsräte (VR) der beiden Grossbanken erhalten in der Regel je die Hälfte ihres Honorars in Aktien. Sie sind vier Jahre gesperrt. 
- Bei der UBS können VR-Mitglieder auf den Baranteil verzichten. Die zusätzlichen Titel erhalten sie mit einem Abschlag von 15 Prozent auf dem Durchschnittspreis der letzten zehn Handelstage im Februar.
(sei) 

Die Mindesthalte-Schwelle liegt gemäss den Geschäftsberichten von 2013 meist tiefer als die Zahl der gesperrten Titel der KL-Mitglieder. Das ermöglicht den Managern, zugeteilte Wertschriften zu verkaufen. Angesichts des vergleichsweise geringen Baranteils tun dies KL-Mitglieder, um Steuern, einen Hauskauf oder eine Scheidung zu finanzieren. 

Chief Executive Officer of UBS, Andrea Orcel leaves Portcullis House in London after giving evidence on banking standards to the Parliamentary Commission on Banking Standards, Wednesday, Jan. 9, 2013. The chief executive of UBS’s investment bank told British MPs on Wednesday that bankers had become too arrogant and that the industry has to change. (AP Photo/Sang Tan)

UBS-Investmentbanking-Chef Andrea Orcel. Bild: AP

UBS-Investmentbanking-Chef Andrea Orcel und zwei KL-Mitglieder der CS hielten Ende 2013 gar keine frei verfügbaren Titel mehr. Zu Recht hält also Kaufmann die Regelung beim Versicherungskonzern Zurich Insurance Group für empfehlenswert: «Erhalten Konzernleitungsmitglieder gesperrte Aktien definitiv zugeteilt, dürfen sie nur die Hälfte gleich wieder verkaufen. Den Rest müssen sie mindestens drei Jahre behalten.» Denn mit der Abgabe von meist mehrere Jahre gesperrten Aktien sollen die Interessen der Manager mit denen der Eigentümer gleichgeschaltet werden. Sie sollen einen Anreiz haben, dann viel zu verdienen, wenn der Wert ihrer Firma steigt. Oder Geld verlieren, wenn der Aktienkurs sinkt. 

Die Offenlegung der Managementtransaktionen soll auch Transparenz für die Anleger schaffen. Der Aktienrechtler Peter Forstmoser formulierte es einst so: «Damit sollen Aussenstehende Signale erhalten, wie Insider die Gesellschaft beurteilen.» Schliesslich kennt keiner eine Unternehmung so gut, wie die obersten Chefs. 

Keine attraktiven Aktien 

Nur funktioniert das bei den Grossbanken nicht. Der emeritierte Bankenprofessor Hans Geiger sagt: «Deren Manager verhalten sich nicht wie Unternehmer, sondern wie Angestellte und verkaufen ihre frei verfügbaren Aktien.» Das sei nicht glorios, aber sinnvoll. So könnten sie den grossen Anteil an Titeln ihrer Firmen abbauen und ihr Vermögen diversifizieren. 

Auch der Bankenanalyst der Bank Vontobel, Andreas Venditti, sagt, die Manager seien einem Klumpenrisiko ausgesetzt und verkauften Aktien auch aus Diversifikationsgründen: «Finden aber immer nur Verkäufe statt, hat das schon eine negative Signalwirkung. Die Chefs glauben offenbar nicht, dass der Aktienkurs nachhaltig steigt.» 

Bei der CS hat sich der Kurs seit 2010 mehr als halbiert. Bei der UBS liegt er nach der Aufhebung der Euro-Untergrenze wieder unter dem Wert von damals. Bankenprofessor Geiger hält Grossbank-Aktien für keine attraktive Anlage. Er kaufe keine: «Ihr Kurs hängt zu stark von der Politik und dem Währungssystem ab. Zudem tauchen sie stets, wenn es irgendwo konjunkturelle Probleme gibt wie beispielsweise in Griechenland.» 

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